Power Pages: Neue Lizenzmodelle für externe Nutzer

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Stand: 18. September 2026 · Lesezeit: etwa 15 Minuten

Power Pages: Neue Lizenzmodelle für externe Nutzer

Capacity Packs, Mengenstufen und Zähllogik – was externe Portale jetzt wirklich kosten

Power Platform

Consulting Briefing · boddenberg.de · 19.09.2026

 

Power Pages bietet neue Lizenzmodelle für externe Nutzer

Du skalierst externe Portale kosteneffizient – aber nur, wenn du die Zähllogik und die Mengenstufen kennst. Was das für B2B, B2C und deine nächste Budgetrunde bedeutet.

Executive Summary

Power Pages rechnet externe Portale nicht mehr nach Logins und Seitenaufrufen ab, sondern nach eindeutigen Nutzern pro Website und Kalendermonat – getrennt nach authentifiziert und anonym. Das klingt nach Buchhaltung, ist aber der eigentliche Hebel. Im alten Modell zählte jeder Login innerhalb von 24 Stunden. Heute zählt ein Mensch pro Monat genau einmal. Für ein Portal, das ein Sachbearbeiter täglich benutzt, ist das eine Preissenkung um den Faktor 30.

Gekauft wird in Capacity Packs: 100 authentifizierte Nutzer für 200 Dollar im Monat, 500 anonyme Nutzer für 75 Dollar. Darüber liegen zwei Mengenstufen, die den Preis pro Nutzer auf ein Viertel drücken – mit Mindestabnahmen, die man kennen muss, weil genau dort das Geld liegt. Alternativ gibt es die Pay-as-you-go-Meter mit 4 Dollar je authentifiziertem und 30 Cent je anonymem Nutzer, abgerechnet über eine Azure-Subscription. Content Delivery Network, Web Application Firewall und Managed Environments sind in allen Varianten ohne Zusatzlizenz dabei.

Die Konsequenz für deine Projektplanung: Die Lizenz folgt jetzt dem Nutzungsverhalten, nicht dem Klickverhalten. Wer seine monatlich aktiven Nutzer kennt, kalkuliert B2B- und B2C-Portale auf drei Stellen genau. Wer sie nicht kennt, kauft nach der ersten Drosselung reaktiv zum Listenpreis nach und erklärt dem Einkauf anschließend, warum das Portal teurer geworden ist als das CRM dahinter. Dieses Gespräch führt man genau einmal.

Worum geht es im Detail?

Power Pages kennt genau zwei Sorten Besucher, und beide kosten unterschiedlich viel. Authentifiziert ist, wer sich über einen Auth-Provider anmeldet – Entra ID, Entra External ID für B2C, Google, LinkedIn, Microsoft-Konto oder ein eigener OpenID-Connect-Provider, alles ohne Aufpreis im Produkt enthalten. Anonym ist, wer nur schaut. Beide Gruppen werden pro Website und pro Kalendermonat gezählt, beide werden separat lizenziert, und beide Kapazitäten werden einer Umgebung zugewiesen, nicht einzelnen Personen.

Der Grund für diesen Umbau ist strategisch: Microsoft wollte interne und externe Nutzer unter ein Modell bringen. Vorher brauchte jeder Mitarbeiter, der ein Portal benutzte, eine Power Apps Lizenz, während externe Nutzer über Login-Kontingente liefen. Heute gilt für beide derselbe Zähler. Damit werden Szenarien bezahlbar, die vorher an der Lizenz gescheitert sind – das Antragsportal, in dem die Belegschaft zweimal pro Jahr etwas einträgt, kostet nun genau zwei aktive Monate und nicht zwölf Jahreslizenzen.

Die Mengenstufen – und der Sprung, der Geld zurückgibt

Jetzt der Teil, an dem in Lizenzworkshops die Stimmung kippt. Die Packs sind in drei Stufen gepreist, und jede Stufe hat eine Mindestabnahme. Ab Erreichen dieser Mindestmenge kann man einzeln nachkaufen. Alle Preise sind Listenpreise in US-Dollar pro Monat, fakturiert wird jährlich.

