Consulting Briefing: Thema des Tages
SharePoint-Templates und App-Bar-Update in Teams
SharePoint-Template-Offensive und Teams-App-Bar-Refresh im März 2026
Im März 2026 schraubt Microsoft gleich an zwei Stellen, an denen der digitale Arbeitsplatz täglich sichtbar wird: in SharePoint bei der Inhaltserstellung und in Teams bei der Navigation. Das klingt erst einmal nach Kosmetik. Ist es aber nicht. Denn beides greift direkt in die Nutzungsgewohnheiten ein: Wer in SharePoint neue Seiten oder News-Beiträge erstellt, landet künftig viel konsequenter in einer Template-gesteuerten Erstellung. Und wer in Teams arbeitet, bekommt eine aufgeräumtere App Bar mit weniger optischem Gerümpel und mehr Steuerungsmöglichkeiten. Parallel verschwindet in SharePoint eine eher randständige, aber in manchen Umgebungen doch verwendete Funktion: die Featured Links auf der Startseite.
Für SharePoint-Admins und Digital-Workplace-Verantwortliche ist das eine klassische Falle mit Ansage: technisch klein, organisatorisch groß. Genau deshalb lohnt sich jetzt ein sauberer Blick auf Templates, Branding und Adoption, bevor die Kollegen plötzlich fragen, warum beim Klick auf „Neue Seite“ nicht mehr die gewohnte Blankoseite auftaucht.
31 neue Templates: Mehr Schablone, weniger weiße Wand
Microsoft erweitert die SharePoint-Template-Galerie um 31 neue moderne Vorlagen, die standardmäßig bereitgestellt werden. Laut Microsoft sind sie für typische Kommunikations- und Storytelling-Szenarien gedacht. Die Galerie unterstützt Filter nach Kategorien wie Announcements, Storytelling, Video und News. Außerdem lassen sich mehrere Filter kombinieren, und die Auswahl bleibt beim Wechsel zwischen Seiten- und News-Ansicht erhalten.
Das ist strategisch wichtiger, als es auf den ersten Blick aussieht. Microsoft verschiebt den Schwerpunkt damit weiter weg von „baue dir alles selbst zusammen“ hin zu „starte aus einem kuratierten Kommunikationsmuster“. Die Kategorien verraten bereits, wohin die Reise geht:
Announcements
Hier geht es um Mitteilungen mit klarer Botschaft, hoher Sichtbarkeit und geringem Redaktionsaufwand. Typische Einsätze sind interne Hinweise, Rollout-Infos, Veranstaltungsankündigungen oder Management-Updates. Solche Templates helfen vor allem dabei, Struktur zu erzwingen: Überschrift, Kernaussage, Call-to-Action, weiterführende Links. Das rettet keine schlechte Nachricht, aber es verhindert zumindest, dass sie aussieht wie ein Textfriedhof mit zufällig verteilten Webparts.
Storytelling
Diese Kategorie zielt auf längere, visuell geführte Inhalte: Projektgeschichten, Transformationsberichte, Kampagnen, Kulturthemen oder Success Stories. Der Clou ist nicht nur schönes Layout, sondern eine bessere Dramaturgie. Microsoft versucht hier ganz offensichtlich, moderne Intranet-Kommunikation stärker in Richtung Magazinlogik zu schieben. Für interne Kommunikation ist das charmant. Für Governance heißt das: Nicht jede Fachabteilung sollte plötzlich meinen, sie sei jetzt Chefredaktion eines Hochglanzblatts.
Video
Bemerkenswert ist die stärkere Verzahnung mit Video-Use-Cases. In der Message-Center-Mitteilung nennt Microsoft sogar den Einstieg aus der Stream-App heraus: Beim Befehl „Create video news post“ unter „Share“ führt der Weg in die Template-Welt. Das zeigt, dass Video nicht mehr bloß Anhang oder eingebettetes Objekt sein soll, sondern ein eigener Kommunikationsbaustein mit passender Seitenstruktur.
News
News-Templates zielen auf klassische redaktionelle Meldungen. Schon im früheren Template-Galerie-Blog zeigte Microsoft Beispiele wie „Product news“ mit Bereichen für Highlights, nächste Schritte und Teamdetails. Genau hier entsteht in vielen Unternehmen der größte Hebel: weniger Bastelarbeit, schneller zu einer konsistenten Nachricht, geringere Einstiegshürde für Fachbereiche.
Wichtig ist allerdings: Die 31 Templates sind nicht automatisch eine gute Informationsarchitektur. Sie liefern Form, nicht Governance. Wer vorher schon chaotisch publiziert hat, macht das mit schöneren Kacheln immer noch chaotisch. Nur eben in geschniegelt.
Neuer Workflow: Von der Blankoseite zur Template-Galerie
Die eigentliche Änderung steckt im Erstellungsprozess. Microsoft baut die Template-Galerie an mehreren Stellen ein: über Site Settings, über Site Contents mit „+ New“, über Onboarding-Erlebnisse auf neuen Sites und sogar über Stream bei Video-News-Beiträgen. Zudem gibt es eine einheitliche Galerie für Seiten und News-Posts. Das ausgewählte Template öffnet automatisch im richtigen Modus, also als Seite oder News-Post. Innerhalb der Galerie kann gesucht und gefiltert werden.
Für Endanwender ist das bequem. Für Admins hat es drei Folgen:
Erstens wird die Template-Auswahl zum neuen Normalfall. Wer früher direkt in die leere Seite sprang, bekommt nun eher einen kuratierten Einstieg. Zweitens sinkt die Varianz in Layout und Aufbau, wenn die Kollegen die Templates tatsächlich nutzen. Drittens verschiebt sich der Support-Aufwand: weniger „Wie baue ich diese Seite hübsch?“, dafür mehr „Welches Template nehme ich wann?“.
