SharePoint Server 2016 und 2019 – Supportende 2026

von | Juli 13, 2026 | CB-M365, Consulting Briefing | 0 Kommentare

SharePoint Server 2016 und 2019 – Supportende 2026

Was der 14. Juli 2026 für On-Premises-Farmen bedeutet – und wie man die Chance nutzt

Supportende für SharePoint Server 2016 und 2019

Warum der 14. Juli 2026 ein guter Tag ist, um über die eigene SharePoint-Zukunft nachzudenken

Ulrich B. Boddenberg · IT-Consulting · Software Engineering · Technologieseminare · boddenberg.de

Executive Summary

Am 14. Juli 2026 endet der Extended Support für SharePoint Server 2016 und SharePoint Server 2019 – für beide Versionen am selben Tag. Ab dann gibt es keine Sicherheitsupdates, keine Fehlerbehebungen und keinen Microsoft-Support mehr. Ein Extended-Security-Updates-Programm, wie man es von Windows Server oder SQL Server kennt, existiert für SharePoint nicht. Der 14. Juli ist also kein weicher Übergang, sondern eine harte Kante.

Und jetzt kommt der Punkt, der mir wichtig ist: Dieser Tag ist auch dann ein guter Anlass zum Innehalten, wenn Sie vom Supportende gar nicht direkt betroffen sind. Vielleicht laufen Ihre Farmen längst auf der Subscription Edition, vielleicht sind Sie schon in SharePoint Online unterwegs. Wunderbar – aber wann haben Sie zuletzt ernsthaft darüber nachgedacht, ob Ihr SharePoint eigentlich noch das tut, was Ihr Unternehmen heute braucht? Solche Stichtage sind seltene Gelegenheiten, bei denen das Thema ohnehin auf dem Tisch liegt. Nutzen Sie den Schwung, um die SharePoint-Zukunft zu planen: Plattform, Informationsarchitektur, Einsatzszenarien, Governance und – ganz vorne mit dabei – die KI-Integration.

Wer betroffen ist, hat zwei realistische Zielplattformen: SharePoint Server Subscription Edition für den Weiterbetrieb im eigenen Rechenzentrum oder SharePoint Online in Microsoft 365 – plus Hybrid als Kombination beider Welten. Meine zentrale Empfehlung lautet dabei: Wechseln Sie nicht einfach nur die Version. Eine Migration, bei der der alte Wildwuchs eins zu eins in die neue Umgebung kopiert wird, ist eine vertane Chance. Nehmen Sie den Umzug zum Anlass, die eigentlichen Einsatzszenarien zu optimieren: Dokumentenmanagement, Wissensmanagement, Informationsbereitstellung, Zusammenarbeit, Prozessabbildung und KI-Readiness.

Für beides – den Umzug auf eine andere SharePoint-Version wie auch den Umbau innerhalb einer bestehenden Umgebung – unterstütze ich Sie mit meinen Werkzeugen CosyTrack.Migrate und CosyTrack.Provisioner sowie mit rund drei Jahrzehnten Erfahrung in Microsoft-Infrastrukturen.

Infografik: SharePoint EOL 14.07.2026 – Zielplattformen SE, Online, Hybrid und die Chance zur Optimierung

Skizze 1: Der 14. Juli 2026 auf einen Blick – harte Kante, Zielplattformen und die eigentliche Chance.

Was das Supportende am 14. Juli 2026 konkret bedeutet

Fangen wir mit den nackten Fakten an. SharePoint Server 2016 und 2019 unterliegen der klassischen Fixed Lifecycle Policy: zehn Jahre Support, aufgeteilt in Mainstream und Extended Support. Der Mainstream Support ist für beide Versionen längst Geschichte (2016 seit Juli 2021, 2019 seit Januar 2024). Am 14. Juli 2026 fällt nun auch der Extended Support – und zwar für beide Versionen gleichzeitig, weil Microsoft das Enddatum von 2019 an das von 2016 angeglichen hat.

Zeitstrahl: Support-Lebenszyklus SharePoint Server 2016 und 2019 endet am 14.07.2026, kein ESU-Programm

Skizze 2: Der Lebenszyklus im Zeitstrahl – beide Versionen erreichen die Klippe am selben Tag.

