Microsoft 365 Lizenzen für Behörden

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Microsoft 365 Lizenzen für Behörden

E3, E5 und F3 für öffentliche Verwaltungen richtig einsetzen

Microsoft 365 Lizenzen für Verwaltungen: E3, E5, F3 und die Behördenkonditionen

Es gibt einen Satz, mit dem in deutschen Verwaltungen die meisten Lizenzfehler beginnen, und er klingt vollkommen harmlos: „Wir nehmen für alle das Gleiche, das ist einfacher in der Verwaltung.“ Er wird meist in einer Runde gesagt, in der niemand widerspricht, weil er ja stimmt — einfacher ist es tatsächlich. Nur bezahlt man diese Einfachheit entweder mit einem sechsstelligen Betrag pro Jahr, den die Kämmerei irgendwann hinterfragt, oder mit einem Sicherheitskonzept, das an drei Stellen Funktionen verspricht, die im gekauften Paket gar nicht enthalten sind.

Lizenzierung wirkt wie ein Beschaffungsthema. Sie ist aber eine Architekturentscheidung mit Beschaffungsfolgen. Ob Ihre Registratur später Aufbewahrungsbezeichnungen automatisch vergeben lassen kann, ob Ihr Bauhof mit einem Regelwerk für den Zugriff arbeitet oder ob Ihre Amtsleitungen zeitlich befristete Administratorrechte bekommen — das alles wird nicht in der IT-Abteilung entschieden, sondern in dem Moment, in dem jemand eine Stückzahl in eine Bestellzeile schreibt. Danach ist die Entscheidung in der Regel für drei Jahre getroffen.

Dieser Beitrag gehört zur Serie Microsoft 365 in der öffentlichen Verwaltung und behandelt genau diesen Übergang: von den Rollenprofilen in Ihrem Haus zu einer Lizenzstruktur, die man einer Beschlussvorlage beilegen kann. Wir gehen die Stufen E3, E5 und F3 entlang der Arbeitsweisen durch, klären, welche Funktion welche Lizenz voraussetzt, und ordnen ein, was die Behördenkonditionen leisten — und was nicht. Preise nennen wir nicht: Sie hängen an Ihrem Vertragsweg, Ihrer Menge und Ihrem Handelspartner, und jede Zahl in einem Fachartikel wäre am Tag der Veröffentlichung schon eine Behauptung.

FAKTEN · Die Kurzfassung, falls die Vorlage morgen in den Umlauf geht

Fünf Sätze, die den größten Teil der üblichen Lizenzfehler verhindern:

› Erheben Sie Rollenprofile, keine Kopfzahlen. Die Lizenzstufe folgt der Arbeitsweise, nicht der Besoldungsgruppe.

› Bedingter Zugriff braucht Entra ID P1 — das steckt in E3, F1 und F3. Alles Risikobasierte und alles auf Zeit braucht P2.

› Purview kann in E3 Aufbewahrungsrichtlinien und Handvergabe. Automatische Vergabe und Datensatzverwaltung beginnen bei E5.

› Copilot ist eine Zusatzlizenz auf einer Grundlizenz — und setzt aufgeräumte Berechtigungen voraus, nicht umgekehrt.

› Behördenkonditionen sind Preis- und Vertragsbedingungen. Sie sind weder ein eigenes Produkt noch ein Ersatz für ein Vergabeverfahren.

 

Vier Rollenprofile statt tausend Köpfe

Die erste Frage in einem Lizenzgespräch lautet fast immer: „Wie viele Beschäftigte haben Sie?“ Das ist die falsche Frage. Die richtige lautet: „Womit arbeiten diese Menschen tatsächlich?“ In einer mittleren Stadtverwaltung sitzen hinter derselben Zahl vier grundverschiedene Arbeitswelten — und drei davon brauchen nicht dieselbe Ausstattung.

Die Erhebung dafür ist unspektakulär und dauert etwa zwei Tage. Sie setzen sich mit den Amtsleitungen zusammen und fragen pro Organisationseinheit vier Dinge ab: Arbeitet diese Gruppe an einem festen Gerät oder mobil? Erstellt sie Dokumente oder liest sie welche? Braucht sie ein volles Postfach oder nur Mitteilungen? Und verarbeitet sie Daten mit erhöhtem Schutzbedarf? Vier Fragen, vier Spalten, fertig ist der Bedarfsplan. Was Sie dabei nicht fragen sollten: „Was hätten Sie denn gerne?“ Die Antwort ist seit 1998 unverändert und lautet „das Beste“.

Sachbearbeitung: der große Block

Die klassische Sachbearbeitung in Bauamt, Ordnungsamt, Kämmerei oder Jugendamt arbeitet an einem festen Arbeitsplatz, meist mit einem oder mehreren Fachverfahren, dazu Word, Excel, Outlook und einer Ablage in SharePoint. Sie erstellt Schriftgut, sie braucht Office am Gerät — nicht nur im Browser —, sie hat ein Postfach, das über Jahre wächst, und sie braucht differenzierte Berechtigungen entlang der Ämterstruktur. Für dieses Profil ist E3 die Grundlinie, und zwar unabhängig davon, ob jemand Sachbearbeitung im mittleren Dienst oder Amtsleitung ist.

In einer typischen Kommunalverwaltung sind das zwischen 60 und 80 Prozent aller Konten. Das ist der Block, an dem sich die Gesamtkosten entscheiden — und genau deshalb der Block, bei dem die Versuchung am größten ist, ihn pauschal eine Stufe höher zu hängen.

Außendienst, Bauhof, Feuerwehr: F3 und seine harten Kanten

Der zweite Block wird in Lizenzplänen regelmäßig übersehen, weil er in der IT-Statistik kaum auftaucht: Bauhof, Grünflächen, Straßenunterhaltung, Klärwerk, Friedhofsverwaltung, ehrenamtliche Feuerwehr, Reinigungsdienste, Hausmeisterei, Schulsekretariate mit geteilten Geräten. Diese Menschen haben oft gar kein Dienstpostfach, dafür ein Telefon in der Jackentasche. Sie melden Einsätze zurück, fotografieren einen abgesackten Gullydeckel, sehen ihren Dienstplan und lesen die Mitteilung der Verwaltungsspitze. Für dieses Profil ist F3 gemacht.

