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Microsoft 365 Roadmap Update: Neue Teams-Features September 2026

von | Sep. 1, 2026 | Consulting Briefing, Teams | 0 Kommentare

Microsoft 365 Roadmap Update: Neue Teams-Features September 2026

Was Admins im September 2026 erwartet – und welche Frist keinen Aufschub duldet

MICROSOFT 365

 

Microsoft 365 Roadmap Update: Neue Teams-Features für September 2026

Verbesserte Kollaboration in Teams und Exchange Online, flexiblere Lizenzierung für den DACH-Raum – und ein Stichtag, der dir am 1. Oktober die Schnittstellen abdreht, falls du ihn verschläfst.

Executive Summary

September 2026 ist für Microsoft 365 kein Monat wie jeder andere. Microsoft schiebt in einem einzigen Quartal die größte Umgestaltung der Teams-Besprechungsoberfläche seit Jahren aus, verpasst Exchange Online größere Postfächer, schaltet Administratoren erstmals eine brauchbare Live-Sicht auf laufende Meetings frei – und legt gleichzeitig die Hand an den Schalter, mit dem Exchange Web Services zum 1. Oktober tenantweit blockiert wird. Das ist die klassische Microsoft-Mischung: rechte Hand schenkt, linke Hand nimmt weg, und die Rechnung für beides landet in deinem Ticketsystem.

Für dich als Verantwortlicher heißt das dreierlei. Erstens: Die neue Meeting-Oberfläche kommt, und zwar ohne Tenant-Schalter zum Abschalten. Du kannst sie nicht verhindern, du kannst nur bestimmen, ob deine Belegschaft vorbereitet ist oder ob sie am Montagmorgen erstaunt auf einen umsortierten Werkzeugkasten starrt. Zweitens: Zwei der Neuerungen sind echte Compliance-Werkzeuge, die du in der DACH-Region tatsächlich gebrauchen kannst – die verpflichtende Zustimmung vor dem Beitritt und die Meldefunktion für verdächtige Besprechungen. Drittens: Bei Exchange Online läuft dir eine Frist davon, deren Konsequenz nicht „eingeschränkter Komfort“ heißt, sondern „Schnittstelle tot“.

Dazu kommt eine Randnotiz mit größerer Wirkung, als der Name vermuten lässt: Die Microsoft 365 Roadmap heißt seit Ende August „AI at Work Roadmap“. Ab September publizieren dort zusätzlich Dynamics 365, Power Platform und Dataverse. Die URL bleibt, der Signal-Rausch-Abstand nicht. Wer bislang morgens kurz über die Roadmap gescrollt ist, um zu sehen, was auf ihn zukommt, braucht ab sofort Filter oder einen Drittanbieter-Tracker. Ein Produktname, der nach Marketing klingt, kostet dich real Arbeitszeit.

FAKTEN — Die harten Eckdaten auf einen Blick

Neue Meeting-Controls und überarbeitetes Share-Panel: allgemeine Verfügbarkeit weltweit von Ende September bis Ende Oktober 2026, GCC und GCC High bis Ende November, DoD bis Ende Dezember. Pflicht-Zustimmung vor dem Beitritt: Rollout September bis Dezember 2026. Neue Monitoring-Ansicht im Teams Admin Center: 30. September bis 15. Oktober 2026. Whiteboards aus Kanal-Registerkarten wandern Ende September in die SharePoint-Site des Kanals. Postfachvergrößerung auf 100 GB für Business Basic, Standard und Premium: Rollout Juni bis September 2026. EWS-Blockade in Exchange Online: ab 1. Oktober 2026.

 

Gantt-Diagramm: Rollout-Fahrplan für Teams- und Exchange-Features von September 2026 bis April 2027 mit EWS-Abschalt-Meilenst

Abbildung 1: Rollout-Fenster der wichtigsten Änderungen – und die beiden roten Stichtage, an denen nicht verhandelt wird.

Worum geht es im Detail?

