Neue Admin- und Management-Funktionen im Microsoft Purview AI Hub (Public Previe
DSPM for AI: Vom Beobachtungsposten zum Steuerstand für KI-GovernanceConsulting Briefing
13.06.2026 · boddenberg.de
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KATEGORIE • KI & Copilot |
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Neue Admin- und Management-Funktionen im Microsoft Purview AI Hub (Public Preview)
Executive Summary
Kurz und schmerzlos: Der „AI Hub“, mit dem Microsoft vor anderthalb Jahren angefangen hat, die KI-Nutzung in deiner Organisation sichtbar zu machen, ist kein Hobbyprojekt mehr. Aus der ersten Public Preview ist eine ausgewachsene Disziplin geworden: Data Security Posture Management for AI, kurz DSPM for AI. Und die neueste Generation, die seit Dezember 2025 in der Public Preview steckt und im Mai 2026 allgemein verfügbar wurde, verwandelt das Ganze von einem reinen Beobachtungsposten in einen ergebnisorientierten Steuerstand.
Die Botschaft an dich als Entscheider: Wer Copilot, Agenten und ChatGPT & Co. im Unternehmen laufen lässt, ohne zu wissen, welche sensiblen Daten dort hineinwandern, fährt ohne Bremse und ohne Tacho. DSPM for AI liefert beides – Sichtbarkeit über jeden Prompt und Mechanismen, um im Zweifel den Stecker zu ziehen, bevor die Kreditkartennummer beim Sprachmodell landet. Das Beste daran: Du musst KI nicht mehr verbieten, um sie zu beherrschen.
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ⓘ AUF EINEN BLICK — Das Wichtigste in drei Sätzen DSPM for AI überwacht KI-Interaktionen über Microsoft 365 Copilot, Copilot Chat, Agenten, Azure-AI-Foundry-Apps und Drittanbieter-KI hinweg, liefert fertige Ein-Klick-Richtlinien und ein Agenten-Inventar (AI Observability) samt Compliance-Berichten. Für den vollen Funktionsumfang brauchst du Microsoft 365 E5 bzw. E5 Compliance – und für Nicht-Copilot-KI ein verbrauchsabhängiges Pay-as-you-go-Abrechnungsmodell. Public Preview heißt: Vieles bewegt sich noch, baue darauf keine in Stein gemeißelte Betriebsdoku. |
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Worum geht es im Detail?
Fangen wir mit der Namensverwirrung an, denn die kostet in jedem Projekt die erste halbe Stunde. Das Ding hieß ursprünglich „AI Hub“, wurde im November 2024 in „DSPM for AI“ umbenannt, und seit Ende 2025 gibt es eine komplett neue Oberfläche, die die alte Variante als „DSPM for AI (classic)“ in die Rente schickt. Wenn dir ein Berater also erzählt, das sei alles dasselbe – er hat recht und unrecht zugleich. Es ist dasselbe Ziel, aber drei Generationen Oberfläche. Achte im Purview-Portal penibel darauf, ob hinter dem Namen „(classic)“ steht, sonst klickst du im falschen Film und wunderst dich, warum die Hälfte der Knöpfe fehlt.
Im Kern beantwortet DSPM for AI vier banal klingende, aber bei KI brandgefährliche Fragen: Welche Daten haben wir? Wo liegen sie? Wer kann darauf zugreifen? Und wie sind sie geschützt? Der Unterschied zur klassischen Datensicherheit: Bei KI bewegen sich die Daten nicht mehr durch Ordner, sondern durch Prompts. Ein Mitarbeiter muss keinen Datensatz exportieren – er muss ihn nur in ein Eingabefeld tippen. Genau diese Bewegung, die jeder Firewall durch die Lappen geht, macht DSPM sichtbar.

Abbildung 1: Funktionslandkarte – von den Datenquellen über den zentralen Workspace bis zu den Ausgangsrichtlinien.