F3 hat allerdings Kanten, die man kennen muss, bevor man 200 Stück davon bestellt. Es enthält kein Office für den Desktop — die Anwendungen gibt es im Browser und auf mobilen Geräten. Das Postfach ist ein Kiosk-Postfach mit deutlich kleinerem Kontingent als in E3, und der persönliche Speicher in OneDrive liegt bei 2 GB. Wer regelmäßig Bautagebücher schreibt, Aufmaße dokumentiert oder Fotoserien ablegt, ist damit nach einem Sommer am Limit. Die noch kleinere Stufe F1 kennt überhaupt kein Nutzungsrecht an einem Postfach und erlaubt in den Web-Anwendungen nur das Lesen, nicht das Bearbeiten — das ist eine Informationslizenz, keine Arbeitslizenz.

In einem großen Landschaftsverband mit Werkstätten, Kliniken, Museen und Schulen haben wir dieses Profil in der Erhebung in drei Untergruppen zerlegt: reine Empfänger von Informationen, mobile Rückmelder mit kleiner Dokumentation und mobile Sachbearbeitung mit vollem Dokumentenzugriff. Nur die dritte Gruppe bekam E3. Das Ergebnis war keine Sparübung, sondern eine Struktur, die man dem Personalrat erklären konnte, ohne dass es nach Zwei-Klassen-Belegschaft klang: Die Ausstattung folgt der Aufgabe, nicht der Wertschätzung.

Führung und Ämter mit erhöhtem Schutzbedarf

Der dritte Block ist klein und teuer. Verwaltungsvorstand, Personalamt, Rechtsamt, Vergabestelle, Rechnungsprüfungsamt, Sozialleistungsbereiche, das Jugendamt mit Fallakten, die IT-Administration selbst. Diese Gruppe arbeitet mobil, verarbeitet besonders schutzwürdige Daten, ist das bevorzugte Ziel von Angriffen und steht zugleich unter dem stärksten Erwartungsdruck, erreichbar zu sein. Hier lohnt sich, was in den unteren Stufen nicht lohnt: risikobasierte Anmeldung, feinere Informationskontrolle, erweiterte Protokollierung, Administratorrollen auf Zeit.

Wichtig ist die Reihenfolge des Arguments. Nicht: „Die Leitung bekommt E5, weil sie die Leitung ist.“ Sondern: „Diese Ämter verarbeiten Daten, deren Schutzbedarf im Sicherheitskonzept als hoch eingestuft ist, und für die dort beschriebenen Maßnahmen brauchen wir Funktionen, die erst ab dieser Stufe zur Verfügung stehen.“ Der zweite Satz überlebt eine Personalratssitzung, der erste nicht.

Gremien, Ehrenamt und Externe

Der vierte Block ist der, bei dem am meisten improvisiert wird: Ratsmitglieder, Ausschussmitglieder, ehrenamtliche Ortsvorsteher, Planungsbüros, freie Träger, Prüfteams, Wirtschaftsprüfung. Sie haben kein Dienstverhältnis, oft ein eigenes Endgerät und brauchen Zugriff nur auf klar abgegrenzte Bereiche. Vor jeder Lizenzentscheidung steht hier eine andere Frage: Braucht diese Person überhaupt ein Konto in Ihrem Tenant — oder reicht ein Gastzugang? Wie man das sauber trennt, beschreibt Gäste in Teams und SharePoint: Planungsbüros, Träger und Gremienmitglieder sicher einbinden.

Für Ratsinformationssysteme gilt zusätzlich: Viele Häuser haben dafür längst eine Fachanwendung. Ein zweiter Weg über Teams ist dann keine Erleichterung, sondern eine zweite Aktenlage — mit allen Folgen für Aufbewahrung und Auskunftsfähigkeit.

Diagramm: Vier Rollenprofile für M365-Lizenzplanung in Behörden – von Sachbearbeitung bis Gremien mit Lizenzempfehlung

Skizze 1: Vier Rollenprofile als Ausgangspunkt. Die Erhebung dauert zwei Tage, die falsche Annahme drei Jahre Vertragslaufzeit.

Rollenprofil

Lizenzvorschlag

Begründung

Sachbearbeitung in den Fachämtern

E3

Office am Gerät, großes Postfach, Dokumentenerstellung, differenzierte Berechtigungen, bedingter Zugriff über die enthaltene Identitätslizenz.

Außendienst, Bauhof, Betriebshof

F3

Mobile Nutzung, Schicht- und Einsatzplanung, kleines Postfach, Office im Browser und auf dem Telefon. Geräteverwaltung und bedingter Zugriff sind enthalten.

Reine Informationsempfänger, geteilte Geräte

F1 oder Gerätelizenz

Lesen von Mitteilungen und Dienstplänen ohne eigenes Postfach. Nur wählen, wenn wirklich nichts erstellt wird.

Verwaltungsspitze, Personalamt, Rechtsamt

E5 oder E3 plus Zusatzpaket

Erhöhter Schutzbedarf, risikobasierter Zugriff, erweiterte Protokollierung, Informationskontrolle über einfache Berechtigungen hinaus.

Registratur und Schriftgutverwaltung

E3, punktuell E5

Aufbewahrungsrichtlinien laufen in E3. Automatische Vergabe von Bezeichnungen und Datensatzverwaltung setzen die höhere Stufe voraus.

IT-Administration

E5 beziehungsweise Identitätslizenz P2

Rollen auf Zeit, Zugriffsüberprüfungen und Identitätsschutz sind erst ab dieser Stufe verfügbar — und genau hier unverzichtbar.

Gremienmitglieder, Ehrenamt

Gastzugang, sonst F1 oder E3

Zuerst prüfen, ob ein Gastzugang genügt. Ein Vollkonto zieht Verzeichnispflege, Aufbewahrung und Ausscheideprozesse nach sich.

Externe Büros, freie Träger, Prüfteams

Gastzugang

Kein Beschäftigungsverhältnis, klar abgegrenzter Zugriff, definiertes Ende. Eine eigene Lizenz ist der Ausnahmefall, nicht die Regel.

Tabelle 1: Rollenprofile und Lizenzvorschlag. Die Begründung ist die Spalte, die in der Beschlussvorlage landet.

TIPP · Der Satz, der die Erhebung rettet

Fragen Sie nicht nach Bedarf, sondern nach Beobachtung: „Wie sieht der Dienstag einer Mitarbeiterin in Ihrem Amt aus?“ Aus zehn solchen Erzählungen fällt das Rollenprofil praktisch von allein heraus — und Sie bekommen nebenbei die Liste der Fachverfahren, die später sowieso jemand gebraucht hätte.