Die neue Besprechungsoberfläche – der große Brocken

Microsoft hat öffentlich eingeräumt, was jeder Teams-Nutzer seit Jahren weiß: Die Bedienelemente einer Besprechung sind über die Zeit zu einer Ansammlung gewachsen, in der „Besprechung verlassen“ gefährlich nah neben „Mikrofon stummschalten“ saß. Die Neugestaltung räumt auf: Die Steuerelemente rücken in die Mitte, Mikrofon, Kamera und Teilen bilden eine sichtbare Gruppe, der Verlassen-Knopf wird abgesetzt platziert, und seltener genutzte Aktionen wandern in ein neu sortiertes Überlaufmenü. Neu ist, dass jeder Nutzer die Leiste per Ziehen und Ablegen selbst bestückt – was er häufig braucht, pinnt er sich nach vorn.

Das Teilen-Panel hat den größeren Sprung gemacht. Statt einer Kachelwand mit briefmarkengroßen Vorschauen gibt es jetzt eine Registerkartenstruktur mit echten Livevorschauen der Bildschirme und Fenster – und, das ist die eigentliche Nachricht für alle mit Datenschutzverantwortung, eine zweistufige Bestätigung vor dem Teilen. Der Klassiker, bei dem jemand statt der Präsentation versehentlich sein Postfach mit der Kündigungsliste in den Kundentermin spiegelt, wird damit deutlich unwahrscheinlicher. Nicht unmöglich, wohlgemerkt. Menschen sind erfinderisch.

Der Rollout ist bewusst gestaffelt. Über rund 20 Tage bekommen Nutzer am Ende ihrer Besprechungen ein paar Einladungen, die neue Oberfläche auszuprobieren, und können in dieser Phase auch wieder zurück. Danach werden alle automatisch umgestellt. Wichtig für die Erwartungssteuerung nach oben: Der Opt-out liegt beim einzelnen Nutzer, nicht beim Tenant. Es gibt keinen Admin-Schalter, der die Umstellung für die Organisation aufhält, und der Nutzer-Schalter ist ausdrücklich als vorübergehende Eingewöhnungshilfe deklariert, die später verschwindet. Wenn dein Vorstand fragt, ob man das „erstmal aus lassen“ kann: nein, kann man nicht.

Ring

Zeitraum

Was genau ankommt

Targeted Release

Ende Juli 2026 (Controls),
September 2026 (Teilen)

Vorabnutzer sehen zuerst die neuen Steuerelemente, das Share-Panel folgt separat

Allgemein weltweit

Ende September bis
Ende Oktober 2026

Die Hauptwelle für reguläre gewerbliche Tenants – hier liegt dein Kommunikationsfenster

GCC und GCC High

Ende September bis
Ende November 2026

Behördenclouds mit längerem Nachlauf

DoD

Ende November bis
Ende Dezember 2026

Letzte Welle, Abschluss zum Jahresende

 

WARNUNG — Eure App-Pins in der Besprechungsleiste brechen

Mit der neuen Oberfläche gilt für die Hauptleiste ein Limit von zwei angehefteten Apps. Wer heute per Teams-App-Richtlinie vier oder fünf Fachanwendungen in die Besprechung pinnt – typischerweise CRM, Ticketsystem, Whiteboard-Ersatz und die selbstgebaute Protokoll-App – muss vorher entscheiden, welche zwei überleben. Der Rest landet im Überlaufmenü. Prüfe die Richtlinien jetzt, nicht wenn der Fachbereich anruft.

 

Flussdiagramm: 5 Phasen einer Teams-Besprechung (Einladung bis Copilot-Recap) und Admin-Center-Bereiche für Meetings und Call

Abbildung 2: Vom Beitritt bis zur Auswertung – die neuen Kontrollpunkte und wer jeweils den Schalter in der Hand hält.

