Bezugswege für die Claude API
Vertragspartner, Verarbeitungsort und Abrechnung – fünf Wege im Governance-VergleichBezugswege für die Claude API: direkt, Bedrock, Vertex
Die Fachanwendung soll eingehende Dokumente vorsortieren, das Konzept steht, und der Entwickler hat sich den API-Schlüssel in zehn Minuten selbst gezogen. Zwei Wochen später fragt der Einkauf, wer eigentlich Vertragspartner ist. Der Datenschutzbeauftragte will wissen, in welchem Land verarbeitet wird. Und das Cloud-Team hätte die Rechnung gern auf dem AWS-Commitment, das ohnehin nicht ausgeschöpft wird. Drei Fragen, eine gemeinsame Antwort: der Bezugsweg.
Die Modelle sind auf allen Wegen dieselben. Unterschiedlich ist alles drumherum — wer die Inferenz betreibt, wer euer Auftragsverarbeiter ist, wo verarbeitet wird, welche Funktionen ihr bekommt und auf welcher Rechnung das Ganze landet. Weil diese Entscheidung selten im Prototyp fällt, sondern hinterher im Governance-Gespräch aufschlägt, lohnt es sich, sie einmal bewusst zu treffen.
Warum der Bezugsweg eine Governance-Entscheidung ist
Dieselben Modelle, verschiedene Verträge
Technisch ist der Unterschied überschaubar: andere Basis-URL, andere Authentifizierung, teils andere Modellkennungen. Ein Entwickler stellt das an einem Nachmittag um. Vertraglich dagegen sind es verschiedene Welten. Auf dem einen Weg ist Anthropic euer Auftragsverarbeiter, auf dem anderen der Cloud-Anbieter, der die Inferenz auf eigener Infrastruktur betreibt. Damit ändern sich Auftragsverarbeitungsvertrag, Subprozessorenliste, Zertifizierungen und die Stelle, an der ihr im Störungsfall anrufen müsst. Wer den Bezugsweg als Implementierungsdetail behandelt, verschiebt eine Vertragsentscheidung in ein Ticket.
Vier Fragen, die der Bezugsweg beantwortet
Vor der Auswahl solltet ihr vier Antworten kennen. Erstens: Wer ist Vertragspartner für die Verarbeitung — Anthropic oder der Cloud-Anbieter? Zweitens: Wo läuft die Inferenz, und könnt ihr das festlegen? Drittens: Auf welcher Rechnung erscheint der Verbrauch, und zählt er auf ein bestehendes Cloud-Commitment ein? Viertens: Welche Funktionen bekommt ihr — und wie schnell nach dem Erscheinen? Alles Weitere ist Konfiguration.
Die Wege im Überblick
Ältere Übersichten kennen drei Wege. Inzwischen sind es fünf, und zwei davon werden regelmäßig verwechselt.
Direkt bei Anthropic
Der kürzeste Weg: Konto in der Konsole, Schlüssel erzeugen, loslegen. Ihr bekommt den vollen Funktionsumfang und neue Fähigkeiten am Tag der Veröffentlichung, dazu die eigene Verwaltung mit Arbeitsbereichen, Ausgabengrenzen, Nutzungsauswertung und Compliance-Schnittstelle. Vertragspartner ist Anthropic, Rechnung kommt von Anthropic. Für Machbarkeitsstudien und für alles, was auf neueste Funktionen angewiesen ist, ist das der Standardweg.
Claude Platform on AWS
Der neue Zwischenweg, und der am häufigsten missverstandene: Anthropic betreibt weiterhin die Inferenz, aber Zugang, Berechtigungen und Abrechnung laufen über AWS. Angemeldet wird mit AWS-Identitäten, Zugriffe lassen sich über die üblichen Berechtigungsrichtlinien auf einzelne Arbeitsbereiche einschränken, Aufrufe landen im AWS-Protokoll, und abgerechnet wird über den Marktplatz auf eurer AWS-Rechnung. Funktional seid ihr fast auf dem Stand des Direktwegs — inklusive Agentenfähigkeiten, Code-Ausführung und Vorschaufunktionen. Was fehlt, ist eine Handvoll Verwaltungsfunktionen wie Ausgabengrenzen sowie das Programm für besonders regulierte Gesundheitsdaten.