 

Was in E3, E5 und F3 tatsächlich steckt

Bevor wir vergleichen, ein Blick auf den Bauplan. Jede Microsoft-365-Lizenz der Unternehmensreihe besteht aus drei Bausteinen: den Cloud-Diensten von Office 365 (Postfach, SharePoint, Teams, Office-Anwendungen), einem Identitäts- und Verwaltungsteil (Entra ID, Intune) und den Nutzungsrechten für Windows Enterprise. Das erklärt, warum die Aufstellung im Verwaltungsportal drei Zeilen zeigt, wo Sie ein Produkt gekauft haben — und warum die Frage „E3 oder Office 365 E3“ keine Wortklauberei ist. Office 365 E3 ohne das „Microsoft“ davor enthält weder die Geräteverwaltung noch die Windows-Nutzungsrechte noch die Identitätslizenz, mit der bedingter Zugriff überhaupt erst möglich wird.

F3: die Grenzen sind schnell erreicht, aber sie sind klar

F3 enthält Teams, SharePoint, ein Kiosk-Postfach, Office im Browser und auf mobilen Geräten, die Geräteverwaltung mit Intune Plan 1, die Identitätslizenz Entra ID P1 und die Windows-Nutzungsrechte. Das ist erstaunlich viel für den Preis — und in genau zwei Punkten unbrauchbar, wenn man sie falsch einsetzt: kein Office am Desktop und wenig Speicher. Die Frage „Kann die Kollegin damit ein Protokoll schreiben?“ lautet korrekt beantwortet: „Im Browser ja, am Arbeitsplatzrechner nein.“ Und die Frage „Reicht der Speicher?“ lautet: „Für Rückmeldungen ja, für Fotodokumentation nein.“

E3: die Grundlinie, mit der man ein Haus betreiben kann

E3 ist die Stufe, auf der eine Verwaltung arbeitsfähig ist: Office am Gerät und im Browser, ein großes Postfach mit Archiv, SharePoint und OneDrive ohne knappe Grenzen, Teams, Geräteverwaltung, Vertraulichkeits- und Aufbewahrungsbezeichnungen zur manuellen Vergabe, Aufbewahrungsrichtlinien, Standardprotokollierung, Suche in eDiscovery — und Entra ID P1 mit vollem bedingtem Zugriff. Mit E3 lässt sich ein IT-Sicherheitskonzept auf solidem Niveau umsetzen. Was fehlt, beginnt dort, wo Automatik, Risikoerkennung und Datensatzverwaltung anfangen.

E5: eine Stufe oder viele einzelne Bausteine

E5 bringt gegenüber E3 im Wesentlichen vier Bereiche: die Identitätslizenz P2 mit Identitätsschutz, Zugriffsüberprüfungen und Rollen auf Zeit; Purview auf Vollausbau mit automatischer Vergabe von Bezeichnungen, Datensatzverwaltung, erweiterter Protokollierung, Insider-Risiko, Kommunikationsprüfung und DLP auch in Teams und auf Endgeräten; die Verteidigungswerkzeuge der Defender-Familie einschließlich Endpunkterkennung; sowie Telefonie und Audiokonferenzen. Seit 2026 gehört Security Copilot ebenfalls zum E5-Umfang.

Entscheidend für die Verwaltungspraxis: Sie müssen E5 nicht als Ganzes kaufen. Die Bausteine gibt es als Sammelpakete für Sicherheit oder für Compliance, die auf E3 aufsetzen, und für manche Bedarfe reicht eine einzelne Zusatzlizenz — etwa die Identitätslizenz P2 allein für die zwölf Konten mit Administratorrechten. Eine Stadtverwaltung, die SharePoint im Sozialbereich für Fallunterlagen nutzt, brauchte am Ende genau einen der E5-Bausteine, und zwar für 90 von 1.400 Konten. Der Vorschlag des Handelspartners hatte vorher auf 1.400 gelautet — nicht aus Böswilligkeit, sondern weil niemand nach Rollenprofilen gefragt hatte.

Und was ist mit E7?

Seit dem 1. Mai 2026 gibt es oberhalb von E5 eine weitere Stufe: Microsoft 365 E7. Sie ist eine echte Obermenge von E5 und fügt Copilot, die vollständige Entra-Suite und die Verwaltung von KI-Agenten hinzu. Für die allermeisten Verwaltungen ist das derzeit keine Beschaffungsfrage, sondern eine Beobachtungsfrage: Wer noch keine Rollen auf Zeit eingerichtet hat, braucht keine Steuerungsebene für autonome Agenten. Interessant wird die Stufe erst, wenn Copilot flächig eingeführt wird und die Zusatzkosten der Einzelbausteine sich der Paketstufe annähern — dann rechnet man es aus, und zwar mit Zahlen aus dem eigenen Angebot.

Merkmal

F3

E3

E5

Office am Arbeitsplatzrechner

Nein, nur Browser und mobil

Ja

Ja

Postfach

Kiosk-Postfach, kleines Kontingent

Volles Postfach mit Archiv

Volles Postfach mit Archiv

Persönlicher Speicher

2 GB

Großes Kontingent

Großes Kontingent

Identität

Entra ID P1

Entra ID P1

Entra ID P2

Bedingter Zugriff

Ja, regelbasiert

Ja, regelbasiert

Ja, zusätzlich risikobasiert

Rollen auf Zeit, Zugriffsüberprüfungen

Nein

Nein

Ja

Geräteverwaltung

Intune Plan 1

Intune Plan 1

Intune Plan 1 und Plan 2

Aufbewahrungsrichtlinien

Eingeschränkt

Ja

Ja, zusätzlich automatische Vergabe

Datensatzverwaltung

Nein

Nein

Ja

DLP

Eingeschränkt

Postfach, SharePoint, OneDrive

Zusätzlich Teams und Endgeräte

Protokollierung

Standard

Standard

Erweitert, längere Aufbewahrung

eDiscovery

Suche

Suche

Suche und Löschung

Telefonie in Teams

Zusatzlizenz

Zusatzlizenz

Enthalten

Copilot

Zusatzlizenz

Zusatzlizenz

Zusatzlizenz

Tabelle 2: Die Stufen im Überblick. Alle Angaben beziehen sich auf die Microsoft-365-Reihe, nicht auf die reinen Office-365-Pläne.

FAKTEN · Die Falle mit den Zusatzfunktionen im Rahmenvertrag

Wer E3 oder E5 über ein Enterprise Agreement bezogen hat, findet im Verwaltungsportal eine zusätzliche Produktzeile namens „Extra Features“. Sie kostet nichts, muss aber getrennt zugewiesen werden — und ohne Zuweisung fehlen den Konten Funktionen, für die längst bezahlt wurde:

› In E3 betrifft das unter anderem Loop, Clipchamp, Universal Print und die automatische Aktualisierung von Windows.

› In E5 kommen unter anderem DLP auf Endgeräten, Insider-Risiko, die maschinelle Klassifizierung und Customer Lockbox hinzu.

