Microsoft streicht Power Apps „Per App“-Plan

von | Jan. 21, 2026 | CB-M365, Consulting Briefing | 0 Kommentare

Consulting Briefing: Thema des Tages

Microsoft streicht Power Apps „Per App“-Plan

Das leise Verschwinden eines kleinen, wichtigen Lizenz-Zahnrads

Irgendwo zwischen „PDF gelesen?“ und „Warum ist das plötzlich teurer?“ ist es passiert: Im Power Platform Licensing Guide (Januar 2026) taucht der „Power Apps per app“-Plan (der berühmte 5-USD pro Nutzer pro App-Klassiker) schlicht nicht mehr als kaufbares Abo-Modell auf. Statt großer Bühne: ein stiller Schnitt im Lizenzdokument.

Ganz ohne jede öffentliche Kommunikation war es am Ende aber doch nicht: Microsoft hat am 14. Januar 2026 eine offizielle Meldung veröffentlicht: Seit 2. Januar 2026 ist der Power Apps per app SKU für Neukäufe nicht mehr verfügbar.
Der Eindruck „ohne Ankündigung“ kommt trotzdem nicht von ungefähr – weil viele Unternehmen die Änderung zuerst nicht über eine Roadmap-Notiz, sondern über genau dieses PDF (oder Blogposts, die das PDF gelesen haben) mitbekommen haben.


Was war der Per-App-Plan – und warum mochten ihn so viele?

Der „per app“-Plan war die Premium-Einstiegstür für genau die Fälle, die in Unternehmen ständig vorkommen:

  • Ein Lager braucht eine Scanner-App.

  • HR braucht eine Onboarding-App.

  • Ein Team hat zwei spezialisierte Apps, mehr nicht.

Dafür war das Modell perfekt: 5 USD pro Nutzer und App pro Monat (Premium-Funktionalität inklusive, wenn die App Premium-Funktionen nutzt). Microsoft selbst beschreibt die Logik historisch recht klar: pro App-Pass eben eine App (seit der Vereinfachung 2021).

Attraktiv war das aus drei Gründen:

  1. Kostenpassgenauigkeit: Premium ja – aber ohne gleich die Flatrate zu kaufen.

  2. Skalierung in kleinen Häppchen: Erst 50 Nutzer für App A, später vielleicht 30 weitere – ohne gleich das ganze Haus „Premium“ zu machen.

  3. Citizen-Developer-freundlich: Fachbereiche konnten kleine, nützliche Apps bauen, ohne dass sofort ein Budget-Krimi daraus wurde.


Was bleibt jetzt übrig?

Im Januar-2026-Guide sieht man im Kern zwei Wege für Premium-Szenarien:

  1. Power Apps Premium (pro Nutzer, unbegrenzte Apps): 20 USD pro Nutzer/Monat (jährliche Abrechnung ist üblich).

  2. Pay-as-you-go (PAYG) über Azure, pro aktiver Nutzer/App/Monat): 10 USD pro aktivem Nutzer pro App pro Monat, abgerechnet über eine Azure-Subscription.

Wichtig bei PAYG: Gezählt wird der monatlich aktive Nutzer pro App – wer die App im Monat mindestens einmal öffnet, zählt (einmal zählt wie hundertmal, aber eben „aktiv“).


Beispielrechnung: so knallt das in Budgets (leider ohne Soundeffekte)

Nehmen wir die klassischen Per-App-Fälle:

Fall A: 1 Nutzer nutzt 2 Premium-Apps

  • Früher (Per App): 2 × 5 USD = 10 USD/Monat

  • Jetzt (Premium): 20 USD/Monat
    Ergebnis: von 10 auf 20 = +100 %

PAYG wäre hier: 2 × 10 USD = 20 USD/Monat (wenn der Nutzer beide Apps im Monat nutzt) – ebenfalls +100 % gegenüber früher.

Fall B: 1 Nutzer nutzt 1 Premium-App

  • Früher (Per App): 1 × 5 USD = 5 USD/Monat

  • Jetzt (Premium): 20 USD/Monat
    Ergebnis: von 5 auf 20 = +300 % (weil +15 auf 5 gerechnet werden)

PAYG wäre: 1 × 10 USD = 10 USD/Monat (bei Nutzung) – das ist +100 % gegenüber dem alten 5-USD-Plan.

Und ja: Diese Mathematik ist so unerquicklich, wie sie aussieht.


