Consulting Briefing: Thema des Tages
Copilot Wave 3 Cowork und Anthropic-Modelle in Word, Excel und PowerPoint|
AI / COPILOT — CONSULTING BRIEFING — 30.04.2026 |
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Copilot Wave 3: Cowork und Anthropic-Modelle in Word, Excel und PowerPoint
Executive Summary
Microsoft hat am 9. März 2026 mit der dritten Welle von Microsoft 365 Copilot eine Zäsur eingeläutet, die Du in der Tiefe noch nicht überall verstanden findest. Wave 3 ist nicht noch ein Sidebar-Bot mit ein paar neuen Tricks. Wave 3 ist der Punkt, an dem Copilot aufhört, Vorschläge zu machen, und anfängt, Arbeit zu erledigen. Direkt im Dokument, über Stunden hinweg, mit echten Outputs in Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Copilot Chat.
Der spannendste Baustein heißt Copilot Cowork und basiert technisch auf Anthropic Claude — genauer auf der Claude-Cowork-Engine, die Microsoft sich von Anthropic in den Microsoft-Cloud-Stack geholt hat. Gleichzeitig wandert Claude Sonnet als gleichberechtigtes Modell neben die OpenAI-Modelle in den Modell-Picker von Copilot Chat. Anders gesagt: Du musst Dich darauf einstellen, dass in Deinem Tenant ab sofort zwei Foundation-Model-Familien bedient werden, und Du musst entscheiden, welche davon für welche Datenklasse zugelassen ist.
Wer das ignoriert, hat Wave 3 nicht verstanden — und darf sich später nicht wundern, wenn Marketing fröhlich Pitch-Decks via Claude in PowerPoint baut, während die Compliance-Abteilung gerade noch über die richtige Sensitivity-Label-Strategie diskutiert.
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[FAKT] Kernbotschaft |
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Worum geht es im Detail? Auch Hintergründe.
Die Geschichte fängt ein paar Monate früher an. Microsoft hatte bereits angedeutet, dass Anthropic-Modelle ihren Weg in Microsoft 365 Copilot finden — zunächst in Researcher und Copilot Studio, dann mit klar gekennzeichneten Claude-Sonnet-Optionen in der Mainline-Erfahrung. Wave 3 zieht diesen Faden zu Ende: Claude ist nicht mehr Beiwerk, sondern Teil der Standard-Engine, sobald Du im Frontier-Programm bist. Und Cowork — das Feature, mit dem Du Aufgaben über Minuten bis Stunden delegierst — basiert direkt auf Claude Cowork. Das ist kein White-Label, das ist eine echte technologische Allianz.
Was passiert konkret in den Apps?
In Excel gibt es einen Agent-Mode: Du beschreibst ein Datenproblem in normaler Sprache, Copilot zerlegt es in Schritte, generiert echte Formeln (keine simulierten Pseudo-Ergebnisse mehr), legt neue Sheets an, baut Charts, überprüft seine eigene Arbeit. Aktuell GA in Excel für Windows, Web und Mac.
In PowerPoint kannst Du eine ganze Präsentation aus einem Prompt erzeugen — Copilot stellt Rückfragen zu Zielgruppe, Tonalität und Struktur, hält sich danach an die Templates und Brand-Guidelines Deiner Organisation. Rollout läuft auf PowerPoint Web.
In Word arbeitet Copilot direkt im Dokument: Statt einen Fließtext im Chat-Fenster zu produzieren, restrukturiert er Deinen vorhandenen Vertrag, Deine Spec, Dein Konzept — mit Inline-Markup und sichtbaren Änderungen.
In Outlook entstehen E-Mails direkt im Compose-Fenster, mit Kontext aus dem aktuellen Thread und Deinem Termin-Profil — Cowork kann ganze Reschedulings autonom abwickeln.
In Copilot Chat ist Cowork das Verb: Du sagst ‚bereite das Quartalsmeeting für Donnerstag vor und schick mir den Briefing-Pack‘, und ein langlaufender Agent zerlegt das in Plan, Checkpoints, Output. Dazu gibt es im Modell-Dropdown jetzt sichtbar Claude Sonnet als Option.