Stufe

Mindestabnahme

Abgedeckte Nutzer

Preis je Pack

Effektiv je Nutzer

Tier 1

1 Pack

ab 100

200 $

2,00 $

Tier 2

100 Packs

ab 10.000

75 $

0,75 $

Tier 3

1.000 Packs

ab 100.000

50 $

0,50 $

Authentifizierte Nutzer: ein Capacity Pack entspricht 100 eindeutigen Nutzern pro Website und Monat.

Stufe

Mindestabnahme

Abgedeckte Nutzer

Preis je Pack

Effektiv je Nutzer

Tier 1

1 Pack

ab 500

75,00 $

0,150 $

Tier 2

20 Packs

ab 10.000

37,50 $

0,075 $

Tier 3

200 Packs

ab 100.000

25,00 $

0,050 $

Anonyme Nutzer: ein Capacity Pack entspricht 500 eindeutigen Nutzern pro Website und Monat.

Diese Mindestabnahmen erzeugen eine Kante, die im Angebot nicht auffällt. Ein Kunde hatte 3.900 authentifizierte Nutzer im Monat, also 39 Packs zu 200 Dollar: 7.800 Dollar. Das Tier-2-Minimum kostet 7.500 Dollar und deckt 10.000 Nutzer. Für 300 Dollar weniger gibt es das Zweieinhalbfache an Kapazität. Bezahlt wurde trotzdem zwei Jahre lang Tier 1, weil im Angebot eben stand, was bestellt worden war. Lizenzberatung ist manchmal einfach Grundschulmathematik mit Rückenwind.

Kostenvergleich Power Pages: Liniendiagramm mit Tier 1, Tier-2-Minimum (7.500 $) und Pay-as-you-go nach Nutzerzahl

Abbildung 1: Ab 3.800 authentifizierten Nutzern ist das komplette Tier-2-Minimum billiger als die passend gekaufte Tier-1-Menge. Bei anonymen Nutzern liegt dieselbe Kante bei 5.500 Nutzern.

FAKTEN · Was in jedem Pack ohne Aufpreis mitkommt

Content Delivery Network und Web Application Firewall sind Teil der Power Pages Lizenzierung und erfordern keine zusätzliche Bestellung. Managed Environments sind mit den Capacity Packs und den Pay-as-you-go-Metern abgedeckt. Je authentifiziertem Pack kommen 2 GB Dataverse-Datenbank, 16 GB Dateispeicher und 1 GB Log-Kapazität hinzu, je anonymem Pack 500 MB, 4 GB und 250 MB. Ein Basisangebot ist nicht nötig: Power Pages ist standalone bestellbar, und eine neue Website verbraucht anders als früher keine Dataverse-Kapazität nur fürs Anlegen.

 

Wer gezählt wird – und wer durchs Raster fällt

Die Eindeutigkeit wird bei authentifizierten Nutzern über die ID des Contact-Datensatzes in Dataverse bestimmt. Wer sich zwanzigmal im Monat anmeldet, ist ein Nutzer. Wer zwei Contact-Datensätze hat, weil die Migration sauber gearbeitet hat und Herr Müller einmal mit und einmal ohne Umlaut in der Mailadresse eingeliefert wurde, ist zwei Nutzer und kostet doppelt. Bei anonymen Nutzern hängt die Eindeutigkeit an einem Cookie im Browser – anderes Gerät, anderer Browser oder gelöschte Cookies erzeugen jeweils einen neuen Zähler.

Flussdiagramm zur Power-Pages-Zähllogik: Wann wird ein Seitenaufruf als anonymer oder authentifizierter MAU gezählt?

Abbildung 2: Die Zähllogik von oben nach unten. Was oben herausfällt, kostet nichts – und genau das lässt sich gestalten.

Erfreulich viel fällt aus der Abrechnung heraus. Bots und Crawler zählen nicht. Statische Ressourcen wie CSS, JavaScript und Bilder zählen nicht. Anmelde-, Registrierungs- und Callback-Seiten zählen nicht, Systemseiten unter /_ ebenfalls nicht, genauso wenig Antworten mit den Statuscodes 3xx, 4xx und 5xx. Ein Portal, das nur hinter dem Login lebt und dessen einzige öffentliche Seite die Anmeldemaske ist, braucht also überhaupt keine anonyme Kapazität. Und wer erst anonym stöbert und sich am selben UTC-Tag anmeldet, zählt nur einmal, nämlich als authentifizierter Nutzer. Doppelt zahlst du dafür nicht.