Ab dem 15. Juli 2026 gilt für beide Produkte:

  • Keine Sicherheitsupdates mehr. Jede neu entdeckte Schwachstelle bleibt für immer ungepatcht. Die massiven SharePoint-Exploits des Jahres 2025 haben eindrucksvoll gezeigt, wie schnell Angreifer verwundbare On-Premises-Farmen aufspüren – teils innerhalb von Stunden nach Veröffentlichung einer CVE.
  • Keine Fehlerbehebungen und Hotfixes mehr. Auch Stabilitäts- und Performance-Probleme werden nicht mehr adressiert.
  • Kein Microsoft-Support mehr – auch nicht gegen Bezahlung. Wenn die Farm samstags um zwei Uhr nachts stehen bleibt, gibt es keinen Eskalationspfad zu Microsoft mehr. Premier, Unified, Pay-per-Incident: alles zu.
  • Keine Dokumentationspflege mehr. Die offiziellen Learn-Inhalte zu diesen Versionen werden nicht weiter aktualisiert.
  • Kein ESU-Programm. Anders als bei Windows Server, SQL Server oder Exchange Server gibt es für SharePoint keine kostenpflichtige Verlängerung. Der 14. Juli ist der letzte Tag mit Patches – Punkt.
  • Übrigens erwischt es am selben Tag auch zwei alte Bekannte aus dem SharePoint-Umfeld: SharePoint Designer 2013 und InfoPath 2013 erreichen ebenfalls ihr Supportende. Wer also noch Designer-Workflows oder InfoPath-Formulare produktiv im Einsatz hat, sollte das nicht als Fußnote abtun – dazu später mehr im Abschnitt über Prozesse.

    Wichtig zur Einordnung: Ihre Farm schaltet sich am 15. Juli nicht ab. Die Server laufen weiter, die Inhaltsdatenbanken mounten weiter, die Anwender merken zunächst nichts. Genau das ist die Gefahr – es fühlt sich an, als wäre nichts passiert. Tatsächlich betreiben Sie ab diesem Tag ein ungeschütztes System, das mit jeder neuen Schwachstelle angreifbarer wird. SharePoint-Farmen sind dabei besonders exponiert: IIS, .NET, Suchdienst, User Profile Service und obendrauf jahrelang gewachsene Anpassungen ergeben eine große Angriffsfläche.

     

    Achtung: Compliance und Cyberversicherung

    Der Betrieb nicht mehr unterstützter Software ist bei Audits nach ISO 27001, TISAX, BSI-Grundschutz und Co. praktisch immer ein Befund. Auch die DSGVO verlangt in Art. 32 Maßnahmen nach dem „Stand der Technik“ – ein unpatchbares System ist das Gegenteil davon.

    Cyberversicherer haben zudem begonnen, Schäden im Zusammenhang mit End-of-Life-Software explizit vom Versicherungsschutz auszuschließen. Wer nach dem 14. Juli 2026 sehenden Auges weiterbetreibt, sollte diese Entscheidung mindestens dokumentieren und von der Geschäftsleitung tragen lassen – besser aber: einen Plan haben.

     

    Die Alternativen: Subscription Edition oder SharePoint Online

    Die gute Nachricht: Die Wege aus der Nummer sind klar und erprobt. Es gibt genau zwei Zielplattformen – und eine Kombination aus beiden.

    Drei Migrationswege ab 14.07.2026: SharePoint SE (On-Premises), SharePoint Online (M365) und Hybrid

    Skizze 3: Die drei Wege ab dem 14. Juli 2026 – Subscription Edition, SharePoint Online oder Hybrid.

    SharePoint Server Subscription Edition: On-Premises mit Zukunft

    Die Subscription Edition (SE) ist der legitime Nachfolger der klassischen Server-Versionen – mit einem entscheidenden Unterschied: Sie folgt der Modern Lifecycle Policy. Es gibt kein festes Supportende mehr; solange Sie die Lizenz aktuell halten und die Feature-Updates einspielen, bleibt das Produkt unterstützt. Das kontinuierliche Update-Modell ähnelt dem, was man von Windows kennt: regelmäßige Feature-Updates statt großer Versionssprünge alle drei bis fünf Jahre. Der ewige Migrationsmarathon von Version zu Version endet damit.

    Die SE ist die richtige Wahl, wenn Datensouveränität, Regulatorik oder schlicht handfeste technische Gründe den Betrieb im eigenen Rechenzentrum erfordern. Der Upgrade-Pfad ist angenehm direkt: Inhaltsdatenbanken aus SharePoint 2016 und 2019 lassen sich per Datenbank-Attach in eine SE-Farm übernehmen. Was bleibt, ist der Betriebsaufwand – Patching, SQL-Backend, Suchindex-Gesundheit, Zertifikate, das ganze Programm. Diese Rechnung sollte man ehrlich aufmachen, denn sie ist der stille Kostenblock jeder On-Premises-Farm.