Amazon Bedrock
Hier betreibt AWS die Inferenz auf eigener Infrastruktur und ist damit euer Auftragsverarbeiter — der entscheidende Unterschied zum vorigen Weg. Die Region bestimmt ihr über den Endpunkt, also auch eine EU-Region. Dafür folgt der Funktionsumfang dem AWS-Fahrplan: Neuerungen kommen später, Vorschaufunktionen und einige Agentenfähigkeiten gar nicht. Für Häuser, die den Cloud-Anbieter als alleinigen Verarbeiter brauchen oder auf dessen Zertifizierungen angewiesen sind, ist das der richtige Weg.
Google Vertex AI
Dasselbe Muster auf der Google-Seite: Google betreibt, Google ist Verarbeiter, die Region hängt am Endpunkt, EU-Regionen stehen zur Verfügung. Verfügbarkeit einzelner Modelle und Preise unterscheiden sich je Region. Für Häuser, deren Datenplattform ohnehin bei Google liegt, ist das der Weg mit dem geringsten Reibungsverlust.
Microsoft Foundry
Für Microsoft-Häuser der naheliegende Gedanke — und der Weg mit dem größten Erklärungsbedarf. Zugang und Abrechnung laufen über Azure, die Inferenz aber nicht: Sie läuft auf Anthropic-Infrastruktur, nicht in der Azure-Region, die ihr auswählt. Wer die Verarbeitung auf die USA festlegen will, kann das über den entsprechenden Bereitstellungstyp tun; eine europäische Variante ist angekündigt, war aber im Juli 2026 noch nicht verfügbar. Für Beschaffung und Abrechnung ist der Weg attraktiv, für die Regionsfrage bislang nicht.

Abb.: Die fünf Bezugswege mit Betreiber, Vertragslage und Verarbeitungsort im Überblick.
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INFO Bedrock ist nicht dasselbe wie Claude Platform on AWS Beide laufen über euer AWS-Konto, beide werden über AWS abgerechnet — und trotzdem sind es verschiedene Produkte. Bei Bedrock betreibt AWS die Inferenz und ist Verarbeiter; bei Claude Platform on AWS betreibt Anthropic und liefert AWS nur Anmeldung, Berechtigungen und Rechnung. Für die Datenschutzdokumentation ist das der Unterschied zwischen zwei völlig verschiedenen Einträgen. Fragt im Zweifel nach der Basis-URL — daran erkennt ihr sofort, worüber gerade gesprochen wird. |
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Der Unterschied, der in Deutschland entscheidet
Jetzt zur Frage, die in jedem deutschen Projekt kommt: Lässt sich die Verarbeitung auf Europa festlegen? Die Antwort hängt daran, wer die Inferenz betreibt — und sie funktioniert über zwei völlig verschiedene Regler.
Auf den Wegen, die Anthropic betreibt, steuert ihr die Region über einen Parameter im Aufruf oder als Vorgabe im Arbeitsbereich. Wählbar sind derzeit genau zwei Werte: Verarbeitung ausschließlich in den USA oder globale Verteilung. Eine EU-Option gibt es dort nicht. „Global“ heißt, dass eine Anfrage in Europa laufen kann, aber nicht muss — für eine Zusage im Verarbeitungsverzeichnis reicht das nicht. Die Festlegung auf die USA ist möglich, kostet allerdings einen Aufschlag auf den Tokenpreis und beantwortet die europäische Frage ohnehin nicht.
Auf den Wegen, die AWS oder Google betreiben, ist die Region dagegen eine Eigenschaft des Endpunkts, den ihr ansprecht. Ruft ihr den Endpunkt in Frankfurt auf, findet die Verarbeitung dort statt — nicht weil Anthropic einen Schalter anbietet, sondern weil der Cloud-Anbieter die Region garantiert und dafür in seinem Vertragswerk geradesteht. Das ist der Grund, warum die EU-Antwort in der Praxis fast immer über Bedrock oder Vertex läuft und nicht über den Direktbezug.

Abb.: Parameter oder Endpunkt — nur auf den Partnerwegen steht die EU-Region zur Wahl.