Zustimmung vor dem Beitritt – endlich ein Compliance-Werkzeug, das passt

Das aus DACH-Sicht interessanteste Feature ist eines, das in der internationalen Berichterstattung kaum auffällt: Administratoren können im Teams Admin Center einen eigenen Zustimmungstext hinterlegen, den jeder Teilnehmer bestätigen muss, bevor er einer Besprechung der Organisation beitritt. Nicht nur bei Aufzeichnung, nicht nur bei Transkription – grundsätzlich bei jedem Beitritt, wenn du es so konfigurierst. Die Bestätigungen landen im Audit-Log. Der Rollout läuft von September bis Dezember 2026.

Warum das relevant ist: Wer bislang Hinweise auf Aufzeichnung, KI-Nutzung oder Vertraulichkeit als Textbaustein in die Einladung geschrieben hat, hatte im Zweifel nichts in der Hand. „Stand in der Einladung“ ist gegenüber einem Betriebsrat oder einer Aufsichtsbehörde ein schwaches Argument. Eine protokollierte, individuelle Bestätigung vor dem Beitritt ist ein deutlich besseres. Genau dafür ist die Funktion gebaut: Aufzeichnungshinweise, Regeln zum verantwortungsvollen Umgang mit KI, Vertraulichkeitsvereinbarungen bei externen Teilnehmern.

TIPP — Formuliere den Text, bevor die Funktion ankommt

Ein Zustimmungstext, den jeder Teilnehmer vor jeder Besprechung sieht, ist ein juristisches und ein kulturelles Dokument zugleich. Zieh Datenschutzbeauftragten, Rechtsabteilung und Betriebsrat jetzt an einen Tisch, solange der Termindruck fehlt. Halte den Text kurz – alles über drei Zeilen wird nicht gelesen, sondern weggeklickt, und ein weggeklickter Text ist rechtlich betrachtet ein sehr teurer Mausklick.

 

Whiteboards ziehen um, und das ist gut so

Ende September ändert Microsoft den Standardspeicherort für Whiteboards, die aus einer Teams-Kanal-Registerkarte heraus entstehen. Bisher lagen sie im OneDrive desjenigen, der zuerst geklickt hat – eine Konstruktion, die regelmäßig zu Zugriffsproblemen führte, sobald Freigabeeinstellungen, Informationsbarrieren oder bedingter Zugriff ins Spiel kamen, und die spätestens beim Ausscheiden des betreffenden Kollegen zur Fundgrube für verlorene Workshop-Ergebnisse wurde. Künftig landen diese Whiteboards in der SharePoint-Site des Kanals, also dort, wo die übrigen Dateien des Teams auch liegen.

Die Änderung ist standardmäßig aktiv und erfordert keine Administratoraktion. Bestehende Sicherheits- und Compliance-Richtlinien greifen unverändert, alle Kanalmitglieder haben Zugriff nach Kanalberechtigung. Was sie nicht tut: rückwirkend aufräumen. Deine Altbestände bleiben in den OneDrive-Ablagen liegen, wo sie sind. Wer eine saubere Governance will, muss diesen Bestand selbst einsammeln.

Das Admin Center bekommt eine Live-Sicht

Vom 30. September bis Mitte Oktober rollt Microsoft im Teams Admin Center unter „Meetings und Calls“ eine gemeinsame Ansicht für laufende und abgeschlossene Besprechungen aus. Filtern, suchen, exportieren, Detaildiagnose je Anruf, auf Wunsch Auswertung mit Microsoft 365 Copilot. Abgeschlossene Besprechungen sind 30 Tage rückwirkend einsehbar. Der Haken steckt bei den laufenden Meetings: Die siehst du nur, wenn mindestens ein Teilnehmer eine Teams-Premium- oder eine Teams-Rooms-Pro-Lizenz hat. Eine Administratoraktion ist nicht nötig, die Ansicht erscheint von selbst.