Zwei Fallen bleiben. Erstens: Der Zähler hängt an der Website, nicht am Tenant. Wer drei Portale in einer Umgebung betreibt und dieselben 500 Partner auf alle drei lässt, kauft Kapazität für 1.500 Nutzer. Zweitens: Sitzt die Startseite ohne Seitenberechtigung im Netz und wird nur per JavaScript auf den Login umgeleitet, ist sie öffentlich – und jeder Besucher ein anonymer Nutzer. Umleitungen im Browser sind eine Höflichkeit, keine Zugriffskontrolle.

TIPP · Drei Handgriffe, die sofort Geld sparen

Richte die Verfügbarkeitsprüfung deines Monitorings auf /_services/about und lass sie mit einem Nicht-Browser-User-Agent laufen, sonst pingt sich dein Pingdom jeden Monat als anonymer Nutzer in die Rechnung. Halte Entwicklungs- und Testsites im Trial- oder Private-Mode, denn beides wird nicht gezählt. Und setze auf der Startseite echte Seitenberechtigungen für angemeldete Rollen, statt im Client umzuleiten.

 

Was andere Lizenzen schon mitbringen

Bevor du Kapazität kaufst, prüfe, wer schon bezahlt ist. Nutzer mit Power Apps Premium oder einer Dynamics 365 Enterprise-Lizenz werden nicht in die Power Pages Kapazität gezählt – vorausgesetzt, die Lizenz liegt im selben Tenant und die Anmeldung läuft über den mitgelieferten Entra-Provider. Kommt der Nutzer über einen eigenen OpenID-Connect-Provider herein, erkennt die Plattform die Lizenz nicht und zählt ihn mit.

Lizenz

Nutzungsrecht für Power Pages

Power Apps Premium

Unbegrenzt viele Websites, der Nutzer zählt nicht in die Kapazität

Dynamics 365 Enterprise und Premium Apps

Unbegrenzt viele Websites, aber nur in derselben Umgebung wie die lizenzierte Anwendung

Power Apps per App

Eine Website – seit Januar 2026 End of Sale, also kein Neugeschäft mehr

Dynamics 365 Team Members, Professional, Operations Activity

Keines

Microsoft 365 und Office 365

Keines, auch nicht in der E5-Variante

Nutzungsrechte aus bestehenden Lizenzen. Restricted Tables in Dynamics 365 bleiben trotzdem lizenzpflichtig.

Der Wegfall von Power Apps per App im Januar 2026 ist die unterbewertete Nachricht dieses Jahres. Für 5 Dollar pro Nutzer und Monat war das jahrelang der günstige Umweg für interne Portale. Diese Tür ist zu. Wer heute ein internes Self-Service-Portal rechnet, vergleicht Power Apps Premium gegen Power Pages Kapazität – und bei seltener Nutzung gewinnt die Kapazität praktisch immer.

WICHTIG · Wer überhaupt als externer Nutzer gilt

Microsoft definiert externe Nutzer nicht über das Bauchgefühl, sondern über den Vertrag: keine Angestellten des Kunden oder seiner verbundenen Unternehmen, keine Auftragnehmer, die im Schnitt mehr als 30 Stunden pro Woche für das Unternehmen arbeiten, und keine Auftragnehmer, die typischerweise jeden Arbeitstag vor Ort sind. Der Werkstudent im dritten Stock ist also kein externer Nutzer. Dazu gelten die Multiplexing-Regeln: Wer über eine Middleware, einen Integrationsdienst oder ein hübsches Frontend indirekt auf Dataverse zugreift, ist genauso lizenzpflichtig wie beim direkten Zugriff. Zwischenschichten sparen Architekturschmerzen, keine Lizenzen.

 

Capacity Packs oder Pay-as-you-go?

