Intranet-Inhalte auf Zuruf: Copilot erstellt Seiten & Listen in SharePoint

von | Dez. 14, 2025 | CB-M365, Consulting Briefing | 0 Kommentare

Consulting Briefing: Thema des Tages

Intranet-Inhalte auf Zuruf: Copilot erstellt Seiten & Listen in SharePoint

Microsoft 365 Copilot schleicht sich gerade in den SharePoint-Alltag wie ein sehr motivierter Praktikant: Er fragt nicht nach Feierabend, er tippt nicht mit zwei Fingern, und er findet „Bitte mach mal schnell eine Seite“ nicht beleidigend. Besonders spannend sind die neuen Fähigkeiten rund ums Erstellen von SharePoint-Seiten und Listen per Chat-Eingabe. Das klingt erst mal nach Zauberei, ist aber im Kern ziemlich pragmatisch: Du beschreibst, was du brauchst – Copilot baut dir einen brauchbaren Rohbau. Und Rohbau ist hier ausdrücklich ein Kompliment.

SharePoint-Seiten per Chat: Vom Wunschzettel zur startklaren Seite

Stell dir vor, jemand aus der Fachabteilung soll „mal eben“ eine neue Intranet-Seite für ein Projekt aufsetzen. Früher lief das oft so: Leere Seite, große Leere im Kopf, und nach zehn Minuten steht da eine Überschrift wie „Willkommen“ und darunter ein Bild, das aussieht wie „Handshake in Stockfoto-Land“. Copilot dreht den Spieß um.

So läuft der Erstellungsprozess typischerweise ab

  1. Der Nutzer startet Copilot Chat (im Microsoft-365-Kontext) und formuliert einen Auftrag, zum Beispiel:
    „Erstelle eine SharePoint-Seite für das Projekt ‚Phoenix‘. Zielgruppe: alle Mitarbeitenden. Inhalte: Kurzüberblick, Ziele, Zeitplan, Ansprechpartner, aktuelle News, Links zu Dokumenten. Ton: sachlich, klar. Bitte mit passenden Abschnitten.“

  2. Copilot klärt implizit Struktur und Kontext: Je besser der Prompt, desto weniger Rätselraten. Copilot kann sich dabei an vorhandenen Mustern orientieren (zum Beispiel an typischen Intranet-Seiten) und an dem, was im jeweiligen Tenant und in der Site bereits üblich ist – natürlich nur im Rahmen der Berechtigungen.

  3. Copilot generiert einen Seitenentwurf in modernem SharePoint-Stil. Konkret entstehen oft:

    • Abschnitte (z. B. einspaltig für Einleitung, zweispaltig für „Ziele“ und „Status“, dreispaltig für Quicklinks/Ansprechpartner/Termine)

    • Überschriften und Zwischenüberschriften, sauber gegliedert

    • Textblöcke mit Beispielinhalten („Placeholder“-Texte, die schon in die richtige Richtung sprechen)

    • Vorschläge für Webparts: etwa „Text“, „Quick Links“, „News“, „Dokumentbibliothek“, „Personen“, „Ereignisse“ oder ein „Hero“-Bereich für prominente Einstiege

  4. Der Nutzer prüft, passt an und veröffentlicht. Der Clou: Du startest nicht bei Null, sondern bei „80 Prozent sind schon mal da“. Und die restlichen 20 Prozent sind meistens genau die, die man sowieso nicht delegieren sollte: Feinschliff, Tonalität, Faktencheck, interne Abstimmung.

Was Copilot wirklich gut kann (und was du davon hast)

Copilot ist stark, wenn es um Struktur, Konsistenz und Tempo geht. Er kann dir aus einem einzigen Chat-Auftrag eine Seite machen, die bereits wie ein echtes Intranet-Artefakt wirkt: Übersichtlich, mit sinnvollen Bereichen, und nicht wie ein digitaler Schuhkarton voller Text.