WICHTIG — Der Lizenzhaken ist der eigentliche Produktentscheid

Wer den Support entlasten will, indem der First Level während eines laufenden Vorstandstermins nachsieht, warum der Ton bricht, braucht Teams Premium mindestens punktuell. Praktikabel ist eine kleine Zahl von Lizenzen für genau die Personenkreise, deren Besprechungen im Zweifel sichtbar sein müssen – Geschäftsführung, Betriebsrat, Kundenprojekte mit Vertragsstrafen. Alles andere ist auch weiterhin nur nachträglich analysierbar.

 

Exchange Online: mehr Platz, weniger Schnittstellen

Die gute Nachricht zuerst. Microsoft hebt die Postfachgröße für Microsoft 365 Business Basic, Business Standard und Business Premium von 50 auf 100 GB an, ohne Aufpreis. Technisch geschieht das über einen neuen Serviceplan namens EXCHANGE_STORAGE_50GB, der den Lizenzen beigelegt wird; Exchange Online erkennt ihn und erhöht das Kontingent. Der Rollout läuft seit Juni und soll im September abgeschlossen sein.

Und jetzt das Kleingedruckte, denn davon gibt es reichlich. Wenn ein Administrator die Postfachquote in der Vergangenheit einmal manuell gesetzt hat – etwa auf 20 GB, um die Belegschaft zum Aufräumen zu erziehen – bleibt dieser Wert stehen. Die Erhöhung greift dann schlicht nicht, und du wunderst dich über Tickets, in denen steht, der Kollege habe 100 GB gelesen und sehe 20. Mehrfachlizenzen stapeln nicht: 100 GB ist die Obergrenze, auch wenn jemand mehrere Exchange-Servicepläne im Gepäck hat. Das Archiv ändert sich nicht, das automatisch erweiterbare Archiv bleibt bei bis zu 1,5 TB, und ein Archivpostfach ist unter den Business-Plans nur in Business Premium enthalten. Das eigenständige Exchange Online Plan 1 bleibt bei 50 GB.

Plan

Postfach bisher

Postfach neu

Archiv

Microsoft 365 Business Basic

50 GB

100 GB

nur über Zusatzoption

Microsoft 365 Business Standard

50 GB

100 GB

nur über Zusatzoption

Microsoft 365 Business Premium

50 GB

100 GB

enthalten, bis 1,5 TB erweiterbar

Exchange Online Plan 1 (einzeln)

50 GB

50 GB – unverändert

nur über Zusatzoption

Manuell gesetzte Quote

z. B. 20 GB

bleibt bei 20 GB

unberührt

 

Die schlechte Nachricht steht schon im Kalender. Ab dem 1. Oktober 2026 beginnt die stufenweise Abschaltung von Exchange Web Services in Exchange Online. Jeder Tenant, bei dem der Wert EWSEnabled noch auf Null steht, wird an diesem Tag auf False gesetzt – damit ist EWS für sämtliche Anwendungen im Tenant blockiert. Wer EWS darüber hinaus braucht, muss eine AppID-AllowList pflegen und EWSEnabled explizit auf True setzen, und zwar bereits bis Ende August 2026. Am 1. April 2027 wird endgültig abgeschaltet, ohne Möglichkeit der Wiederaktivierung. Betroffen ist ausschließlich Exchange Online, lokale Exchange-Server bleiben außen vor.

WARNUNG — EWS fällt nicht laut aus, sondern leise

Betroffen sind typischerweise genau die Dinge, an die niemand denkt: Archivierungs- und Backuplösungen, Migrationswerkzeuge, Raumbuchungssysteme, CRM-Kalendersynchronisation, Faxgateways, ein PowerShell-Skript aus dem Jahr 2017, das nachts Abwesenheitsnotizen setzt und dessen Autor längst gekündigt hat. Nichts davon wirft eine Fehlermeldung, die jemand liest. Es hört einfach auf. Der Ersatz heißt Microsoft Graph, die funktionale Parität ist inzwischen nahezu vollständig. Zusätzlich wandern Frei/Gebucht, MailTips und Kalenderfreigabe zwischen Tenants von EWS auf die Cross-Tenant-Access-Policy – auch das will konfiguriert sein.