› Symptom in der Praxis: „Wir haben E5, aber Endpunkt-DLP taucht nirgends auf.“ Prüfen Sie zuerst die Zuweisung, nicht die Konfiguration.

 

Stufendiagramm: Fünf Lizenz-Voraussetzungsstufen von Ohne Zusatzlizenz bis Copilot mit Funktionsbeschreibung

Skizze 2: Die Voraussetzungsleiter. Jede Funktion aus dem Sicherheitskonzept sitzt auf genau einer Stufe — und die Lizenz muss bei der Person liegen, die von der Regel erfasst wird.

Was Conditional Access, Purview und Copilot voraussetzen

Jetzt zum praktisch wichtigsten Teil. In Sicherheitskonzepten, Beschlussvorlagen und Leistungsbeschreibungen stehen Funktionsnamen. In Verträgen stehen Produktnamen. Zwischen beiden liegt eine Zuordnung, die niemand im Portal angezeigt bekommt, bevor es zu spät ist.

Bedingter Zugriff: P1 reicht — bis zum ersten Risikosignal

Bedingter Zugriff — Conditional Access — ist die Stelle, an der aus einer Sammlung von Konten ein Regelwerk wird: Mehrfaktor-Anmeldung außerhalb des Hauses, Gerätezustand als Bedingung, Sperren veralteter Anmeldeverfahren, Sonderregeln für den Bauhof, Ausnahmen für Notfallkonten. Dafür brauchen Sie Entra ID P1. Die gute Nachricht: P1 steckt in E3, in F1 und in F3. Wer also seine Belegschaft entlang der Rollenprofile lizenziert, hat die Voraussetzung überall erfüllt. Wie das Regelwerk dann aussieht, steht in Conditional Access für Verwaltungen: Regelwerk für Rathaus, Bauhof und Homeoffice.

Die schlechte Nachricht steht eine Stufe höher. Sobald in Ihrem Konzept Formulierungen auftauchen wie „bei auffälligem Anmeldeverhalten“, „bei kompromittierten Zugangsdaten“ oder „Administratorrechte werden nur auf Zeit gewährt“, sind Sie im Bereich der Identitätslizenz P2. Risikobasierte Regeln, Identitätsschutz, Privileged Identity Management und Zugriffsüberprüfungen sind dort und nur dort enthalten. Für die Handvoll Konten mit erhöhten Rechten ist das meist die wirtschaftlichste Zusatzlizenz überhaupt — siehe Privilegierte Konten in der Verwaltungs-IT: Rollen, PIM und der Fall des einen Admins.

WARNUNG · „Alle auf E3, und trotzdem darf niemand Conditional Access“

Der Klassiker läuft in drei Varianten ab, und alle drei enden im selben Gespräch mit dem Rechnungsprüfungsamt:

› Variante 1: Das Haus kauft Office 365 E3 statt Microsoft 365 E3 — das Paket ohne Identitäts- und Geräteteil. Bedingter Zugriff ist dann schlicht nicht lizenziert, obwohl der Menüpunkt im Portal sichtbar ist und Regeln sich anlegen lassen.

› Variante 2: Alle bekommen Microsoft 365 E3, das Sicherheitskonzept verlangt aber risikobasierte Anmeldung und Administratorrollen auf Zeit. Beides braucht P2. Ergebnis: Das Konzept ist beschlossen, die Umsetzung unmöglich, und niemand merkt es bis zur ersten Prüfung.

› Variante 3: 90 Prozent der Belegschaft hat E3, die restlichen Konten hängen an Einzeldiensten oder sind Altkonten ausgeschiedener Personen. Die Regel greift technisch auch für sie — lizenziert ist sie dort nicht.

› Gegenmittel: Legen Sie vor der Bestellung eine Zeile pro Maßnahme aus dem Sicherheitskonzept an und tragen Sie die erforderliche Lizenzstufe daneben ein. Zwei Stunden Arbeit, drei Jahre Ruhe.

 

Purview: Aufbewahrung ja, Automatik erst ab E5

Für Registratur und Schriftgutverwaltung ist die Grenze zwischen E3 und E5 die interessanteste im ganzen Lizenzmodell. In E3 können Sie Aufbewahrungsrichtlinien für Postfächer, SharePoint und OneDrive einrichten, Aufbewahrungsbezeichnungen anlegen und diese von Hand vergeben lassen. Das trägt weiter, als viele denken — die meisten Häuser scheitern nicht an der Lizenz, sondern daran, dass niemand entschieden hat, welche Frist für welche Unterlage gilt. Wie man vom Aktenplan zur Aufbewahrungsbezeichnung kommt, steht in Schriftgutverwaltung mit Microsoft 365: Vom Aktenplan zur Aufbewahrungsbezeichnung.

Ab E5 kommt die Automatik: Bezeichnungen werden anhand von Inhalten oder Metadaten selbstständig vergeben, es gibt die Datensatzverwaltung mit Dispositionsprüfung, und die Protokollierung reicht deutlich weiter zurück. Für ein Haus, das Aussonderung als Verfahren mit Nachweis betreiben will, ist das der Unterschied zwischen „geht mit viel Disziplin“ und „läuft“. Die Details dazu — Fristen, Disposition, Vernichtungsnachweis — behandelt Aufbewahrung und Aussonderung mit Purview: Fristen, Disposition, Vernichtungsnachweis.

Eine Abgrenzung, die in diesem Zusammenhang nie fehlen darf: Aufbewahrung in Microsoft 365 ist keine E-Akte im Sinne des Landes-E-Government-Rechts. Was ein System leisten muss, um als führendes System für elektronische Akten zu gelten — Aktenplanbindung, Vollständigkeit, Unveränderbarkeit, Protokollierung des Schriftgutlebenszyklus, Aussonderung an das zuständige Archiv —, richtet sich nach dem Recht Ihres Landes und Ihrer eigenen Aktenordnung. Diese Grenze zieht SharePoint als E-Akte? Was geht, was nicht und wo die Grenze nach Landesrecht liegt. Kaufen Sie E5 also nicht mit der Begründung, damit die E-Akte erledigt zu haben. Das wäre die teuerste Fußnote Ihrer Beschlussvorlage.

Copilot: eine Zusatzlizenz, deren eigentliche Voraussetzung Ordnung heißt

Copilot ist keine Stufe, sondern ein Zusatz. Er setzt eine Grundlizenz voraus — E3, E5, E7, F1, F3 und eine ganze Reihe weiterer Pläne kommen infrage —, wird pro Person zugewiesen und bringt seit Anfang 2025 die erweiterte SharePoint-Verwaltung mit: Berichte zur Zugriffssteuerung, eingeschränkte Auffindbarkeit von Websites, Lebenszyklusregeln, Inhaberrichtlinien. Das ist kein Beiwerk, sondern das eigentliche Werkzeug, mit dem Sie vor der Einführung aufräumen.