Die neue Oberfläche besteht aus ein paar Seiten, die du kennen solltest. Die Seite „Posture“ ist das Cockpit: Schlüsselkennzahlen, ein 30-Tage-Trend deiner Datensicherheitslage und vorgeschlagene Security-Copilot-Prompts, mit denen du dein eigenes Sicherheitsbild in natürlicher Sprache abfragst. „Objectives“ ist der eigentliche Paradigmenwechsel: Statt dich durch fünf Einzellösungen zu klicken, wählst du ein Ziel wie „Datenabfluss in Microsoft 365 Copilot verhindern“ oder „Übersharing sensibler Daten verhindern“ – und das System fädelt dir die passenden Maßnahmen aus Information Protection, DLP, Insider Risk Management und eDiscovery in einen geführten Workflow ein, inklusive Fortschrittsbalken.
Der spannendste Neuzugang ist „AI Observability“: ein Inventar aller KI-Apps und Agenten – inklusive der frisch eingeführten Agent-365-Agenten – mit Aktivität der letzten 30 Tage, Kennzeichnung der hochriskanten Fälle und der Anzahl an Interaktionen mit sensiblen Daten. Dazu kommen „Asset Explorer“ (unklassifizierte und gelabelte Daten quer über die Workloads), „Reports“ für die Compliance-Akte und der „Activity Explorer“, in dem du auf der Registerkarte „AI activities“ jeden einzelnen Prompt, jede Antwort, jeden Treffer eines Sensitive Information Type und jeden DLP-Regeltreffer nachlesen kannst. Forensik für Prompts, sozusagen – und gleichzeitig der Grund, warum der Betriebsrat mitreden will.

Abbildung 2: Die Entwicklung vom AI Hub zur ergebnisorientierten neuen Generation.
Auf der Steuerungsseite stehen die Ein-Klick-Richtlinien. DSPM legt dir auf Wunsch fertige Standard-Policies an: zur Entdeckung (etwa „Detect sensitive info added to AI sites“ oder „Detect risky AI usage“) und zum Schutz (etwa „Block sensitive info from AI apps in Edge“ oder „Protect sensitive data from Copilot processing“, das gelabelte Dokumente schlicht aus der Copilot-Verarbeitung heraushält). Seit Ignite 2025 kannst du außerdem ganz gezielt bestimmte Sensitive Information Types direkt im Prompt blockieren – der Nutzer bekommt dann eine Meldung, dass sein Prompt so nicht durchgeht. Und ganz wichtig: DLP- und Information-Protection-Kontrollen gelten jetzt auch für Agenten, die damit dieselben Schranken erben wie ein menschlicher Nutzer. Ein Agent ist eben kein Sonderwesen, sondern ein Mitarbeiter ohne Kaffeepause.
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▶ PRAXISBEISPIEL — Der Vertrieb und die Schadensfall-Listen Ein Versicherungskunde hatte Copilot „mal eben“ freigeschaltet. Nach zwei Wochen AI Observability war klar: Drei Vertriebsleute fütterten regelmäßig komplette Schadensfall-Listen samt Klarnamen in Copilot Chat, um sich Zusammenfassungen schreiben zu lassen. Kein böser Wille, nur Bequemlichkeit. Mit einer Adaptive-Protection-Policy (Block-with-override für erhöhtes Risiko) war das Leck an einem Nachmittag gestopft – ohne Copilot komplett zu verbieten und damit den halben Vertrieb gegen sich aufzubringen. |
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Was sind Chancen? Was sind Risiken?
Die große Chance ist banal und gewaltig zugleich: Du kannst KI endlich freigeben, ohne dabei Bauchschmerzen zu haben. Ohne Sichtbarkeit läuft jede Copilot-Einführung auf eine von zwei schlechten Optionen hinaus – entweder du verbietest alles und die Fachbereiche besorgen sich Schatten-KI per privatem ChatGPT-Account, oder du erlaubst alles und betest. DSPM for AI gibt dir den dritten Weg: kontrolliertes Zulassen mit Beweissicherung. Genau das ist es, was Compliance und Innovation gleichzeitig glücklich macht – eine seltene Kombination.