 

Entscheidungsbaum zur EWS-Abschaltung mit vier Ausgängen: Entspannt, Umbauen, Galgenfrist und Ausfall ab 01.10.2026.

Abbildung 3: Vier Fragen, die du bis Ende September beantwortet haben musst – jede Antwort führt in ein anderes Budget.

Lizenzierung: flexibler, aber nicht billiger

Die Kurzfassung mancher Newsletter, die Lizenzierung werde „flexibler für DACH-Unternehmen“, verdient eine Einordnung. Flexibler ist tatsächlich einiges: Copilot Chat steckt inzwischen fest in den kommerziellen Business- und Enterprise-Paketen von Basic bis E5 und F1/F3, Microsoft 365 E3 hat Defender for Office 365 Plan 1 sowie Intune Remote Help, Advanced Analytics und Plan 2 dazubekommen, E5 zusätzlich Security Copilot, Endpoint Privilege Management, Cloud PKI und Enterprise Application Management. Und die Business-Postfächer verdoppeln sich, wie oben beschrieben. Das ist echter Gegenwert.

Billiger ist es deshalb nicht. Zum 1. Juli 2026 sind die Preise für die meisten Pläne gestiegen, mit Ausschlägen bis in den zweistelligen Prozentbereich, besonders schmerzhaft bei den günstigen und den Frontline-Plans. Für bestehende Verträge greifen die neuen Preise erst zum nächsten Verlängerungstermin – was bedeutet, dass ein Teil der DACH-Kundschaft die Erhöhung erst in den kommenden Monaten überhaupt bemerkt.

Plan

Preis vorher

Preis ab 01.07.2026

Einordnung

Office 365 E1

10,00 €

10,00 €

unverändert

Microsoft 365 E3

36,00 €

39,00 €

rund 8 Prozent mehr, dafür mehr Inhalt

Microsoft 365 E5

57,00 €

60,00 €

rund 5 Prozent mehr

Business Premium

unverändert

unverändert

gewinnt 100-GB-Postfach hinzu

Microsoft 365 Copilot

unverändert

unverändert

Add-on bleibt beim bisherigen Preis

 

WICHTIG — Flex Routing bleibt der wunde Punkt im DACH-Raum

Seit dem 17. April 2026 ist Copilot Flex Routing für berechtigte Tenants in EU und EFTA standardmäßig aktiv. Das heißt: Die Sprachmodell-Verarbeitung kann bei hoher Last die EU-Datengrenze verlassen, unter anderem in Richtung USA, Kanada und Australien, während die ruhenden Daten in der EU bleiben. Wer eine vertragliche oder aufsichtsrechtliche Zusage zur reinen EU-Verarbeitung gegeben hat, muss die Einstellung aktiv deaktivieren. Das passiert nicht von allein, und „das war voreingestellt“ ist kein Argument, das vor einer Aufsichtsbehörde trägt.

 

Was sind Chancen? Was sind Risiken?

Die größte Chance liegt nicht in einem einzelnen Feature, sondern in der Gleichzeitigkeit. Wenn ohnehin alle Nutzer eine neue Besprechungsoberfläche lernen müssen, ist das der beste Zeitpunkt seit Jahren, um Besprechungskultur zu adressieren, die du sonst nie auf die Tagesordnung bekommst. Aufzeichnungsregeln, Umgang mit Copilot in Meetings, Standards fürs Teilen von Bildschirmen – all das lässt sich elegant als „ist neu, gucken wir uns gemeinsam an“ verkaufen statt als „ihr macht das falsch“. Kombiniert mit dem Zustimmungstext vor dem Beitritt bekommst du eine durchsetzbare Regel statt eines gutgemeinten Hinweises.

Die zweite Chance ist operativ. Die neue Monitoring-Ansicht im Admin Center verkürzt die Zeit zwischen „das Meeting ruckelt“ und „wir wissen, warum“ erheblich. Wer heute Support-Tickets mit „bitte schildern Sie das Problem genauer“ beantwortet, bekommt endlich Daten. Und die 100-GB-Postfächer nehmen einen Dauerkonflikt aus dem Betrieb, der in kleineren Organisationen erstaunlich viel Zeit frisst.