Denn die technische Voraussetzung für Copilot ist eine Lizenz. Die fachliche Voraussetzung ist, dass Ihre Berechtigungen stimmen. Ein Sprachmodell mit Zugriff auf alles, was ein Konto sehen darf, findet zuverlässig auch das, was dieses Konto zwar sehen kann, aber nicht sehen sollte — den Ordner der Personalabteilung auf dem alten Gruppenlaufwerk zum Beispiel. Warum das kein Randfall ist, beschreibt Oversharing im Verwaltungs-Tenant: Warum Copilot die Personalakte findet. Die datenschutzrechtliche Seite mit Rechtsgrundlage und Folgenabschätzung behandelt Microsoft 365 Copilot in der Verwaltung: Datenschutz, Rechtsgrundlage, DSFA, die Beteiligung des Personalrats Copilot und Personalrat: Bausteine einer Dienstvereinbarung.

Für die Lizenzplanung heißt das: Copilot gehört nicht in die Grundbestellung. Er gehört in eine eigene Vorlage, mit eigener Begründung, eigener Zielgruppe und einem Pilotbereich, den Sie vorher benennen. Häuser, die Copilot mit der Hauptbestellung durchwinken, weisen die Lizenzen anschließend über Monate nicht zu — bezahlt werden sie trotzdem.

Diagramm: Tenant-Richtlinie wirkt auf lizenzierte und nicht abgedeckte Konten – mit Hinweisen zu Lücken und Maßnahmen

Skizze 3: Eine Richtlinie wirkt technisch auf jedes erfasste Konto. Lizenziert sein muss sie trotzdem bei jedem einzelnen davon.

TIPP · Die Zwei-Spalten-Liste, die jede Diskussion abkürzt

Nehmen Sie Ihr Sicherheits- oder Datenschutzkonzept und legen Sie eine Tabelle mit zwei Spalten an: links die Maßnahme im Wortlaut des Konzepts, rechts die Lizenzstufe, die sie voraussetzt. Was keine Zuordnung bekommt, ist entweder überall verfügbar oder nirgends beschaffbar — beides gut zu wissen, bevor die Vorlage in den Umlauf geht.

 

Behördenkonditionen: was sie sind und was sie nicht sind

Kaum ein Begriff wird in Verwaltungen so zuverlässig missverstanden. „Wir haben doch Behördenkonditionen“ wird abwechselnd als Beschaffungsweg, als Preisgarantie, als Produktvariante und gelegentlich als Ersatz für ein Vergabeverfahren verstanden. Es ist nichts davon.

Ein Konditionenvertrag ist kein Bestellkatalog

Für Bund, Länder und Kommunen gibt es Konditionenverträge, die das Bundesministerium des Innern mit Microsoft geschlossen hat — aktuell ein Enterprise Agreement und ein fortbestehender Select-Plus-Vertrag für den Zeitraum 2026 bis 2029. Sie definieren die Vertragsbedingungen und die Preisstellung für berechtigte Einrichtungen; die Unterlagen liegen in einem geschützten Bereich, den nur nutzungsberechtigte Stellen sehen. Berechtigt sind Behörden, Ämter und juristische Personen von Bund, Ländern und Kommunen, sofern sie in ihrer Kerntätigkeit nicht im Wettbewerb mit privaten Anbietern stehen. Bezogen wird trotzdem über Handelspartner — und das heißt: Sie brauchen weiterhin ein eigenes Verfahren, in aller Regel einen Händlerwettbewerb. Wie man das sauber aufsetzt, steht in Microsoft 365 rechtssicher beschaffen: Vergabe, Leistungsbeschreibung, Rahmenverträge. Wertgrenzen und Verfahrensarten nennen wir dort wie hier als Orientierung — verbindlich sind Ihr Landesrecht und Ihre eigene Dienstanweisung.

Die Größenordnung ist übrigens kein Geheimnis: Über diesen Weg haben Bund, Länder und Kommunen im Jahr 2025 rund 481 Millionen Euro abgerufen. Wer wissen will, warum in Ihrem Haus jemand sehr genau auf die Verlängerungsmechanik schauen sollte, findet in dieser Zahl die Antwort.

Behördenkondition ist keine Behörden-Cloud

Das zweite Missverständnis ist hartnäckiger. Microsoft betreibt eigene Umgebungen für den öffentlichen Sektor — GCC, GCC High und DoD. Diese sind ausschließlich für Einrichtungen der Vereinigten Staaten und für Organisationen zugänglich, die US-regulierte Daten verarbeiten; die Berechtigung wird geprüft und bei jeder Vertragsverlängerung erneut bestätigt. Eine deutsche Kommune bekommt keinen GCC-Tenant, und die Pläne mit dem „G“ im Namen sind für sie schlicht nicht bestellbar. Deutsche Verwaltungen nutzen die kommerziellen Dienste, seit Februar 2025 mit der abgeschlossenen EU-Datengrenze, die Speicherung und Verarbeitung von Kundendaten, pseudonymisierten Personendaten und Supportdaten in der EU und der EFTA umfasst. Was das für den Schutzbedarfsabgleich bedeutet, behandelt Schutzbedarf und Microsoft 365: IT-Grundschutz-Abgleich für die Praxis.

Bleibt die souveräne Variante. Delos Cloud ist ein auf Microsoft-Technologie basierendes Angebot unter deutschem Betrieb, das sich an den öffentlichen Sektor richtet. Für die Lizenzplanung ist derzeit vor allem eines relevant: Funktionsumfang und Verfügbarkeitsstand unterscheiden sich vom kommerziellen Dienst, und eine Lizenzarchitektur, die auf Purview-Automatik oder Copilot aufbaut, lässt sich nicht ungeprüft übertragen. Termine und Zusagen bewerten wir hier nicht — das ordnet Delos Cloud für Kommunen: Was das Angebot ist, wen es betrifft und was fehlt ein. Was Sie tun können: Schreiben Sie in Ihre Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eine Zeile „Wechselfähigkeit“ und beantworten Sie sie ehrlich.

Was sich 2026 bewegt hat

Zum 1. Juli 2026 hat Microsoft die Preise für die Unternehmenspläne angehoben — die erste Anpassung seit 2022. Betroffen sind unter anderem Office 365 und Microsoft 365 in den Stufen E3 und E5, die Frontline-Pläne F1 und F3, die Identitätslizenzen sowie die gerätegebundenen Lizenzen für Windows und die Office-Anwendungen. Parallel wurde bis zum 1. August 2026 die Paketierung überarbeitet: Es sind Funktionen hinzugekommen, unter anderem im Bereich Bedrohungsschutz und Geräteverwaltung sowie Security Copilot für E5. Bestandskunden werden 30 Tage vorher informiert und behalten ihre Konditionen bis zur nächsten Verlängerung nach dem Stichtag.