    SharePoint Online: die Evergreen-Variante

    SharePoint Online in Microsoft 365 ist für die meisten Organisationen der strategische Zielpunkt. Microsoft betreibt, patcht und erweitert die Plattform kontinuierlich; das Thema Supportende erledigt sich damit dauerhaft. Dazu kommt die tiefe Verzahnung mit dem Rest der Microsoft-365-Welt: Teams, OneDrive, Planner, Purview für Compliance und Records Management – und natürlich Microsoft 365 Copilot, der ohne SharePoint Online als Datenbasis schlicht nicht denkbar ist. Wer die KI-Roadmap von Microsoft mitgehen will, kommt an SharePoint Online nicht vorbei.

    Ehrlicherweise gehört auch dazu: Der Weg in die Cloud ist kein Datenbank-Attach. Farmlösungen (WSPs), serverseitiger Custom Code, alte Workflows und InfoPath-Formulare funktionieren dort nicht und müssen neu gedacht werden – mit SPFx, Power Platform oder schlicht mit Bordmitteln, die es 2016 noch gar nicht gab. Genau deshalb ist die Cloud-Migration die perfekte Gelegenheit für den Umbau, um den es im nächsten Kapitel geht.

    Hybrid: beide Welten, ein Zielbild

    Für Organisationen, die aus regulatorischen Gründen bestimmte Workloads nicht in die Cloud geben können oder wollen, ist der Hybrid-Betrieb aus Subscription Edition und SharePoint Online ein valides Modell: sensible Daten und spezielle Anwendungen on-premises, die breite Kollaboration in der Cloud. Mein Rat aus vielen Projekten: Hybrid funktioniert gut, wenn es ein bewusstes Zielbild ist – und schlecht, wenn es ein Dauerprovisorium wird, weil man sich vor der Entscheidung drückt. Definieren Sie klar, welcher Workload wo lebt und warum, und schreiben Sie idealerweise auch auf, unter welchen Bedingungen sich das ändern darf.

    Nicht einfach nur umziehen: die Chance zur Optimierung

    Jetzt kommen wir zum Herzstück dieses Artikels. Die naheliegende Reaktion auf ein Supportende ist der technische Reflex: alte Version raus, neue Version rein, Haken dran. Kann man machen. Aber machen wir uns nichts vor: In den meisten SharePoint-Umgebungen, die seit 2016 oder 2019 laufen, hat sich ordentlich was angesammelt. Ordnerstrukturen mit zwölf Ebenen Tiefe, Websites, deren Besitzer das Unternehmen vor Jahren verlassen haben, Berechtigungen, die niemand mehr erklären kann, drei parallele Ablagen für dieselben Dokumente und ein Wiki, dessen letzter Beitrag aus einer anderen Epoche stammt. Wer diesen Zustand eins zu eins migriert, hat danach denselben Wildwuchs – nur auf einer neueren Plattform.

    Deshalb meine Empfehlung: Behandeln Sie die Migration nicht als Umzug, sondern als Neubau mit selektivem Umzug. Erst das Zielbild, dann die Struktur, dann die Inhalte – und zwar nur die, die es wert sind. Schauen wir uns die zentralen Einsatzbereiche an und was sich dort jeweils optimieren lässt.

    Spinnendiagramm: Einsatzbereiche bei SharePoint-Migration – Dokumenten-, Wissensmanagement, KI, Prozesse u.a.

    Skizze 4: Die sechs zentralen Einsatzbereiche rund um das Prinzip „Optimieren statt kopieren“.

    Dokumentenmanagement

    Das Dokumentenmanagement ist der Klassiker unter den SharePoint-Einsatzszenarien – und gleichzeitig der Bereich mit dem größten Optimierungspotenzial. Der häufigste Befund in gewachsenen Umgebungen: Dokumentbibliotheken werden wie Netzlaufwerke benutzt. Tiefe Ordnerhierarchien, kryptische Dateinamen mit Versionsnummern im Namen („Angebot_final_v3_FINAL_neu.docx“ – Sie kennen das), keine Metadaten, keine Inhaltstypen.

    Die Optimierung setzt genau hier an: Metadaten statt Ordnergräber. Definieren Sie Inhaltstypen für Ihre wichtigsten Dokumentklassen – Verträge, Angebote, Projektdokumentation, Richtlinien – mit den jeweils relevanten Eigenschaften wie Kunde, Projekt, Status oder Gültigkeitsdatum. Verwaltete Metadaten sorgen für einheitliche Begriffe im ganzen Unternehmen. Ansichten und Filter ersetzen das Klicken durch Ordnerebenen; ein Dokument kann in beliebig vielen Sichten auftauchen, ohne dass es Kopien braucht. Dokumentmappen (Document Sets) bündeln zusammengehörige Unterlagen, etwa alle Dokumente eines Vertragsvorgangs.