Die Meter sind die zweite Beschaffungsart: kein Forecast, keine Mindestmenge, Abrechnung nachgelagert über die Azure-Subscription. Der Aufpreis dafür ist erheblich – 4 Dollar gegen 2 Dollar bei authentifizierten, 30 gegen 15 Cent bei anonymen Nutzern. Gerechnet wird trotzdem oft zugunsten der Meter, weil du beim Pack immer den ganzen Block bezahlst. Ein Pack für 200 Dollar lohnt erst ab 50 tatsächlich aktiven Nutzern, ein anonymes Pack erst ab 250. Darunter ist das Meter günstiger.

Kriterium

Capacity Packs

Pay-as-you-go-Meter

Abrechnung

Monatliche Kapazität, jährlich fakturiert

Nachgelagert über die Azure-Subscription

Authentifizierter Nutzer

2,00 bis 0,50 $ je Nutzer

4,00 $ je Nutzer

Anonymer Nutzer

0,150 bis 0,050 $ je Nutzer

0,30 $ je Nutzer

Lohnt sich ab

50 authentifizierten bzw. 250 anonymen Nutzern je Website

Darunter, sowie bei Saison- und Kampagnenportalen

Dataverse

2 GB Datenbank und 16 GB Dateien je authentifiziertem Pack

1 GB Datenbank und 1 GB Dateien je Umgebung, danach 48 $ je GB

Mischbetrieb

Kapazität wird der Umgebung zugewiesen

Zugewiesene Packs werden in dieser Umgebung ignoriert

Reifegrad

Allgemein verfügbar

Wird weiterhin als Preview geführt

Beschaffungsvarianten im Vergleich. Beide Wege lassen sich pro Umgebung frei wählen – aber nicht mischen.

WARNUNG · Das Meter frisst deine bezahlte Kapazität

Sobald eine Umgebung auf Pay-as-you-go umgestellt ist, wird jede dort zugewiesene Power Pages Kapazität ignoriert und nicht verbraucht. Du zahlst dann doppelt: das Abo und das Meter. Die Kapazität lässt sich anschließend auf eine andere Umgebung umbuchen, aber niemand merkt das von allein. Zweiter Punkt: Die Power Pages Meter werden in der Dokumentation nach wie vor als Preview geführt, obwohl sie längst abgerechnet werden. Preview heißt im Zweifel: Preise und Bedingungen können sich ändern. Für ein Portal mit fünf Jahren Laufzeit ist das eine Annahme, die du im Risikoregister dokumentieren solltest, nicht im Bauch.

 

Der lange Weg hierher

Wenn dir im Bestand noch Portal-Add-ons, Login-Kontingente oder Page-View-Pakete begegnen: Die sind nicht mehr bestellbar, laufen aber teilweise noch. Das Admin Center hat für genau diesen Fall eine Migrationsansicht, die den Altverbrauch in authentifizierte und anonyme Kapazität umrechnet. Wer noch auf Logins sitzt, sollte das vor der nächsten Verlängerung durchrechnen – der Wechsel ist in den meisten Fällen eine Ersparnis und kein Risiko.

Eine leise, aber praktische Änderung kam im November 2025: Die Dataverse-Standardkapazität pro Tenant wurde deutlich erhöht, für Power Pages auf 15 GB Datenbank und 2 GB Log. Das nimmt kleinen Portalprojekten den Speicher-Nachkauf am Anfang ab. Im Pay-as-you-go-Umfeld gilt das nicht: Dort bekommt jede Umgebung einmalig 1 GB Datenbank und 1 GB Dateien, danach kostet das Gigabyte Datenbank 48 Dollar im Monat. Zu dem Preis könnte man Daten auch in Gold gießen.

Zeitstrahl mit vier Power-Pages-Lizenzgenerationen von vor 2022 bis September 2026 mit wichtigen Änderungsdaten

Abbildung 3: Vier Lizenzgenerationen in sechs Jahren. Die Preise selbst sind seit der Umstellung stabil – geändert haben sich die Wege drumherum.

Was sind Chancen? Was sind Risiken?

Die größte Chance liegt nicht bei den externen, sondern bei den internen Szenarien. Alles, was selten genutzt wird, war unter Nutzerlizenzen absurd teuer: die Reisekostenfreigabe, das Formular für die Arbeitsmittelbestellung, die Jubiläumsmeldung. Ein Nutzer, der zweimal im Jahr kommt, verbraucht zwei Monate mal einen MAU. Bei Tier-1-Preisen sind das vier Dollar Lebenszeitkosten. Genau diese Schublade mit den 40 Excel-Formularen, die in jedem Unternehmen existiert, wird damit erstmals wirtschaftlich digitalisierbar.