Für Ihre Planung heißt das zweierlei. Erstens: Der Zeitpunkt Ihrer Vertragsverlängerung ist keine Formalie, sondern ein Kostenfaktor, und die Kämmerei sollte ihn kennen. Zweitens: Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, die nur den heutigen Preis abbildet, ist unvollständig. Rechnen Sie die Laufzeit durch, nicht den Monat, und dokumentieren Sie die Annahme zur Mengenentwicklung — Neueinstellungen, Auszubildende, Saisonkräfte, Ausscheidende.

Annahme im Haus

Tatsächliche Lage

Was daraus folgt

„Wir haben Behördenkonditionen, also brauchen wir keine Ausschreibung.“

Der Konditionenvertrag regelt Bedingungen und Preisstellung, nicht die Auswahl des Handelspartners.

Eigenes Verfahren einplanen, meist Händlerwettbewerb. Zeitbedarf realistisch ansetzen.

„Behördenkonditionen bedeuten eine eigene Behörden-Cloud.“

Die staatlichen Umgebungen sind US-Einrichtungen vorbehalten. Deutsche Häuser nutzen die kommerziellen Dienste.

Datenschutz- und Schutzbedarfsfragen über die EU-Datengrenze und die vertraglichen Zusagen klären, nicht über den Plannamen.

„Der Preis steht drei Jahre fest.“

Die Preisstellung gilt im Rahmen des Vertrags; Anpassungen wirken zur nächsten Verlängerung nach dem Stichtag.

Verlängerungstermin in der Vorlage nennen und Laufzeitkosten statt Monatspreis ausweisen.

„Zusatzprodukte laufen einfach mit.“

Copilot, Telefonie, Power Platform und einzelne Sicherheitsbausteine sind eigenständige Positionen.

Eigene Begründung, eigene Zielgruppe, gegebenenfalls eigene Beschlussvorlage.

Tabelle 3: Vier verbreitete Annahmen zu den Behördenkonditionen — und was tatsächlich dahintersteckt.

Vergleich dreier M365-Lizenzarchitekturen: E5 für alle, E3 plus Zusatzpakete und gemischte Rollenzuweisung

Skizze 4: Drei Lizenzarchitekturen. Welche passt, entscheidet nicht der Listenpreis, sondern die Zahl der Rollenwechsel und die Frage, wer die Gruppen pflegt.

WICHTIG · Keine Rechtsberatung, sondern Orientierung

Wertgrenzen, Fristen und Zuständigkeiten im Vergabe- und Haushaltsrecht unterscheiden sich zwischen den Ländern und teilweise zwischen Gemeindeordnung und Kreisordnung. Nutzen Sie die Angaben hier als Orientierung für das Gespräch mit Ihrer Vergabestelle und Ihrer Kämmerei — verbindlich sind Ihr Landesrecht, Ihre Hauptsatzung und Ihre Dienstanweisungen.

 

Vom Lizenzplan zur Beschlussvorlage

Eine Lizenzstruktur, die niemand pflegt, ist nach achtzehn Monaten wieder eine Liste. Deshalb gehört zum Lizenzplan ein Verfahren, und zwar eines, das ohne Heldentum funktioniert.

Zuweisung über Gruppen, gespeist aus dem Personalverzeichnis

Weisen Sie Lizenzen niemals einzeln von Hand zu. Bilden Sie Gruppen entlang der Rollenprofile und lassen Sie diese Gruppen aus der führenden Personalquelle befüllen — dem Personalverzeichnis, dem Verzeichnisdienst, im Zweifel einem abgestimmten Zwischenschritt. Die gruppenbasierte Zuweisung ist ab der Identitätslizenz P1 verfügbar, steht Ihnen also in E3 und F3 ohnehin zur Verfügung. Wenn Ihr Haus noch mit einer Verbundanmeldung arbeitet und die Frage nach der führenden Identität offen ist, gehört sie vor die Lizenzentscheidung — dazu ADFS oder Entra ID in der Verwaltung: Die Entscheidung entlang der Fachverfahren.

Der zweite Baustein ist der Ausscheideprozess. Wenn eine Person das Haus verlässt, muss die Lizenz frei werden — und zwar nach einem definierten Übergang, in dem Postfach und persönliche Ablage gesichert werden. Das ist kein IT-Detail: Es ist eine Frage der Aktenmäßigkeit und gleichzeitig der Posten, an dem die meisten Häuser dauerhaft Geld verlieren. Und um es klar zu sagen: Die Aussonderung eines Kontos ist etwas völlig anderes als die Aussonderung von Schriftgut. Die eine betrifft eine Lizenz, die andere unterliegt Ihrem Archivrecht.

Was das Rechnungsprüfungsamt fragt

Rechnen Sie mit vier Fragen, und beantworten Sie sie vorher. Erstens: Wie viele Lizenzen sind beschafft und wie viele zugewiesen? Zweitens: Nach welchem nachvollziehbaren Kriterium wurde welche Stufe vergeben? Drittens: Wie stellen Sie sicher, dass Konten ausgeschiedener Personen keine Lizenz mehr binden? Viertens: Welche Nachweise können Sie über die Nutzung führen? Für die letzte Frage lohnt ein Blick in Microsoft 365 Audit-Log und Rechnungsprüfung: Nachweise, die Verwaltungen liefern müssen — auch weil die Aufbewahrungsdauer der Protokolle selbst von der Lizenzstufe abhängt.

Ein Sonderfall, der regelmäßig überrascht: Die Wiederherstellung von Daten ist keine Funktion der Lizenzstufe. Weder E3 noch E5 enthalten ein Backup im Sinne einer Sicherung mit eigener Aufbewahrung und definierter Wiederherstellungszeit — das ist eine eigene Entscheidung mit eigenem Budget, aufbereitet in Backup und Wiederherstellung in Microsoft 365: Die Risikoentscheidung fürs Rechnungsprüfungsamt.