    Dazu gehören die Dinge, die man 2016 oft nie sauber eingerichtet hat: konsequente Versionierung mit sinnvollen Limits, Ein- und Auschecken nur dort, wo es wirklich gebraucht wird, gemeinsame Dokumenterstellung in Echtzeit statt E-Mail-Anhang-Pingpong, zentrale Vorlagenverwaltung, damit jedes Angebot im aktuellen Corporate Design startet, und Aufbewahrungsrichtlinien, die abgelaufene Inhalte automatisch aussortieren oder als Records einfrieren. Das Ergebnis: Dokumente werden gefunden statt gesucht – und die Datenbasis wird nebenbei KI-tauglich, dazu gleich mehr.

    Wissensmanagement

    Wissensmanagement ist das Szenario, das in fast jedem Unternehmen gewollt, aber selten sauber umgesetzt ist. Typisch: ein altes Wiki, ein paar Word-Dokumente namens „Handbuch“ in irgendeiner Bibliothek und das eigentliche Wissen in den Köpfen von drei Kollegen, von denen einer nächstes Jahr in Rente geht.

    Die moderne SharePoint-Welt bietet dafür deutlich bessere Werkzeuge als die 2016er-Ära. Moderne Seiten sind schnell erstellt, sehen gut aus und lassen sich mit Webparts anreichern – aus dem trägen Wiki wird eine lebendige Wissensbasis. Entscheidend ist aber weniger die Technik als die Struktur: Definieren Sie Wissensdomänen (Produkte, Prozesse, Kunden, Technologien), benennen Sie Verantwortliche pro Domäne und etablieren Sie einen Review-Zyklus, damit Inhalte nicht veralten. Eine gepflegte Terminologie über verwaltete Metadaten sorgt dafür, dass „Kunde“, „Mandant“ und „Auftraggeber“ nicht drei getrennte Welten bilden.

    Der eigentliche Hebel: Aus einer kuratierten, gut verschlagworteten Wissensbasis wird später die Grundlage für KI-gestützte Antworten. Ein Copilot oder ein spezialisierter Agent, der auf einer sauberen Wissensbibliothek arbeitet, liefert brauchbare Antworten. Einer, der auf zehn Jahre Dokumentenchaos losgelassen wird, halluziniert sich einen zurecht – oder zitiert die Richtlinie von 2017, die längst nicht mehr gilt. Wissensmanagement ist damit keine Kür mehr, sondern die Pflichtvorbereitung für jede ernsthafte KI-Strategie.

    Informationsbereitstellung: das Intranet neu denken

    Die dritte Säule ist die klassische Informationsbereitstellung – das Intranet, die Unternehmenskommunikation, die zentralen Anlaufstellen für Richtlinien, Formulare und Neuigkeiten. In 2016er- und 2019er-Umgebungen finden sich hier oft noch Publishing-Websites alter Schule: schwerfällig zu pflegen, optisch aus der Zeit gefallen, auf dem Smartphone praktisch unbenutzbar.

    Die moderne Architektur funktioniert anders: Kommunikationswebsites für die redaktionellen Inhalte, verbunden über Hub-Websites statt starrer Websitesammlungs-Hierarchien. Der Hub liefert gemeinsame Navigation, einheitliches Branding und aggregierte Neuigkeiten – bleibt aber flexibel, wenn sich die Organisation ändert (und das tut sie ja bekanntlich ständig). News-Beiträge ersetzen den Rundmail-Verteiler, Zielgruppenadressierung sorgt dafür, dass die Produktionsmannschaft nicht mit Vertriebsthemen zugeschüttet wird, und mehrsprachige Seiten bedienen internationale Standorte. Das Ganze ist mobil vernünftig nutzbar – für Kollegen ohne festen Schreibtischarbeitsplatz oft der entscheidende Unterschied zwischen einem Intranet, das gelesen wird, und einem, das existiert.

    Auch hier gilt: Der Umzug ist der richtige Moment, redaktionelle Verantwortlichkeiten zu klären. Ein Intranet ohne Redaktionskonzept verkommt in zwei Jahren wieder zur Deponie, egal wie modern die Technik ist.