Wichtig zur Architektur: Alle Modelle, auch Claude, laufen in der Microsoft-Azure-Cloud — nicht über die Anthropic-API in irgendeinem US-Rechenzentrum. Microsoft betont das ausdrücklich, und das ist regulatorisch ein wesentlicher Punkt. Der Weg der Daten verlässt die M365-Sicherheitsgrenze nicht; Claude wird als Inferenz-Workload bei Microsoft betrieben. Das macht das Thema verdaulicher für Datenschutz und Betriebsrat — heißt aber nicht, dass Du es einfach durchwinken kannst.

Abb. 1 — Cowork-Architektur: User-App → Work IQ → Cowork-Orchestrator → Modell-Routing (OpenAI / Claude) → Ausführung in den Office-Apps, alles eingebettet in M365-Governance.
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[FAKT] Hintergrund: Was ist Work IQ? |
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Auch organisatorisch ändert sich etwas. Microsoft führt mit Wave 3 zwei neue Brocken ein: Agent 365 als Steuerungsebene für alle Agenten in Deinem Tenant — Registry, Identitäten via Entra, Lifecycle, Reporting, ab 1. Mai 2026 für $15 pro Nutzer. Und Microsoft 365 E7, eine neue Lizenzstufe für $99 pro Nutzer, in der Copilot, Agent 365 und erweiterte Security gebündelt sind. Wer den Agenten-Wildwuchs nicht haben will, wird hier zwangsläufig diskutieren müssen — auch wenn das Marketing-Narrativ mal wieder ‚alles inklusive‘ erzählt.
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[PRAXIS] Praxisbeispiel: Quartalsbericht beim Mittelständler |
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Chancen und Risiken
Chancen
Zeitgewinn auf Knowledge-Work-Routinen ist substanziell — wer ehrlich gemessen hat, sieht bei Standardberichten und Pitch-Decks 30 bis 60 Prozent weniger Aufwand.
Modellvielfalt im selben Tenant: Du kannst Claude für nuancierte Texte und lange Reasoning-Ketten nutzen, OpenAI für Volumen und Code. Vendor-Lock-in wird leicht geschwächt — vorausgesetzt, Du nutzt das auch.
Cowork bringt zum ersten Mal echte Mehr-Stunden-Workflows in den Microsoft-Stack. Das ist die Brücke zwischen Copilot und ‚richtigen‘ Agenten in Copilot Studio.
Native Integration in den Apps reduziert Kontextwechsel. Die Sidebar war hübsch — produktiv ist Inline-Editing.
Agent 365 macht Agenten endlich auditierbar wie normale User-Identitäten. Wenn Du das konsequent ausrollst, ist das ein massiver Sprung gegenüber dem heutigen Zoo aus Plug-ins, Power-Platform-Bots und Schatten-IT.
Risiken
Modell-Drift in der Belegschaft: Wenn niemand Regeln vorgibt, wählen Mitarbeiter intuitiv ‚das Modell, das schöner schreibt‘. Das wird in 80 Prozent der Fälle Claude sein — und in 20 Prozent der Fälle landet Vertraulichkeit in einem Modell, das Du nicht evaluiert hast.
Cowork-Aufgaben laufen über Minuten bis Stunden. Das heißt: Outputs werden seltener Schritt für Schritt geprüft. Wer nicht klar definiert, welche Cowork-Tasks Vier-Augen-pflichtig sind, baut sich elegante automatisierte Fehler.
EU/UK-Sonderfall: Anthropic-Features sind in EU/UK per Default aus, in den USA per Default an. Das heißt — irgendein Admin muss bewusst opt-in machen. Wer das ohne Datenschutz-Folgenabschätzung tut, hat im Zweifel ein Problem.
Lizenzrisiko: E7 für $99 pro Nutzer ist nicht überall darstellbar. Wer ‚alle bekommen Copilot Wave 3‘ im CIO-Update verspricht, hat häufig nicht durchgerechnet, was das in einem 2.000-Mitarbeiter-Konzern wirklich bedeutet.