Telefonie, Power Platform und die anderen Zusatzposten

In einer Stadtverwaltung mit rund 1.000 Rufnummern war die Lizenzfrage schnell entschieden und die Telefoniefrage lange nicht: E5 enthält die Telefoniefunktion, E3 und F3 brauchen dafür eine Zusatzlizenz, und die Anbindung an das öffentliche Netz ist in jedem Fall ein eigener Vertrag. Wer nun E5 kauft, „weil Telefonie drin ist“, sollte nachrechnen — meist ist die Zusatzlizenz auf E3 der günstigere Weg, und die restlichen E5-Funktionen bleiben ohnehin unkonfiguriert. Die Details zu Anschlussvarianten und Vergabeunterlage stehen in Teams-Telefonie für Kommunen: Direct Routing, Operator Connect und die Vergabeunterlage; die Sonderfälle, die eine Verwaltung wirklich lösen muss, in Notruf, Fax und Sonderanschlüsse: Die Verwaltungsfälle, die Teams Phone lösen muss.

Ähnlich verhält es sich mit der Power Platform. Einfache Formulare und Abläufe auf SharePoint-Listen sind in den Grundlizenzen enthalten; sobald eine Fachanwendung mit Dataverse entsteht, betreten Sie ein eigenes Lizenzmodell. Die Grenze verläuft nicht dort, wo es kompliziert wird, sondern dort, wo bestimmte Bausteine benutzt werden — nachzulesen in Power Platform in der Verwaltung: SharePoint-Listen oder Dataverse für Fachanwendungen?. Und wer Barrierefreiheit ernst nimmt, plant den Aufwand für Vorlagen und interne Portale unabhängig von der Lizenzstufe ein, denn davon hängt sie nicht ab — siehe Barrierefreiheit in Microsoft 365: BITV-Pflichten für interne Portale und Vorlagen.

Personalrat, Schulung und die Vorlage selbst

Lizenzstufen sind mitbestimmungsrelevant, sobald sie Funktionen mitbringen, die Verhalten oder Leistung abbilden können — erweiterte Protokollierung, Insider-Risiko, Nutzungsberichte, Copilot. Nehmen Sie den Personalrat deshalb nicht am Ende mit, sondern bei der Rollenerhebung: Wer die Profile mitentwickelt hat, muss sie später nicht abwehren. Für kirchliche Träger gelten eigene Regelwerke und eine Mitarbeitervertretung statt eines Personalrats — dazu Microsoft 365 in Kirche, Diakonie und Caritas: DSG-EKD, KDG und Mitarbeitervertretung.

Und der letzte, unromantische Punkt: Eine Lizenzstufe wird erst durch Nutzung zu einem Gegenwert. Häuser, die F3 im Bauhof einführen, ohne zu zeigen, wie man auf dem Telefon eine Rückmeldung schreibt, haben Lizenzen gekauft und Frust erzeugt. Planen Sie Qualifizierung entlang der Rollenprofile — je Profil ein eigenes Format, kurz und praktisch. Wie sich das aufsetzen lässt, zeigt unsere Microsoft-365-Schulung für Verwaltungen. Wer die gesamte Konzeptionsphase strukturiert angehen und am Ende eine tragfähige Beschlussvorlage haben will, findet den Ablauf in Microsoft-365-Einführung in der Verwaltung: Konzeptionsphase in 4,5 Tagen und die Beschlussvorlage.

Zeitstrahl: Sechs-Schritte-Prozess der M365-Lizenzplanung von Rollenerhebung bis Jahresrückschau in Behörden

Skizze 5: Der Lizenzplan als Verfahren — von der Rollenerhebung über die Beteiligung bis zur Jahresrückschau.

Zusatzlizenz

Wer sie tatsächlich braucht

Auslöser im Haus

Identitätslizenz P2

Konten mit erhöhten Rechten, sensible Ämter

Sicherheitskonzept nennt Rollen auf Zeit oder risikobasierte Anmeldung.

Sammelpaket Compliance

Registratur, Sozialbereich, Personalamt

Automatische Vergabe von Bezeichnungen, Datensatzverwaltung, erweiterte Protokollierung.

Sammelpaket Sicherheit

Gesamtes Haus oder exponierte Bereiche

Endpunkterkennung und erweiterte Verteidigung sind im Konzept vorgesehen.

Telefonie in Teams

Alle Personen mit einer Rufnummer

Ablösung der Telefonanlage, Vergabeverfahren für die Netzanbindung.

Copilot

Definierter Pilotbereich, danach schrittweise

Eigene Vorlage nach Beteiligung und Aufräumen der Berechtigungen.

Power Platform

Fachbereiche mit eigener Anwendung

Aus einer Liste wird eine Fachanwendung mit eigenen Datenstrukturen.

Zusatzspeicher

SharePoint-Ablagen mit großen Beständen

Migration von Gruppenlaufwerken, Bau- und Planunterlagen, Bildarchive.

Tabelle 4: Zusatzlizenzen, die in Verwaltungen regelmäßig auftauchen — und der Anlass, aus dem heraus sie geprüft werden.

WARNUNG · Die drei Sätze, die eine Lizenzplanung ruinieren

Alle drei klingen vernünftig. Alle drei kosten Geld oder Handlungsfähigkeit:

› „Wir nehmen erst mal für alle die kleine Stufe und schauen dann.“ — Hochstufen geht, aber die Regeln, Richtlinien und Schulungen bauen Sie zweimal.

› „E5 ist zwar teurer, aber dann haben wir alles.“ — Sie haben dann alles bezahlt. Eingerichtet haben Sie, wofür jemand zuständig ist.

› „Die Lizenzen bestellen wir jetzt, das Konzept kommt danach.“ — Danach ist das Konzept eine Rechtfertigung für eine bereits getroffene Entscheidung.

 

Häufige Fragen

Können wir E3, E5 und F3 in einem Tenant mischen?

Ja, und das ist der Normalfall. Lizenzen werden pro Konto zugewiesen, nicht pro Tenant. Wichtig ist nur, dass tenantweite Funktionen bei jeder erfassten Person lizenziert sind: Eine Aufbewahrungsrichtlinie oder eine Zugriffsregel wirkt technisch auf alle Konten, für die sie gilt — die Lizenzpflicht richtet sich nach der Person, nicht nach der Richtlinie.

Reicht F3 für den Bauhof wirklich aus?

Für Einsatzrückmeldungen, Dienstpläne, Mitteilungen und kurze Chats: ja. Sobald regelmäßig Dokumente erstellt, größere Fotobestände abgelegt oder Fachverfahren am Rechner bedient werden, nicht mehr. Prüfen Sie zwei Punkte konkret: das Postfachkontingent und die 2 GB persönlicher Speicher. Wer im Betriebshof Bautagebücher führt, gehört auf E3 — das sind dann aber meist fünf Personen und nicht die ganze Abteilung.

Brauchen wir E5, um Conditional Access einzusetzen?