    Optimierte Zusammenarbeit, beispielsweise für Projekte

    Projekträume sind ein Paradebeispiel dafür, wie viel Luft nach oben in den meisten Umgebungen steckt. Der übliche Zustand: Jedes Projekt bekommt irgendeine Website, jeder Projektleiter strukturiert sie anders, nach Projektende bleibt alles liegen, und nach fünf Jahren hat man dreihundert Website-Leichen, in denen niemand mehr etwas findet.

    Die Optimierung hat drei Bausteine. Erstens: Standardisierung. Ein durchdachtes Projektraum-Template mit definierten Bibliotheken, Inhaltstypen, Listen für Risiken und Entscheidungen sowie einem einheitlichen Berechtigungskonzept sorgt dafür, dass sich jeder sofort zurechtfindet – egal in welchem Projekt. Zweitens: Integration. Die Teamwebsite ist die Dokumenten- und Datenbasis, Microsoft Teams der Kommunikationsraum darüber, Planner die Aufgabenverwaltung – sauber verzahnt statt drei getrennte Silos. Externe Projektpartner arbeiten über Gastzugänge kontrolliert mit, statt Dokumente per E-Mail hin- und herzuschicken. Drittens: Lebenszyklus. Ein Projektraum wird geboren, lebt und wird ordentlich beerdigt – sprich: nach Projektabschluss archiviert, relevante Ergebnisse wandern in die Wissensbasis, der Rest wird nach Aufbewahrungsfrist entsorgt. Dieses Lebenszyklus-Denken ist der Unterschied zwischen einer Kollaborationsplattform und einer Müllhalde mit Suchfunktion.

    Prozesse abbilden

    Hier wird es für viele 2016er- und 2019er-Bestände richtig konkret, denn das Supportende trifft gleich doppelt: Am 14. Juli 2026 endet auch der Support für SharePoint Designer 2013 und InfoPath 2013 – genau die Werkzeuge, mit denen in diesen Umgebungen jahrelang Workflows und Formulare gebaut wurden. Wer also Genehmigungsprozesse auf Designer-Workflows oder Formularlösungen auf InfoPath betreibt, migriert nicht nur eine Plattform, sondern muss diese Prozesse ohnehin neu bauen.

    Das klingt nach Aufwand – ist aber eine echte Chance. Die Power Platform ist den alten Werkzeugen haushoch überlegen: Power Automate bildet Genehmigungen, Eskalationen und Benachrichtigungen ab und verbindet dabei SharePoint mit praktisch jedem anderen System, von Teams über Outlook bis zum ERP. Power Apps ersetzt InfoPath-Formulare durch moderne, mobil nutzbare Eingabemasken. SharePoint-Listen bleiben dabei das solide Rückgrat als Prozessdatenbasis – strukturiert, versioniert, berechtigt.

    Der Optimierungstipp aus der Praxis: Bauen Sie nicht jeden alten Workflow eins zu eins nach. Viele Prozesse sind über die Jahre organisch gewuchert und bilden längst nicht mehr ab, wie tatsächlich gearbeitet wird. Nehmen Sie sich die zehn wichtigsten Prozesse vor, modellieren Sie sie so, wie sie heute sinnvoll sind – und lassen Sie den Rest bewusst sterben. Weniger, dafür saubere Prozesse schlagen einen Zoo aus Altlasten jederzeit.

    KI-Integration

    Kommen wir zum Thema, das aktuell jede IT-Strategiediskussion dominiert – und bei dem SharePoint eine Schlüsselrolle spielt, die vielen noch gar nicht bewusst ist: SharePoint ist die Datenbasis für Microsoft 365 Copilot. Wenn Copilot Fragen beantwortet, Dokumente zusammenfasst oder Inhalte erstellt, greift er zu einem großen Teil auf das zu, was in SharePoint und OneDrive liegt. Die Qualität der KI-Antworten steht und fällt also mit der Qualität Ihrer SharePoint-Inhalte. Garbage in, garbage out – nur dass der Garbage jetzt eloquent formuliert zurückkommt.

    Zwei Themen sind dabei entscheidend. Erstens die Inhaltsqualität: Veraltete, doppelte und widersprüchliche Dokumente vergiften die Antworten. Eine bereinigte, mit Metadaten angereicherte und mit Aufbewahrungsrichtlinien gepflegte Umgebung ist die beste Copilot-Vorbereitung, die es gibt. Zweitens – und das ist der Punkt, der in Readiness-Projekten regelmäßig für lange Gesichter sorgt – die Berechtigungshygiene: Copilot respektiert Berechtigungen strikt. Das heißt aber auch: Alles, was durch großzügige Freigaben, vererbte Berechtigungen und „Jeder“-Links faktisch offen liegt, wird durch KI plötzlich auffindbar. Das Gehaltsdokument, das seit Jahren in einer falsch berechtigten Bibliothek schlummert und das nie jemand gefunden hat, weil niemand danach gesucht hat? Copilot findet es. Oversharing ist das größte Copilot-Risiko überhaupt – und eine Migration ist der perfekte Zeitpunkt, das Berechtigungsmodell einmal grundlegend geradezuziehen.