Warum macht Microsoft das?

Microsoft nennt das Ganze „End of Sale“ für Neukäufe, und liefert vorrangig den Rahmen (wer wie betroffen ist), aber keine tiefen Motive.
Also, arbeiten wir mit plausiblen Hypothesen (mit Betonung auf Hypothesen):

  1. Vereinfachung des Portfolios: Weniger Pläne, weniger Erklärbedarf, weniger Supportfälle.

  2. Lenkung auf Premium-Flatrate: 20 USD pro Nutzer ist planbar – und für Microsoft sehr… äh… „stabil“.

  3. Lenkung auf Azure/PAYG: Verbrauchsbasierte Abrechnung über Azure passt strategisch sehr gut zu Microsofts „Consumption“-Denke.

  4. Per-App war operativ chaotisch: In der Szene wurde seit Jahren kritisiert, dass Per-App-Lizenzierung und Reporting/Transparenz schwierig waren.

Und zu den „Gerüchten“: Hinweise und Aussagen aus Partner- und Community-Kreisen kursierten schon früher (teils mit einem angeblichen Stichtag Februar 2024). In mehreren Berichten wird genau diese Gerüchtelage beschrieben – offizielle Klarheit kam dann erst über das Entfernen/Ändern der Dokumentation und die Microsoft-Meldung im Januar 2026.


Was bedeutet das für Citizen-Developer-Projekte?

Hier wird es politisch – nicht im Sinne von Parteien, sondern im Sinne von „Wer darf eigentlich noch was bauen?“.

Viele Fachbereichs-Apps waren bewusst low budget kalkuliert: „Wir brauchen Premium, aber nur für eine App und ein Team.“ Wenn daraus plötzlich „20 USD pro Kopf“ werden, entstehen typische Nebenwirkungen:

  • Apps werden verschoben („machen wir später“)

  • Apps werden kastriert („geht das auch ohne Premium-Connector?“)

  • Apps werden zentralisiert („nur noch IT darf…“) – was Citizen Development ausbremst

Kurz: Das kann Innovation dämpfen, wenn man nicht aktiv gegensteuert.


Handlungsempfehlungen für DACH-Unternehmen (damit 2026 kein Horrorfilm wird)

  1. Inventar der Power-Apps-Nutzer und Apps erstellen: Wer nutzt welche App, welche ist Premium (Dataverse, Premium-Connectoren etc.)?

  2. Per-App-Bestand prüfen: Wie viele Per-App-Lizenzen sind im Einsatz, in welchen Umgebungen, für welche Nutzergruppen?

  3. Renewal- und Vertragslogik klären: Microsoft unterscheidet je nach Programm (EA, CSP, MPSA). Laut Microsoft können CSP- und EA-Bestandskunden weiter nutzen und erneuern, während MPSA ausläuft (mit Migrationsfenster).

  4. „Noch schnell 1 Jahr verlängern“ – mit Vorsicht betrachten: Die alte Februar-2024-Erzählung war offenbar eher Nebel als Gesetz. Entscheidend ist heute: Was erlaubt Ihr Vertragsmodell und Ihr Distributor tatsächlich noch? Das ist kein Stammtischthema, sondern ein Blick in die konkrete Vertragslage.

  5. Alternativen sauber durchrechnen:

    • Premium lohnt sich, wenn Nutzer mehrere Apps nutzen oder wenn man bewusst „Flatrate & Ruhe“ will.

    • PAYG kann bei sporadischer Nutzung günstiger sein, verlangt aber Azure-Abrechnung, Kostenmonitoring und saubere Governance.

  6. Budget 2026 anpassen: Rechnen Sie die typischen 1-bis-2-App-Nutzer hoch – genau da sitzen die unschönen Prozentwerte.


Schluss: Reden Sie mit Ihrem Lizenzpartner, bevor das PDF Sie überrascht

Die Einstellung des Per-App-Plans ist kein Weltuntergang – aber eine ziemlich reale Kosten- und Governance-Verschiebung. Der beste Move ist jetzt: Transparenz schaffen, die Nutzergruppen segmentieren (Power User vs. Gelegenheitsnutzer), und dann Premium und PAYG bewusst kombinieren.

Und ja: Das Gespräch mit dem Microsoft-Lizenzpartner ist gerade kein „Nice to have“, sondern die Erwachsenenvariante von „Ich habe da mal eine Frage, bevor mein Budget explodiert“.

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