Eine zweite, oft unterschätzte Chance ist die Argumentationshilfe gegenüber Datenschutz und Betriebsrat. Wer im Activity Explorer schwarz auf weiß zeigen kann, welche Datenarten in KI fließen und welche Richtlinien greifen, führt eine völlig andere Diskussion als jemand, der nur mit „wird schon passen“ argumentiert. Die ergebnisorientierten Objectives sind dabei auch ein politisches Werkzeug: Du zeigst dem Vorstand ein Ziel und einen Fortschrittsbalken, statt einer Liste kryptischer Policy-Namen, bei der jeder im Raum nach drei Sekunden abschaltet.

Abbildung 3: Der Kontrollpfad von der Eingabe bis zur Beweissicherung.
Jetzt die Schattenseiten, denn die gibt es reichlich. Erstens das Lizenzthema: Die volle Funktionsbreite hängt an Microsoft 365 E5 beziehungsweise E5 Compliance. Wer mit E3 unterwegs ist, sieht zwar etwas, aber längst nicht alles. Und für die Überwachung von KI-Apps jenseits von Microsoft 365 Copilot brauchst du ein Pay-as-you-go-Abrechnungsmodell – das heißt, hier tickt eine verbrauchsabhängige Uhr, die in keiner schönen Pauschale steckt. Wer das nicht vorher im Budget hat, erlebt eine unangenehme Überraschung auf der Azure-Rechnung. Und „überraschende Cloud-Kosten“ ist kein Satz, den du im Lenkungskreis sagen möchtest.
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⚠ WARNUNG — Preview bleibt Preview Funktionen, Namen und sogar ganze Seiten haben sich in dieser Produktfamilie schon mehrfach geändert – vom AI Hub über DSPM for AI bis zur neuen Generation. Baue jetzt keine starre Betriebsdokumentation, die jede Schaltfläche namentlich beschreibt; die ist schneller veraltet, als der Praktikant sie ausdrucken kann. Und Preview-Features haben kein SLA – verlasse dich operativ nicht blind darauf, dass morgen noch alles am selben Platz steht. |
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Zweitens der trügerische Komfort der Ein-Klick-Policies. Sie sind herrlich schnell aktiviert – aber etliche laufen ab Werk nur im Audit- oder Testmodus und blockieren gar nichts. Wer den grünen Haken bei „Policy erstellt“ sieht und sich in Sicherheit wiegt, hat unter Umständen eine Kamera ohne Wachmann installiert. Drittens das Datenschutzparadoxon: Um KI zu überwachen, zeichnet DSPM Prompts und Antworten auf – also genau die Inhalte, die mitunter selbst hochsensibel sind. Das will mit Betriebsrat und Datenschutzbeauftragtem sauber abgestimmt sein, sonst tauschst du ein Risiko bloß gegen ein anderes ein.
Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?
Bevor du überhaupt einen Prompt siehst, müssen ein paar Grundlagen stehen – und genau hier scheitern die meisten Schnellschüsse. Erstens das Auditing: Ohne aktiviertes Purview-Auditing siehst du bei Microsoft 365 Copilot keine Interaktionen. Das ist zwar Standard, aber prüfe es, bevor du dich wunderst, warum die Seite gähnend leer bleibt. Zweitens die Berechtigungen: Für den Einstieg brauchst du ein Konto in der Rolle „Compliance Administrator“ (oder der entsprechenden Purview-Rollengruppe), für die Security-Copilot-Funktionen zusätzlich die Rolle „Data Security Viewer“.
Drittens die Reichweite. Solange du nur Microsoft 365 Copilot betrachtest, reicht die Copilot-Lizenz. Sobald du aber wissen willst, was deine Leute in ChatGPT, Gemini und Co. eingeben, brauchst du mehr: Geräte müssen ins Purview-Endpoint-Onboarding, die Purview-Browser-Erweiterung muss verteilt sein, und für DLP in anderen Browsern als Edge braucht es zusätzliche Konfiguration. Das ist kein Klick, das ist ein kleines Endpoint-Projekt. Plane es als solches, sonst kippt dir der Zeitplan.