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WARNUNG Foundry ist nicht der EU-Weg, für den viele ihn halten „Wir beziehen Claude über unseren Microsoft-Vertrag“ klingt nach europäischer Verarbeitung und ist es derzeit nicht: Die Inferenz läuft nicht in der Azure-Region, die im Portal ausgewählt wird. Wer das im Verarbeitungsverzeichnis anders dokumentiert hat, dokumentiert etwas Falsches. Prüft den aktuellen Stand vor jeder Festlegung — die europäische Variante ist angekündigt, und dieser Absatz kann schneller veralten als der Rest des Artikels. |
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Was ihr auf den Partnerwegen aufgebt
Der Preis für Region und Vertragslage ist Funktionsumfang und Tempo. Wo der Cloud-Anbieter die Inferenz betreibt, folgt das Angebot seinem eigenen Fahrplan: Neue Modelle erscheinen später, Vorschaufunktionen kommen häufig gar nicht an, und Fähigkeiten, die eine Ausführungsumgebung des Anbieters brauchen — etwa das Erzeugen fertiger Office-Dokumente oder das Ausführen von Code —, stehen dort nicht zur Verfügung. Für eine Massenverarbeitung von Textdokumenten ist das folgenlos. Für einen Agenten, der Tabellen bauen und Skripte ausführen soll, ist es ein Ausschlusskriterium.
Unterschiede gibt es auch bei der Aufbewahrung. Betreibt der Cloud-Anbieter die Inferenz, sieht Anthropic die Inhalte gar nicht erst. Auf den von Anthropic betriebenen Wegen greift die reguläre Aufbewahrungspolitik, und wer gar keine Speicherung will, muss das gesondert vereinbaren. Dazu kommen praktische Kleinigkeiten, die im Betrieb zählen: unterschiedliche Ratenlimits, unterschiedliche Wege zum Support und die Frage, in wessen Protokollen ein Aufruf am Ende auftaucht.
Modellstände und Kennungen
Ein Detail, das im Betrieb regelmäßig für Verwirrung sorgt: Dieselben Modelle heißen auf den Wegen unterschiedlich. Auf den Partnerplattformen tragen sie Präfixe und teils Versionssuffixe, auf den von Anthropic betriebenen Wegen die schlichte Kennung. Wer Konfigurationen zwischen Umgebungen kopiert, produziert damit zuverlässig Fehlermeldungen, die nach Berechtigungsproblemen aussehen. Dazu kommt der zeitliche Versatz: Ein Modell, das direkt schon verfügbar ist, kann auf einer Partnerplattform noch Wochen auf sich warten lassen — und ein Modell, das ihr dort produktiv nutzt, verschwindet nicht gleichzeitig überall. Legt die Kennung deshalb an einer Stelle in der Konfiguration fest statt verstreut im Code, und prüft vor jedem Modellwechsel, ob der Zielstand auf allen genutzten Wegen vorhanden ist.
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PRAXIS-TIPP Zwei Wege sind eine Ausfallsicherung, kein Luxus Die Wege laufen auf getrennten Kapazitäten. Wer eine geschäftskritische Verarbeitung betreibt, kann deshalb einen zweiten Weg als Reserve einrichten und im Störungsfall umschalten — der Aufwand beschränkt sich auf eine zweite Konfiguration und ein bisschen Code für den Wechsel. Testet den Wechsel einmal im Quartal, sonst stellt sich im Ernstfall heraus, dass die Modellkennungen im zweiten Weg anders lauten und niemand daran gedacht hat. |
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Beschaffung: Rechnung, Rabatte, Commitment
Für den Einkauf ist der Bezugsweg oft das stärkste Argument der ganzen Diskussion. Läuft die Nutzung über einen Cloud-Marktplatz, erscheint sie auf der Cloud-Rechnung und kann auf ein bestehendes Ausgabenversprechen einzahlen — bei Häusern, die ihr Cloud-Commitment ohnehin nicht ausschöpfen, ist das bares Geld. Der Direktweg dagegen erzeugt eine zusätzliche Kreditorenbeziehung mit eigenem Onboarding, was in manchen Häusern länger dauert als die technische Umsetzung.