Das ist Gold wert für:

  • Schnelle Prototypen: „Wir brauchen bis morgen früh eine Seite fürs Townhall-Event.“ – Copilot liefert dir den Entwurf, du machst ihn wahr.

  • Weniger geübte Anwender: Wer SharePoint selten baut, scheitert oft nicht am Inhalt, sondern am „Wie ordne ich das an?“. Copilot übernimmt das Layout-Denken.

  • Content-Manager: Statt Stunden mit Grundformatierung zu verbringen, kann man sich auf Inhalte, Qualität und Kampagnenlogik konzentrieren.

SharePoint-Listen per Chat: Die Datenstruktur kommt auf Zuruf

Noch spannender (und für viele Unternehmen sogar wertvoller) ist das Erstellen von Listen per Chat. Denn Listen sind nicht nur Tabellen – sie sind kleine Anwendungen: Spalten, Datentypen, Validierung, Ansichten, Formatierung, manchmal sogar Prozesslogik.

Ein Beispiel: Liste in Auftrag geben

Ein Nutzer schreibt etwa:
„Erstelle eine SharePoint-Liste ‚IT-Beschaffungen‘. Spalten: Antragsteller (Person), Abteilung (Auswahl), Artikel (Text), Menge (Zahl), Kostenstelle (Text), Budget (Währung), Gewünschtes Lieferdatum (Datum), Priorität (Auswahl: niedrig/mittel/hoch), Status (Auswahl: neu/in Prüfung/bestellt/geliefert/abgelehnt), Kommentar (mehrzeiliger Text). Bitte auch eine Ansicht ‚Offen‘ (Status ungleich geliefert/abgelehnt) und eine Ansicht ‚Hohe Priorität‘.“

Was Copilot daraus macht, ist typischerweise:

  • Eine Liste mit passender Spaltenstruktur inklusive Datentypen (Person, Auswahl, Datum, Zahl, Währung usw.)

  • Sinnvolle Standardwerte oder Vorschläge (z. B. Status = „neu“)

  • Ansichten nach Bedarf (gefiltert, sortiert, gruppiert)

  • Optional Ideen für Formatierung, damit Status und Priorität visuell klar werden (Ampellogik, Hervorhebung)

  • Manchmal Beispieldatensätze, damit man sofort sieht, wie es „befüllt“ wirkt (praktisch für Demos und Stakeholder)

Der Nutzen ist offensichtlich: Statt eine Liste mühsam zusammenzuklicken, diktiert man die Struktur in normalem Deutsch. Das ist nicht nur schneller – es reduziert auch Fehler, weil man Anforderungen einmal sauber formuliert und dann als Struktur wiederbekommt.

Der Nutzen: schneller, inklusiver, weniger Chaos

Dieses Feature trifft einen Nerv im Digital Workplace: Der Engpass ist selten das Tool, sondern der Mensch vor dem Tool. Copilot verschiebt die Hürde von „Ich muss SharePoint können“ zu „Ich muss beschreiben können, was ich will“.

Das bringt drei große Effekte:

  1. Tempo für Intranet- und Projektarbeit
    Seiten und Listen sind oft die ersten Bausteine eines internen Angebots: Projektseiten, Onboarding-Hubs, Wissenssammlungen, Antragslisten, Maßnahmen-Tracker. Wenn der Rohbau in Minuten steht, wird aus „Machen wir irgendwann“ plötzlich „Ist schon in Arbeit“.

  2. Mehr Menschen können sauber beitragen
    Weniger geübte Anwender bauen sonst gern Seiten, die aussehen wie ein Word-Dokument aus dem Jahr 2003, nur mit mehr Buttons. Copilot führt automatisch zu mehr Struktur und damit zu besserer Auffindbarkeit.

  3. Content-Manager gewinnen Zeit
    Statt Layout-Polizei zu spielen („Bitte nicht zehn Überschrift-1 untereinander“), können Redakteure sich auf Qualität, Narrative, Aktualität und Governance konzentrieren.