Genau deshalb sollte man interne Redaktionsleitfäden anpassen. Sonst stehen die Leute vor 31 Vorlagen und verhalten sich wie vor einem Hotel-Frühstück mit 14 Marmeladensorten: erst begeistert, dann überfordert, dann doch wieder Toast pur.
Teams App Bar Redesign: Weniger Clutter, mehr Luft
Parallel vereinfacht Microsoft die App Bar in Teams. Laut Message Center wird die App Bar mit weniger sichtbaren Elementen ausgeliefert, zusätzliche Apps wandern in eine übersichtlichere „View more apps“-Liste, und Benutzer können die App Bar ein- oder ausblenden. Für Windows gilt die Tastenkombination Strg + , auf dem Mac Cmd + . Der Rollout für diese vereinfachte App Bar beginnt in Targeted Release Mitte März 2026 und reicht bis Anfang April; allgemein verfügbar wird sie ab April 2026.
Für Endanwender heißt das vor allem: weniger Dauergeflacker am linken Rand und etwas mehr Platz für den eigentlichen Inhalt. Für viele ist das eine Wohltat. Gerade in überfrachteten Teams-Umgebungen mit vielen angehefteten Apps war die App Bar zuletzt eher Werkzeugkasten nach Explosion als Navigation.
Zusätzlich hat Microsoft angekündigt, App-Namen in der App Bar standardmäßig auszublenden. Dann bleiben nur noch Icons sichtbar; die Namen erscheinen per Hover oder Tastaturfokus, und bei Bedarf lässt sich die Anzeige unter „Settings > Appearance > Show app names in the app bar“ wieder aktivieren. Diese Änderung wurde allerdings zeitlich auf Ende April 2026 verschoben und ist damit vom eigentlichen März-Refresh zu trennen.
Das sollte man im Unternehmen sauber kommunizieren. Sonst wirft jemand beide Änderungen in einen Topf, rührt einmal kräftig um und der Helpdesk darf den Brei auslöffeln.
Retirement der Featured Links auf der SharePoint Start Page
Weniger glamourös, aber für einige Tenants relevant: Microsoft nimmt die Featured Links auf der SharePoint Start Page aus dem Verkehr. Die Begründung ist niedrige Nutzung. Der Rückbau startet Anfang März 2026 und soll bis Ende Juni 2026 abgeschlossen sein. Danach können Admins Featured Links nicht mehr erstellen, bearbeiten oder aufrufen; bestehende Links verschwinden sowohl von der Startseite als auch aus der mobilen SharePoint-App. Als Alternativen nennt Microsoft globale Navigation und Resources in Viva Connections.
Das ist eine klassische Bereinigung alter Nebenpfade. Wer Featured Links aktiv genutzt hat, sollte jetzt nicht sentimental werden, sondern pragmatisch handeln: Welche Inhalte wurden dort hervorgehoben? Wo gehören sie stattdessen hin? In vielen Fällen ist die globale Navigation tatsächlich der bessere Ort, weil sie konsistenter, sichtbarer und steuerbarer ist.
Praxistipps: Governance, Branding, Adoption
Die neue Template-Welt ruft geradezu nach Governance. Empfehlenswert ist ein schlankes Template-Modell mit drei Ebenen: erstens Microsoft-Standardtemplates für den breiten Einsatz, zweitens ausgewählte, freigegebene Standortemplates für Fachbereiche und drittens wenige redaktionell kontrollierte Premium-Templates für Kommunikation, HR oder Vorstandsumfeld. So verhindert man Wildwuchs, ohne die Kreativität mit Formularen totzuprügeln.
Bei der Branding-Strategie gilt: Templates sind keine Ersatzdroge für Designsysteme. Farben, Header, Bildsprache, Typografie, Standard-Webparts und Tonalität sollten in einem klaren Pattern festgelegt werden. Sonst sehen zwar alle Seiten modern aus, aber jede modern auf ihre ganz persönliche, schiefe Art.
Für die Adoption empfiehlt sich ein sehr praktischer Ansatz: keine große Theorie, sondern eine Seite mit „Welches Template für welchen Zweck?“, ergänzt um drei kurze Demo-Videos und zwei bis drei freigegebene Musterseiten. Dazu ein Hinweis an den Helpdesk, dass der Erstellungsablauf sich sichtbar ändert, und eine kurze Kommunikation an Site Owner. Microsoft selbst rät bereits dazu, interne Unterlagen anzupassen, weil Anwender statt der Blankoseite künftig häufiger direkt die Template-Galerie sehen.
Fazit
Microsoft macht SharePoint im März 2026 deutlich vorlagenorientierter und Teams sichtbar aufgeräumter. Beides ist sinnvoll. Beides verbessert die Alltagserfahrung. Aber beides funktioniert nur dann wirklich gut, wenn Unternehmen nicht einfach abwarten, bis die Änderungen aufschlagen wie ein nasser Pappkarton im Flur.
Die SharePoint-Template-Offensive ist eine Chance, die Qualität von Seiten und News-Beiträgen spürbar anzuheben. Der Teams-App-Bar-Refresh schafft mehr Fokus und weniger Ablenkung. Und das Ende der Featured Links ist ein kleiner, aber nützlicher Anlass, Navigationskonzepte aufzuräumen. Wer jetzt Governance, Branding und Adoption zusammen denkt, bekommt keinen kosmetischen Frühjahrsputz, sondern einen handfest besseren Digital Workplace. Und das ist nun wirklich hübscher als die 32. improvisierte Nachrichtenseite mit Bild links, Text rechts und drei lustlos platzierten Schnelllinks darunter.