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✓ CONSULTANT-TIPP — Erst beobachten, dann blockieren Fang mit einem klar abgegrenzten Pilotkreis an, nicht mit der ganzen Organisation. Setze die Discovery-Policies auf eine Pilotgruppe, lass sie zwei bis vier Wochen im Audit-Modus mitlaufen und schau dir an, was wirklich passiert. Fast immer ist das Ergebnis augenöffnend – und liefert dir genau die Argumente, die du für Budget und Betriebsrat brauchst. Erst danach schaltest du gezielt auf Blockieren um. |
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Viertens, der Sonderfall Agenten. Mit Agent 365 und selbstgebauten Copilot-Agenten explodiert die Zahl der nicht-menschlichen Akteure, die auf Daten zugreifen. Prüfe frühzeitig, dass deine Sensitivitätslabels und DLP-Regeln sauber gepflegt sind – denn nur dann erben die Agenten tatsächlich verlässliche Schranken. Ein Agent ist nur so brav wie das Label-Konzept dahinter; ein schludrig gelabelter Datenbestand macht aus jedem hilfreichen Agenten eine wandelnde Datenpanne. Und schließlich, ganz pragmatisch: Kläre das Budget für die Pay-as-you-go-Komponente, bevor die erste Rechnung kommt, und sprich früh mit Datenschutz und Betriebsrat über die Prompt-Aufzeichnung. Beides kostet dich später ein Vielfaches an Zeit, wenn du es jetzt überspringst.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich zwingend Microsoft 365 E5, um DSPM for AI zu nutzen?
Für den vollen Funktionsumfang ja – die neue Generation samt Objectives und der weitergehenden Schutzrichtlinien ist auf Microsoft 365 E5 beziehungsweise E5 Compliance ausgelegt. Mit niedrigeren Plänen bekommst du Teile der Sichtbarkeit, aber nicht das komplette Steuerungsbild, und für Nicht-Copilot-KI kommt ein verbrauchsabhängiges Abrechnungsmodell obendrauf.
Sieht DSPM for AI auch, was Mitarbeiter in ChatGPT eingeben?
Ja, aber nicht von allein. Dafür müssen die Geräte ins Purview-Endpoint-Onboarding aufgenommen und die Purview-Browser-Erweiterung verteilt sein. Erst dann erkennt das System sensible Daten, die in Drittanbieter-KI-Seiten eingefügt werden, und kann dort warnen oder blockieren.
Werden durch DSPM tatsächlich die Prompt-Inhalte gespeichert?
Bei Microsoft 365 Copilot werden Prompts und Antworten bei aktiviertem Auditing erfasst; für andere KI-Apps ist dafür eine Collection-Policy mit Inhaltsaufzeichnung nötig. Weil diese Inhalte selbst sensibel sein können, solltest du den Umfang vorab mit Datenschutz und Betriebsrat abstimmen.
Blockieren die Ein-Klick-Richtlinien sofort schädliche Eingaben?
Nicht automatisch. Mehrere der Standardrichtlinien starten bewusst im Audit- oder Testmodus und protokollieren nur. Du musst sie aktiv auf Warnen oder Blockieren umstellen, damit sie tatsächlich eingreifen – sonst hast du Sichtbarkeit, aber keinen Schutz.
Was ist der Unterschied zwischen DSPM for AI und der Variante mit dem Zusatz (classic)?
„(classic)“ bezeichnet die älteren Generationen der Oberfläche, einschließlich des ursprünglichen AI Hub. Neue Funktionen kommen nur noch in die aktuelle Generation mit den Objectives und der AI Observability; die klassischen Varianten bleiben vorerst nutzbar, werden aber nicht mehr weiterentwickelt.