Abhängigkeitsrisiko: Cowork ist Claude. Wenn morgen die Microsoft-Anthropic-Beziehung knirscht — was niemand erwartet, aber Geschichte hat uns gelehrt, dass Tech-Allianzen halbe Halbwertszeiten haben — sind Deine Workflows betroffen.
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[ACHTUNG] Warnung: Schatten-Cowork ist real |
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Abb. 2 — Modell-Entscheidungsmatrix: Wo OpenAI das Mittel der Wahl ist, wo Claude punktet — und wo Du im Zweifel beide nicht ohne Governance-Freigabe einsetzt.
Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?
Wave 3 ist kein Software-Update, das Du einfach durchwinkst. Es ist ein Governance-Ereignis. Hier die fünf Punkte, an denen Du jetzt arbeiten musst, statt im Mai festzustellen, dass Dein Tenant schon halb umgestellt ist.
1. Modell-Governance-Policy verschriftlichen.
Du brauchst eine kurze, lesbare Regel, welches Modell für welche Datenklasse zugelassen ist. Drei Datenklassen reichen: ‚Public/Internal‘, ‚Confidential‘, ‚Strictly Confidential‘. Pro Klasse legst Du fest, welche Modelle erlaubt sind und welche Cowork-Aktionen freigegeben sind. Der Witz: Solange das nicht steht, kann Dein Datenschutzbeauftragter mit Recht jede Erweiterung blockieren.
2. Frontier-Tenant nominieren — bewusst.
Cowork und die Claude-Modelle kommen über das Frontier-Programm. Entweder wählst Du einen Pilot-Tenant aus und steuerst den Zugang, oder Deine Power-User erwischen die Welle als Erste — ohne Begleitung. Ein klassischer Pilot mit 50 bis 100 Power-Usern aus drei Geschäftsbereichen ist hier Goldstandard.
3. Purview, DLP und Sensitivity-Labels schärfen.
Cowork-Outputs erben nicht automatisch die Sensitivity der Quelldaten. Wenn Du noch kein konsequentes Labeling auf Personal- und Finanzdaten hast, ist jetzt der Moment. Plus: Audit-Logs für Agent-Aktionen aktivieren — Agent 365 macht das angenehmer, aber Du musst es einschalten und auswerten.
4. Lizenz- und Kostenmodell vorbereiten.
E7 zu $99 ist signifikant. Rechne durch, wer wirklich E7 braucht (Wissensarbeiter mit Cowork-Bedarf), wer mit E5 + Copilot reicht und wer ohne Copilot auskommt. Dazu der Agent-365-Aufschlag von $15 — der lohnt sich nur, wenn Du tatsächlich Agenten als Identitäten verwaltest. Was Microsoft ‚alles inklusive‘ nennt, ist im Total Cost of Ownership selten alles inklusive.
5. Change-Story vorbereiten.
Cowork verändert das Verhältnis zwischen Mensch und Office. Wer ein Word-Dokument von Cowork bauen lässt, muss anders prüfen als bei einem Word-Dokument vom Praktikanten. Das ist nicht trivial. Du brauchst eine kleine Schulung und vor allem klare Regeln, welche Outputs ein Vier-Augen-Review erfordern. Sonst schickt Dein erster Cowork-Quartalsbericht versehentlich ungeprüfte Zahlen an den Aufsichtsrat — und das wird ein interessantes Gespräch mit dem Vorstand.

Abb. 3 — Wave-3-Timeline mit Deinen fünf Vorbereitungsbausteinen. Wer im April nicht startet, ist im Mai im Reaktionsmodus.
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[TIPP] Tipp aus der Praxis |
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Unterm Strich: Wave 3 ist die wichtigste Copilot-Iteration seit dem ursprünglichen Launch. Sie ändert nicht das Marketing, sondern die Arbeitsweise. Wer jetzt Modell-Governance, Lizenzplanung und Change-Management aufsetzt, fährt im Sommer auf der Überholspur. Wer wartet, fährt im Sommer hinterher und erklärt dem Vorstand, warum die Buchhaltung ihren ersten Geschäftsbericht von einem Modell hat schreiben lassen, das gar nicht freigegeben war.