Die zweite Chance ist B2C-Skalierung. In Tier 3 kostet ein anonymer Besucher fünf Cent im Monat, inklusive CDN und Web Application Firewall. Ein öffentliches Antrags- oder Förderportal mit 100.000 Besuchern pro Monat liegt damit bei 5.000 Dollar – für eine Plattform, auf der du ohne eigenen Betrieb, ohne Patchtag und ohne Pen-Test-Marathon veröffentlichst. Wer das gegen eine selbst gebaute Portallösung rechnet, kommt meist nicht mehr zurück.

Das größte Risiko ist die Prognose. Anonyme Spitzen bewegen die Rechnung schnell, und die Zählung über Cookies arbeitet systematisch gegen dich: Wer morgens am Desktop und abends am Handy schaut, ist zwei Nutzer. Wer den Cookie-Banner ablehnt und die Cookies löscht, ist beim nächsten Besuch noch einer. Eine Pressemeldung, eine Kampagne oder ein gut laufender Post können die anonymen MAU eines Monats verdoppeln. Bei den authentifizierten Nutzern ist es die Datenqualität: Contact-Dubletten sind gekaufte Kapazität, die niemand nutzt.

Dazu kommen drei strukturelle Punkte. Nicht verbrauchte Kapazität wird nicht in den nächsten Monat übertragen – Power Pages Lizenzen sind kein Guthabenkonto. Die Verbrauchsdaten im Admin Center haben bis zu 24 Stunden Verzug, was in einer Kampagnenwoche genau die eine Nacht ist, in der du sie bräuchtest. Und wer über die zugewiesene Kapazität hinausläuft, bekommt es als Overage angezeigt und muss nachkaufen – erfahrungsgemäß zum Listenpreis, weil in dem Moment niemand Zeit für eine Verhandlung hat.

WARNUNG · Reaktiver Nachkauf ist die teuerste Variante

In Lizenzprüfungen ist der immer gleiche Ablauf zu sehen: Portal geht live, Verbrauch wird nicht beobachtet, die Kapazität reißt, und dann wird unter Zeitdruck zum Listenpreis nachbestellt. Power Pages gehört in dieselbe Verhandlung wie der Rest des Microsoft-Vertrags – und zwar bevor das Portal produktiv ist. Danach verhandelst du nicht mehr, dann kaufst du nur noch ein.

 

Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?

Die gute Nachricht: Alles, was du brauchst, ist messbar, und die Werkzeuge sind da. Das Power Platform Admin Center liefert unter Billing und Licenses für Power Pages eine Lizenzübersicht mit Umschalter zwischen authentifizierten und anonymen MAU, Tagesdaten für den laufenden Monat und die beiden Vormonate sowie Monatsdaten für zwölf Monate – auf Tenant-, Umgebungs- und Website-Ebene. Damit lässt sich eine Baseline bauen, die im Einkauf Bestand hat.

Schritt

Was konkret zu tun ist

Wann

Baseline messen

Authentifizierte und anonyme MAU je Website über drei Monate aus dem Admin Center ziehen, Spitzen und Saisonalität markieren

Sofort

Contact-Dubletten jagen

Deduplizierung in der Contact-Tabelle, Alternate Keys und Pflichtregeln für die Selbstregistrierung

Vor dem Go-live

Anonyme Fläche begrenzen

Seitenberechtigungen statt Client-Redirect, öffentliche Seiten bewusst auswählen, Monitoring auf /_services/about

Vor dem Go-live

Stufenschwelle hinterlegen

3.800 authentifizierte und 5.500 anonyme Nutzer als Trigger für den Stufenwechsel im Beschaffungsprozess dokumentieren

Budgetplanung

Zuweisung planen

Mindestens 25 authentifizierte und 200 anonyme Einheiten je Umgebung, Dev und Test im Trial- oder Private-Mode halten

Vor der Bestellung

Legacy ablösen

Migrationsansicht im Admin Center nutzen, Portal-Add-ons sowie Login- und Page-View-Kontingente umrechnen

Vor der Verlängerung

Governance setzen

Jede neue Website ist ein neuer Zähler: Freigabeprozess für das Provisionieren von Sites, monatlicher Blick auf die Verbrauchsgrafik

Dauerhaft

Vorbereitungsplan. Die Mindestzuweisung je Umgebung ist der Punkt, der in Multi-Environment-Landschaften am häufigsten übersehen wird.