    Darüber hinaus eröffnet eine saubere Struktur die spannenderen Szenarien: spezialisierte Agents, die auf kuratierten Wissensbibliotheken arbeiten und Fachfragen beantworten – vom Vertriebsassistenten bis zum Richtlinien-Auskunftssystem. Und auch für On-Premises-Umgebungen gilt: Wer perspektivisch eigene KI-Lösungen auf Unternehmenswissen aufsetzen will (Stichwort Retrieval-Augmented Generation), braucht dieselben Hausaufgaben – strukturierte, verschlagwortete, berechtigungsseitig saubere Inhalte. Die Optimierungsarbeit zahlt also auf jede KI-Strategie ein, egal ob Cloud oder eigenes Rechenzentrum.

     

    Merksatz für die Geschäftsleitung

    Jeder Euro, der in die Bereinigung und Strukturierung der SharePoint-Umgebung fließt, ist zugleich eine Investition in die KI-Fähigkeit des Unternehmens. Umgekehrt gilt: Copilot auf einer ungepflegten Umgebung einzuschalten, ist wie einen Praktikanten am ersten Tag unbeaufsichtigt ins Archiv zu schicken – er wird etwas finden, aber nicht unbedingt das Richtige. Und möglicherweise Dinge, die er nie hätte sehen sollen.

     

    Weitere Einsatzbereiche mit Optimierungspotenzial

    Die sechs großen Szenarien sind damit abgedeckt – aber die Liste geht weiter. Auch diese Bereiche verdienen beim Umbau einen prüfenden Blick:

  • Externe Zusammenarbeit (Extranet): Kontrollierte Räume für Kunden, Lieferanten und Partner – mit Gastzugängen, klaren Freigaberegeln und Ablaufdaten statt wild geteilter Links und E-Mail-Anhänge.
  • Compliance und Records Management: Aufbewahrungsrichtlinien, Vertraulichkeitskennzeichnungen und revisionssichere Ablage geschäftskritischer Unterlagen – in der Microsoft-365-Welt eng verzahnt mit Purview. Gerade GoBD- und DSGVO-Anforderungen lassen sich hier deutlich eleganter abbilden als mit den Bordmitteln von 2016.
  • Suche: Die Suche ist der Querschnitt über alles. Sie wird so gut, wie die Inhalte gepflegt sind – Metadaten, Inhaltstypen und aufgeräumte Strukturen zahlen direkt auf die Trefferqualität ein, klassisch wie KI-gestützt.
  • Listen als leichtgewichtige Fachanwendungen: Inventarlisten, Anforderungsverfolgung, Onboarding-Checklisten – vieles, wofür früher Excel-Dateien durch die Gegend gemailt wurden, ist als SharePoint-Liste mit Formularen und Automatisierung besser aufgehoben.
  • Medien und Schulungsinhalte: Videoportale für Schulungen und interne Kommunikation, sauber eingebettet statt auf Fileshares versteckt.
  • Berichtswesen und Dashboards: Eingebettete Power-BI-Berichte machen aus statischen Monatsreport-PDFs lebende Informationsseiten.
  • Wie ich Sie dabei unterstütze: CosyTrack.Migrate und CosyTrack.Provisioner

    So ein Vorhaben – Plattformwechsel plus inhaltlicher Umbau – klingt nach viel Handarbeit. Muss es aber nicht sein. Aus meiner Projektpraxis heraus habe ich zwei Werkzeuge entwickelt, die genau diese Arbeit tragen: CosyTrack.Migrate und CosyTrack.Provisioner, beide Teil meiner CosyTrack-Produktfamilie.

    5-Phasen-Vorgehensmodell für SharePoint-Migration: Analyse, Zielbild, Provisionierung, Migration, Betrieb

    Skizze 5: Das Vorgehensmodell – Provisionierung und selektive Migration greifen ineinander.