Zwei Fallstricke gehören dazu. Erstens sind ausgehandelte Konditionen an den jeweiligen Weg gebunden: Ein Rabatt, den ihr für den einen Weg vereinbart habt, gilt nicht automatisch für den anderen. Zweitens entsteht bei der Anmeldung über einen Marktplatz unter Umständen eine eigene, neue Organisation beim Anbieter — Schlüssel, Arbeitsbereiche und Einstellungen aus einer bestehenden Organisation ziehen nicht mit um. Beides ist lösbar, aber nur, wenn man vorher davon weiß.

Abb.: Drei Fragen führen in den meisten Häusern zum passenden Bezugsweg.
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WARNUNG Rabatte und Sonderkonditionen wandern nicht mit Wer heute über den einen Weg bezieht und morgen über einen anderen, startet konditionell bei null — rückwirkend lässt sich ein Sonderangebot in der Regel nicht anwenden. Klärt das vor dem Wechsel mit eurem Ansprechpartner, nicht nach der ersten Rechnung. Und plant den Wechsel selbst nicht als Nachmittagsaufgabe ein: Basis-URL, Authentifizierung, Modellkennungen und teils das Antwortformat ändern sich mit. |
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Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen Claude über Bedrock und direkt bei Anthropic?
Bei Bedrock betreibt AWS die Inferenz und ist euer Auftragsverarbeiter, beim Direktbezug ist es Anthropic. Daraus folgt alles Weitere: Bei Bedrock bestimmt ihr die Region über den Endpunkt und rechnet über AWS ab, dafür kommen neue Funktionen später und einige gar nicht. Direkt bei Anthropic bekommt ihr den vollen Funktionsumfang am ersten Tag, habt aber keine EU-Region zur Auswahl.
Wie bekommen wir Claude mit Verarbeitung in der EU?
Über Amazon Bedrock oder Google Vertex AI mit einem Endpunkt in einer EU-Region, etwa Frankfurt. Der Direktbezug und die von Anthropic betriebenen Partnerwege bieten derzeit nur die Wahl zwischen Verarbeitung in den USA und globaler Verteilung. Für die Dokumentation heißt das: Der Verarbeitungsort ist bei euch eine Folge der Endpunktwahl, und genau so gehört er ins Verarbeitungsverzeichnis.
Ist Claude über Microsoft Foundry eine EU-Lösung?
Stand Juli 2026 nicht: Der Zugang läuft über Azure, die Inferenz aber auf Anthropic-Infrastruktur und nicht in der gewählten Azure-Region. Eine europäische Variante ist angekündigt, ohne belastbares Datum. Wer heute EU-Verarbeitung zusichern muss, nimmt Bedrock oder Vertex — und prüft den Foundry-Stand bei der nächsten Vertragsrunde erneut.
Kostet Claude über Bedrock oder Vertex mehr als direkt?
Die Tokenpreise liegen auf allen Wegen in derselben Größenordnung; Unterschiede entstehen durch regionale Preise der Cloud-Anbieter, ausgehandelte Konditionen und Aufschläge für festgelegte Verarbeitungsorte. Wirtschaftlich entscheidend ist meist nicht der Listenpreis, sondern ob der Verbrauch auf ein bestehendes Cloud-Commitment einzahlt. Die aktuellen Zahlen stehen auf den Preisseiten der jeweiligen Anbieter.
Können wir mehrere Bezugswege parallel nutzen?
Ja, und in größeren Häusern ist genau das der Normalfall: die EU-pflichtige Verarbeitung über eine Cloud-Region, die Entwicklung und alles Funktionshungrige über den Direktweg. Die Wege nutzen getrennte Kapazitäten, eignen sich also auch als gegenseitige Reserve. Der Preis dafür sind zwei Konfigurationen, zwei Einträge in der Dokumentation und die Disziplin, den Wechsel gelegentlich zu testen.
Weiterlesen
Wie Claude im Unternehmen insgesamt aufgesetzt wird — Lizenzmodelle, Identität, Datenschutz und Rollout — steht im Überblick Claude im Unternehmen. Wenn bei euch gerade die Frage ansteht, welcher Bezugsweg zu Verarbeitungsort, Beschaffung und Funktionsbedarf passt, klären wir das in der Beratung zu Claude und KI-Governance gemeinsam mit eurem Cloud- und Datenschutzteam.