Ein Wort zur Umgebungsplanung, weil sie unterschätzt wird: Kapazität wird nicht dem Tenant, sondern der Umgebung zugewiesen, mit einem Minimum von 25 authentifizierten und 200 anonymen Einheiten pro Umgebung. Wer Portale sauber nach Mandant, Land oder Geschäftsbereich trennt, bindet also in jeder Umgebung eine Grundmenge. Drei Umgebungen mit je 25 zugewiesenen authentifizierten Einheiten verbrauchen ein komplettes Pack, auch wenn real nur 30 Leute unterwegs sind. Das ist kein Argument gegen Trennung, aber eines für eine Umgebungsstrategie, die vor der Bestellung feststeht.

TIPP · Der Einstieg, den ich jedem Projekt empfehle

Starte neue Portale in der ersten Wachstumsphase auf dem Pay-as-you-go-Meter in einer eigenen Umgebung. Du zahlst nur echte Nutzer, siehst drei Monate lang die tatsächlichen Zahlen im Azure-Kostenmanagement und wechselst dann mit belastbaren Werten in die passende Stufe. Das kostet in der Startphase ein paar Dollar Aufpreis und spart dir die falsch geratene Jahresbestellung – und die ist selten billig.

 

Häufig gestellte Fragen

Wie werden authentifizierte Nutzer in Power Pages gezählt?

Gezählt werden eindeutige Nutzer, die sich in einem Kalendermonat an einer Website anmelden; die Eindeutigkeit ergibt sich aus der ID des zugeordneten Contact-Datensatzes in Dataverse. Mehrfache Anmeldungen desselben Nutzers im selben Monat zählen als ein Nutzer, Zugriffe derselben Person auf mehrere Websites zählen dagegen je Website.

Zahle ich doppelt, wenn ein Besucher erst anonym surft und sich dann anmeldet?

Nein. Wer innerhalb desselben UTC-Tages anonym unterwegs war und sich anschließend anmeldet, wird ausschließlich als authentifizierter Nutzer gezählt. Reine Anmelde- und Registrierungsseiten lösen ebenfalls keine anonyme Zählung aus.

Brauchen interne Mitarbeiter mit Microsoft 365 eine eigene Power Pages Lizenz?

Ja. Microsoft 365 und Office 365 enthalten keine Power Pages Nutzungsrechte – auch nicht in E5. Intern angemeldete Nutzer werden entweder über Power Apps Premium, eine Dynamics 365 Enterprise-Lizenz oder über die authentifizierte Power Pages Kapazität abgedeckt. Power Apps per App, früher der günstige Mittelweg, ist seit Januar 2026 nicht mehr bestellbar.

Was passiert, wenn mehr Nutzer kommen als Kapazität gekauft wurde?

Die Überschreitung wird im Power Platform Admin Center als Overage ausgewiesen, und die Umgebung läuft in Nutzungsbegrenzungen bis hin zur Drosselung. Aufgelöst wird das nur durch Nachkauf oder durch Umbuchen freier Kapazität aus einer anderen Umgebung – rechne mit bis zu 24 Stunden Verzug in den Verbrauchsdaten, bevor du überhaupt etwas siehst.

Lohnt sich Pay-as-you-go statt Capacity Packs?

Unterhalb von etwa 50 authentifizierten oder 250 anonymen aktiven Nutzern pro Website und Monat ist das Meter günstiger, weil du beim Pack immer den ganzen Block bezahlst. Darüber gewinnen die Packs deutlich – und beide Modelle lassen sich innerhalb einer Umgebung nicht kombinieren, denn zugewiesene Kapazität wird in einer Pay-as-you-go-Umgebung ignoriert.

Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/power-pages.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de

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