    CosyTrack.Provisioner kümmert sich um den Aufbau: Websitestrukturen, Bibliotheken, Listen, Inhaltstypen, Metadaten und Berechtigungskonzepte werden nicht mühsam zusammengeklickt, sondern aus einer Definition heraus automatisiert und wiederholbar bereitgestellt. Das ist der Schlüssel zur Standardisierung – der zwanzigste Projektraum sieht exakt so aus wie der erste, und wenn sich das Template weiterentwickelt, lässt sich das nachvollziehbar ausrollen. Wichtig dabei: Der Provisioner funktioniert nicht nur beim Neuaufbau in einer Zielumgebung, sondern genauso beim Umbau innerhalb eines bestehenden Systems. Wer also gar nicht migrieren muss, sondern „nur“ seine vorhandene Umgebung auf Vordermann bringen will, ist hier ebenfalls richtig.

    CosyTrack.Migrate übernimmt anschließend die Bewegung der Inhalte – und zwar selektiv und strukturiert statt als Eins-zu-eins-Kopie. Inhalte werden aus der Quellumgebung gezielt in die neuen, vom Provisioner aufgebauten Strukturen überführt, inklusive Mapping auf die neuen Inhaltstypen und Metadaten. Der alte Ordnerpfad kann dabei zur Metadaten-Quelle werden, Berechtigungen werden auf das neue Konzept übersetzt statt blind mitgeschleppt, und Altlasten bleiben bewusst zurück oder wandern ins Archiv. Das funktioniert beim Sprung von 2016/2019 auf die Subscription Edition genauso wie beim Weg nach SharePoint Online – und auch innerhalb einer Umgebung, wenn Inhalte aus gewachsenen Strukturen in neue überführt werden sollen.

    Das Zusammenspiel der beiden ist das eigentliche Vorgehensmodell: Erst wird analysiert und ein Zielbild entworfen, dann provisioniert der Provisioner die neuen Strukturen, anschließend zieht Migrate die erhaltenswerten Inhalte gezielt hinein. Am Ende steht keine kopierte Altlast, sondern eine Umgebung, die zum heutigen Arbeiten passt – und die KI-ready ist.

    Und weil Werkzeuge allein noch kein Projekt machen: Ich begleite Sie auf Wunsch durch alle Phasen – von der Bestandsanalyse über die Plattformentscheidung und das Informationsarchitektur-Design bis zur Umsetzung und Verankerung im Betrieb. Rund drei Jahrzehnte Microsoft-Infrastruktur-Erfahrung und etliche SharePoint-Projekte quer durch alle Versionen inklusive.

    FAQ: die häufigsten Fragen zum Supportende

    Zum Abschluss die Fragen, die in Gesprächen zu diesem Thema immer wieder auftauchen – kompakt beantwortet.

    Entscheidungsbaum: Handlungsempfehlungen je nach aktueller SharePoint-Plattform (2016/2019, SE, Online)

    Skizze 6: Schnellcheck – wo Sie stehen und was jetzt jeweils ansteht.

    Schaltet sich unsere Farm am 15. Juli 2026 ab?

    Nein. Die Server laufen weiter, die Inhaltsdatenbanken mounten weiter, die Anwender merken erst einmal nichts. Genau das macht die Sache tückisch: Sie betreiben ab diesem Tag ein System ohne Sicherheitsupdates und ohne Support – das Risiko wächst mit jeder neu entdeckten Schwachstelle, still und leise.

    Gibt es ein ESU-Programm wie bei Windows Server, SQL Server oder Exchange?

    Nein. Für SharePoint Server bietet Microsoft keine kostenpflichtigen Extended Security Updates an – zu keinem Preis. Der 14. Juli 2026 ist der letzte Tag mit Patches. Wer sich vom Exchange-ESU-Modell eine Gnadenfrist erhofft hat, muss umplanen.

    Können wir direkt von 2016 oder 2019 auf die Subscription Edition wechseln?

    Ja. Die Inhaltsdatenbanken beider Versionen lassen sich per Datenbank-Attach in eine Subscription-Edition-Farm übernehmen – ein Zwischenschritt über eine andere Version ist nicht nötig. Das macht die SE zum vergleichsweise schnellen Rettungsweg, wenn die Zeit drängt. Anpassungen, Lösungen und Dienste gehören trotzdem vorher auf den Prüfstand.

    Müssen wir zwingend in die Cloud?

    Nein. Die Subscription Edition ist ein vollwertiges On-Premises-Produkt ohne festes Supportende – wer aus Gründen der Datensouveränität oder Regulatorik im eigenen Rechenzentrum bleiben will oder muss, hat damit eine saubere Perspektive. Strategisch investiert Microsoft allerdings massiv in SharePoint Online, insbesondere rund um Copilot und KI. Diese Entwicklung sollte in die Plattformentscheidung einfließen.

    Wie lange dauert so eine Migration realistisch?