Nein. Bedingter Zugriff ist mit der Identitätslizenz P1 möglich, die in E3, F1 und F3 enthalten ist. E5 brauchen Sie erst für risikobasierte Regeln, Identitätsschutz, Rollen auf Zeit und Zugriffsüberprüfungen. Eine verbreitete und wirtschaftliche Lösung ist deshalb: E3 in der Fläche, P2 gezielt für die Konten mit erhöhten Rechten.

Ist Purview in E3 für die Aufbewahrung ausreichend?

Für Aufbewahrungsrichtlinien und die Vergabe von Bezeichnungen durch die Beschäftigten ja. Für automatische Vergabe anhand von Inhalten, für die Datensatzverwaltung mit Dispositionsprüfung und für die erweiterte Protokollierung brauchen Sie die höhere Stufe oder das entsprechende Zusatzpaket. Der eigentliche Engpass ist in den meisten Häusern allerdings nicht die Lizenz, sondern die fehlende Entscheidung über Fristen.

Können wir Copilot nur für einzelne Ämter lizenzieren?

Ja, Copilot wird pro Konto zugewiesen. Genau so sollten Sie anfangen: ein benannter Pilotbereich, eine begleitete Phase, eine Auswertung, dann die nächste Gruppe. Vorher gehören die Berechtigungen aufgeräumt und die Beteiligung abgeschlossen. Eine flächige Zuweisung ohne beides erzeugt Kosten und ein Datenschutzproblem gleichzeitig.

Was ist der Unterschied zwischen Office 365 E3 und Microsoft 365 E3?

Office 365 E3 enthält die Cloud-Dienste und die Office-Anwendungen. Microsoft 365 E3 enthält zusätzlich den Identitäts- und Geräteverwaltungsteil sowie die Windows-Nutzungsrechte. Für eine Verwaltung, die bedingten Zugriff, Geräteverwaltung und ein Regelwerk aufbauen will, ist der Unterschied nicht kosmetisch, sondern der ganze Punkt.

Bekommen wir als Kommune eine Behörden-Cloud von Microsoft?

Die staatlichen Umgebungen von Microsoft sind Einrichtungen der Vereinigten Staaten vorbehalten. Deutsche Verwaltungen nutzen die kommerziellen Dienste, seit Februar 2025 mit der abgeschlossenen EU-Datengrenze für Kundendaten, pseudonymisierte Personendaten und Supportdaten. Souveräne Angebote wie Delos Cloud sind ein eigenständiger Weg mit eigenem Funktionsstand — der gehört geprüft, nicht angenommen.

Lohnt sich für uns schon ein Blick auf E7?

Für die meisten Häuser derzeit nicht als Beschaffungs-, sondern als Beobachtungsthema. E7 ist seit dem 1. Mai 2026 verfügbar und ergänzt E5 um Copilot, die vollständige Entra-Suite und die Verwaltung von KI-Agenten. Sinnvoll wird die Rechnung erst, wenn Copilot flächig eingeführt werden soll und Sie die Einzelbausteine ohnehin beschaffen würden.

Wie oft sollten wir die Lizenzstruktur überprüfen?

Einmal jährlich, mit einem festen Termin und einem kurzen Bericht an die Kämmerei: zugewiesene gegen beschaffte Lizenzen, Konten ohne Anmeldung in den letzten 90 Tagen, Rollenwechsel, Austritte, geplante Neueinstellungen. Das ist eine halbe Tagesleistung und die wirksamste Kostenkontrolle, die Sie in diesem Bereich haben.

Wer entscheidet das am Ende — IT, Organisationsamt oder Kämmerei?

Fachlich entscheidet niemand allein. Die IT liefert die Funktionszuordnung, das Organisationsamt die Rollenprofile, die Kämmerei die Laufzeitkosten, der Personalrat die Beteiligung und die Verwaltungsspitze die Entscheidung. Wenn Sie eine Zweitmeinung zu einem vorliegenden Lizenzvorschlag brauchen, bevor er in den Umlauf geht, ist genau das der Gegenstand unserer Microsoft-365-Beratung für Verwaltungen. Die Zusammenarbeit mit Ihrem Systemhaus oder Ihrem kommunalen Rechenzentrum bleibt davon unberührt — beide bringen Wissen mit, das eine externe Sicht nicht ersetzt, sondern ergänzt.

Fazit

Lizenzierung ist die unspektakulärste und folgenreichste Entscheidung einer Microsoft-365-Einführung. Sie wirkt wie eine Bestellzeile und ist in Wahrheit die Festlegung, welche Maßnahmen aus Ihrem Sicherheitskonzept in den nächsten Jahren überhaupt umsetzbar sind. Wer sie über Kopfzahlen löst, zahlt entweder zu viel oder kann zu wenig. Wer sie über Rollenprofile löst, bekommt eine Struktur, die man einer Beschlussvorlage beilegen und einem Personalrat erklären kann.

Die praktische Reihenfolge ist immer dieselbe: erst die Rollenprofile, dann die Zuordnung von Funktionen zu Stufen, dann die Mengen, dann der Vertragsweg — und erst ganz am Ende das Gespräch über den Preis. Behördenkonditionen sind dabei ein Werkzeug, kein Ergebnis: Sie regeln, zu welchen Bedingungen Sie kaufen, nicht was Sie brauchen. Und die Zusatzlizenzen für Telefonie, Copilot oder Power Platform gehören in eigene Vorlagen, damit sie eine eigene Begründung bekommen — und nicht als stiller Posten mitlaufen, den in zwei Jahren niemand mehr erklären kann.

Zwei Tage Erhebung, eine Tabelle mit vier Spalten, eine jährliche Rückschau. Das ist der ganze Aufwand. Verglichen mit der Alternative — einer Struktur, die niemand begründen kann, wenn das Rechnungsprüfungsamt fragt — ist das ein bemerkenswert günstiges Geschäft.

Passend weiterlesen

› Microsoft 365 in der Kommune: Was Sie wirklich entscheiden müssen (und was nicht) — der Rahmen, in dem die Lizenzfrage steht

› Conditional Access für Verwaltungen: Regelwerk für Rathaus, Bauhof und Homeoffice — was Sie mit der Identitätslizenz tatsächlich bauen

› Aufbewahrung und Aussonderung mit Purview: Fristen, Disposition, Vernichtungsnachweis — die Funktionen, für die sich die höhere Stufe rechnet

› Microsoft 365 rechtssicher beschaffen: Vergabe, Leistungsbeschreibung, Rahmenverträge — der Weg vom Bedarfsplan zum Vertrag

› Microsoft Teams in der Verwaltung einführen: Informationsarchitektur entlang der Ämter — was nach der Lizenzentscheidung kommt

 

Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/wir-nehmen-fuer-alle.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de

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