Grenzen und Anforderungen: Copilot ist schnell, aber nicht automatisch richtig

Jetzt der Teil, den man nicht wegwischen sollte: Copilot ist kein Orakel. Er ist eher ein Turbolader. Und ein Turbolader verstärkt auch schlechte Eingaben.

„Die KI kennt nur, was man ihr liefert“ – und was sie sehen darf

Copilot arbeitet mit dem Kontext, den du ihm gibst, und mit dem, worauf er im Tenant Zugriff hat – innerhalb deiner Berechtigungen. Das heißt:

  • Wenn der Prompt schwammig ist („Mach mal eine Seite über Sicherheit“), wird das Ergebnis generisch.

  • Wenn interne Begriffe, Prozesse oder Zuständigkeiten nicht genannt werden, erfindet Copilot sie nicht zuverlässig.

  • Wenn Daten nicht gepflegt sind oder Inhalte wild verteilt liegen, kann Copilot zwar formulieren, aber nicht zaubern.

Qualitätskontrolle bleibt Pflicht

Gerade im Intranet gilt: Eine schöne Seite mit falschen Fakten ist schlimmer als gar keine Seite. Deshalb bleiben Intranet-Redakteure wichtig für:

  • Faktencheck und Freigaben

  • Tonalität und Corporate Language

  • Rechtliche und Compliance-Themen (zum Beispiel bei personenbezogenen Daten, internen Richtlinien, sensiblen Projekten)

  • Informationsarchitektur: Passt die Seite in Navigation, Hub-Struktur, Metadaten, Suchkonzept?

Copilot kann den Entwurf liefern. Die redaktionelle Verantwortung bleibt menschlich. Das ist keine Schwäche – das ist schlicht Realität in Organisationen, die nicht nach dem Motto „Hauptsache veröffentlicht“ arbeiten.

Schulungsbedarf: Prompt-Kompetenz ist die neue Büroklammer

Viele Teams werden lernen müssen, gute Prompts zu schreiben. Nicht als Kunstform, sondern als Handwerk:

  • Zielgruppe nennen

  • Zweck der Seite klar beschreiben

  • gewünschte Abschnitte und Inhalte aufzählen

  • Beispiele liefern („so ähnlich wie unsere HR-Onboarding-Seite“)

  • Formatwünsche angeben (kurze Absätze, Bulletpoints, formell/locker)

Das ist kein Hexenwerk, aber es ist eine neue Art von „digitaler Schreibkompetenz“. Wer sie beherrscht, bekommt bessere Ergebnisse – und spart massiv Zeit.

Einordnung: KI übernimmt Routine, Kommunikation wird kuratierter

Diese Entwicklung ist Teil eines größeren Trends: KI wandert in die alltäglichen Werkzeuge und übernimmt die wiederkehrenden Arbeiten – Struktur bauen, Erstentwürfe schreiben, Standardlayouts vorschlagen, Datenmodelle aufsetzen. Damit verschiebt sich die Rolle der Unternehmenskommunikation:

  • Weg vom „Wer tippt die Seite?“

  • Hin zu „Welche Botschaft, welche Dramaturgie, welche Wirkung, welche Governance?“

In der Zukunft wird ein gutes Intranet weniger daran scheitern, dass niemand klicken kann, sondern daran, ob Inhalte strategisch geplant, aktuell gehalten und sinnvoll kuratiert werden. Copilot kann die Produktion beschleunigen. Die Richtung, Qualität und Verantwortung bleiben menschliche Disziplinen.

Kurz gesagt: Copilot ist die Rakete. Ihr seid die Fluglotsen. Und das ist beruhigend, denn Raketen ohne Fluglotsen haben historisch betrachtet eine starke Neigung, „irgendwo“ anzukommen – nur selten da, wo man es den Stakeholdern versprochen hat.

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