    Kleine, aufgeräumte Umgebungen schaffen den Wechsel in wenigen Wochen. Gewachsene Enterprise-Landschaften mit vielen Anpassungen, Workflows und Integrationen bewegen sich eher im Bereich von sechs bis achtzehn Monaten. Wer heute noch auf 2016 oder 2019 steht, sollte das Ziel deshalb realistisch formulieren: nicht „um jeden Preis fertig vor dem Stichtag“, sondern ein committeter, sauber geplanter Weg, der die ungeschützte Phase so kurz wie möglich hält.

    Was passiert mit unseren Designer-Workflows und InfoPath-Formularen?

    SharePoint Designer 2013 und InfoPath 2013 erreichen am selben Tag ihr Supportende. Diese Prozesse und Formulare müssen ohnehin neu gebaut werden – sinnvollerweise mit Power Automate und Power Apps. Mein Rat: Nutzen Sie das als Gelegenheit, nur die Prozesse zu modernisieren, die heute noch tragen, und den gewucherten Rest bewusst zu beerdigen.

    Wir sind längst auf der Subscription Edition oder in SharePoint Online – geht uns das alles nichts an?

    Das Supportende nicht – das Innehalten schon. Die Fragen aus diesem Artikel gelten plattformunabhängig: Passt die Informationsarchitektur noch? Stimmen die Berechtigungen? Ist die Umgebung KI-ready? Der Umbau im Bestand folgt demselben Vorgehensmodell wie eine Migration – Zielbild, Provisionierung, selektive Überführung – nur eben ohne Plattformwechsel.

    Was kostet uns Abwarten?

    Kurzfristig nichts, und genau das ist die Falle. Mittelfristig drohen ungepatcht ausnutzbare Schwachstellen, Befunde in Audits, Ausschlussklauseln der Cyberversicherung und schwindende Unterstützung durch Drittanbieter, deren Produkte nur supportete Microsoft-Versionen begleiten. Und wenn es dann schnell gehen muss, wird aus dem geplanten Projekt eine teure Notfallmigration. Abwarten ist die teuerste der verfügbaren Optionen – sie stellt die Rechnung nur später aus.

    Ist ein 1:1-Umzug nicht viel schneller und günstiger?

    Kurzfristig ja. Langfristig migrieren Sie damit den kompletten Wildwuchs – veraltete Inhalte, kaputte Berechtigungen, unauffindbare Dokumente – auf eine neue Plattform und zahlen die Aufräumkosten später doch, dann aber im laufenden Betrieb und spätestens beim ersten ernsthaften KI-Projekt. Selektiv migrieren heißt nicht, alles perfekt machen zu müssen: Schon die Trennung in „kommt mit“, „wird archiviert“ und „stirbt“ bringt enorm viel.

    Fazit

    Der 14. Juli 2026 ist eine harte Deadline für alle, die noch SharePoint Server 2016 oder 2019 betreiben – ohne ESU-Hintertür, ohne Gnadenfrist. Aber er ist mehr als das: ein seltener Moment, in dem das Thema SharePoint ohnehin auf der Agenda steht. Nutzen Sie ihn. Wer betroffen ist, sollte den Wechsel auf die Subscription Edition oder SharePoint Online nicht als lästige Pflichtübung abarbeiten, sondern als Gelegenheit, Dokumentenmanagement, Wissensmanagement, Informationsbereitstellung, Zusammenarbeit und Prozesse einmal grundlegend zu modernisieren – und die Umgebung fit für die KI-Ära zu machen. Und wer nicht betroffen ist, darf den Tag gerne trotzdem zum Innehalten nutzen: Ein SharePoint, das nur läuft, ist noch lange keines, das trägt.

    Drei-Schritte-Fahrplan zur SharePoint-Migration: Bestandsaufnahme, Zielbild & Plattform, Bauen & umziehen

    Skizze 7: Der Fahrplan – Bestandsaufnahme, Zielbild, Umsetzung.

    Wenn Sie über Ihre SharePoint-Zukunft sprechen möchten – ob Migration, Umbau im Bestand oder Copilot-Readiness: Melden Sie sich gerne. Auf boddenberg.de finden Sie die Kontaktmöglichkeiten und weitere Fachbeiträge rund um SharePoint, Microsoft 365 und die Microsoft-Infrastrukturwelt.

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    Der AI Act ist scharf: Was seit dem 2. August 2026 wirklich gilt – und wann Sie gar nichts tun müssen Sonder-Consulting Briefing · Ulrich B. Boddenberg · 3. August 2026 Gestern war es so weit: Am 2. August 2026 ist die EU-KI-Verordnung – der AI Act – in...

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