Die Risiken sind ebenso konkret. Das größte ist nicht die Oberfläche, sondern die EWS-Abschaltung, weil sie still ausfällt und typischerweise Systeme trifft, deren Zuständigkeit unklar ist. Das zweitgrößte ist eine Support-Welle: Eine veränderte Werkzeugleiste erzeugt keine dramatischen Störungen, aber sehr viele kleine Anrufe, und die kommen alle in derselben Woche. Das dritte ist der Zustimmungstext, der schlecht formuliert mehr Fragen aufwirft als er klärt. Und viertens drückt die Preisrunde vom Juli bei jeder Vertragsverlängerung auf ein Budget, das für das laufende Jahr längst festgezurrt ist.

Thema

Chance

Risiko

Bewertung

Neue Meeting-Controls

Anlass für echte Schulung, weniger Fehlklicks beim Teilen

Support-Spitze, gebrochene App-Pins, kein Tenant-Opt-out

mittel, planbar

Pflicht-Zustimmung

Nachweisbare Einwilligung statt Hinweistext in der Einladung

Schlechter Text erzeugt Reibung mit Betriebsrat und Externen

hoher Nutzen

Admin-Center-Monitoring

Schnellere Fehlersuche, Auswertung mit Copilot

Live-Sicht nur mit Teams Premium oder Rooms Pro

gut, aber lizenzpflichtig

Whiteboard-Umzug

Ergebnisse bleiben beim Team statt beim Ex-Kollegen

Altbestand wandert nicht mit

niedriges Risiko

100-GB-Postfächer

Weniger Quota-Tickets, kein Aufpreis

Manuell gesetzte Quoten blockieren die Erhöhung

reiner Gewinn

EWS-Abschaltung

Erzwungene Modernisierung Richtung Graph

Stiller Ausfall von Backup, Archiv, Raumbuchung, Altskripten

hoch, dringend

 

Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?

Fang mit dem an, was weh tut, wenn du es vergisst. Das ist eindeutig EWS. Nimm dir eine Stunde, zieh die Nutzungsberichte im Microsoft 365 Admin Center und die von Microsoft veröffentlichten Skripte heran und erstelle eine Liste der Anwendungen, die noch über EWS auf Exchange Online zugreifen. Diese Liste ist erfahrungsgemäß länger als erwartet und enthält mindestens ein System, von dem niemand wusste, dass es noch läuft. Danach entscheidest du je Eintrag: umstellen auf Graph, auf die AllowList setzen, oder abschalten.

Parallel dazu die weiche Seite. Schreib eine kurze, bebilderte Ankündigung für die neue Besprechungsoberfläche – zwei Screenshots, drei Sätze, ein Hinweis darauf, dass die Umstellung nach etwa 20 Tagen automatisch erfolgt. Brief deinen First Level Support in derselben Woche, damit dort niemand überrascht wird. Und prüfe deine Teams-App-Richtlinien auf die neue Grenze von zwei angehefteten Apps.

Der dritte Block ist der, den man gern liegen lässt, weil mehrere Abteilungen beteiligt sind: der Zustimmungstext. Setz einen Termin mit Datenschutz, Recht und Arbeitnehmervertretung an, bevor die Funktion im Tenant auftaucht. Wenn du erst danach anfängst, konfiguriert irgendwann jemand aus Ungeduld einen Platzhaltertext, und der bleibt dann drei Jahre stehen. Nimm bei der Gelegenheit gleich die Einstellung zu Copilot Flex Routing mit auf die Tagesordnung.

Aufgabe

Wer treibt

Bis wann

EWS-Abhängigkeiten inventarisieren und je Eintrag entscheiden

Messaging-Betrieb, Anwendungsverantwortliche

sofort

AppID-AllowList pflegen und EWSEnabled auf True setzen, falls nötig

Exchange-Administration

war Ende August – nachholen

Migration verbliebener Schnittstellen auf Microsoft Graph

Anwendungsentwicklung, Dienstleister

bis 31.03.2027, realistisch früher

Teams-App-Richtlinien auf zwei Pins in der Hauptleiste anpassen

Teams-Administration

vor der GA-Welle im Oktober

Ankündigung und Kurzanleitung neue Besprechungsoberfläche

interne Kommunikation, Adoption

September 2026

First-Level-Support briefen, Wissensdatenbank aktualisieren

Service Desk

September 2026

Zustimmungstext abstimmen und freigeben

Datenschutz, Recht, Arbeitnehmervertretung

vor dem Rollout im Tenant

Bedarf an Teams Premium für Live-Monitoring bewerten

IT-Leitung, Lizenzmanagement

Q4 2026

Manuell gesetzte Postfachquoten prüfen und ggf. anheben

Exchange-Administration

September 2026

Copilot Flex Routing bewerten und dokumentieren

Datenschutz, Cloud-Governance

sofort

 

Und noch eine organisatorische Kleinigkeit mit großer Halbwertszeit: Wenn in deinem Team jemand die Microsoft-365-Roadmap regelmäßig durchsieht, gib dieser Person Zeit, sich auf die neue Struktur unter dem Namen „AI at Work“ einzustellen und passende Filter oder einen Drittanbieter-Tracker einzurichten. Sonst geht die nächste Ankündigung dieser Größenordnung zwischen Dataverse-Einträgen unter, und dann sprechen wir im Frühjahr wieder über eine Frist, die niemand gesehen hat.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich die neue Teams-Besprechungsoberfläche für meine Organisation abschalten?

Nein. Die neue Oberfläche ist auf Tenant-Ebene standardmäßig aktiv und bietet keinen Schalter zum Deaktivieren. Einzelne Nutzer können in den Teams-Einstellungen vorübergehend zur bisherigen Ansicht zurückkehren, aber Microsoft hat angekündigt, diesen Opt-out in einer späteren Version wieder zu entfernen.

Was passiert am 1. Oktober 2026 mit Anwendungen, die noch Exchange Web Services nutzen?

Bei jedem Tenant, in dem EWSEnabled noch nicht gesetzt ist, wird der Wert auf False geändert, und EWS ist damit für alle Anwendungen blockiert. Wer EWS übergangsweise weiter braucht, muss eine AppID-AllowList konfigurieren und EWSEnabled ausdrücklich auf True setzen; endgültig abgeschaltet wird ab dem 1. April 2027. On-Premises-Exchange ist von der Maßnahme nicht betroffen.

Bekommen alle Postfächer automatisch 100 GB?

Nur Nutzer mit Microsoft 365 Business Basic, Business Standard oder Business Premium, und auch dort nur, wenn die Quote nicht zuvor manuell geändert wurde – ein administrativ gesetzter Wert bleibt bestehen. Mehrere Lizenzen addieren sich nicht über 100 GB hinaus, und das eigenständige Exchange Online Plan 1 bleibt bei 50 GB.

Brauche ich Teams Premium, um Besprechungen im Admin Center zu überwachen?

Für die Sicht auf laufende Besprechungen ja: Mindestens ein Teilnehmer der Besprechung muss Teams Premium oder Teams Rooms Pro lizenziert haben. Abgeschlossene Besprechungen der letzten 30 Tage lassen sich auch ohne diese Lizenzen einsehen und auswerten.

Was ändert sich dadurch, dass die Roadmap jetzt „AI at Work“ heißt?

Inhaltlich zunächst nichts: Zugang und Adresse bleiben gleich. Ab September 2026 veröffentlichen dort zusätzlich Dynamics 365, Power Platform und Dataverse ihre Einträge, sodass die Liste deutlich länger wird und du ohne Filter oder einen externen Tracker leichter etwas übersiehst.

Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/september-2026-wird.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de