Purview Datenschutz-Updates für KRITIS

von | Juli 24, 2026 | Compliance, Consulting Briefing | 0 Kommentare

Purview Datenschutz-Updates für KRITIS

DSPM, BSI-Gesetz und Zero Trust – was KRITIS-Betreiber 2026 in Purview neu konfigurieren müssen

Consulting Briefing

25.07.2026 · boddenberg.de

SECURITY & COMPLIANCE

 

Purview: Datenschutz-Updates für KRITIS

Neue Werkzeuge für Datenschutz und Compliance, Zero Trust weiter ausgebaut — und ein Gesetz, das keine Übergangsfrist kennt. Zeit, deine Purview-Konfiguration anzusehen.

Executive Summary

Microsoft hat Purview im ersten Halbjahr 2026 in wesentlichen Teilen neu gebaut — ausgerechnet in dem Zeitfenster, in dem du mit BSI-Registrierung, Nachweisstichtag und der Frage beschäftigt warst, wer im Vorstand eigentlich für Cybersicherheit unterschreibt. Seit Mai 2026 ist die neue Data Security Posture Management, kurz DSPM, allgemein verfügbar. Deine bisherige Konfiguration heißt jetzt „classic“ und lebt in einem gut gepflegten Altersheim weiter, in das Microsoft ausdrücklich keine neuen Funktionen mehr einbaut. Das ist kein Update, das ist ein Umzug.

Parallel dazu gilt das novellierte BSI-Gesetz seit dem 6. Dezember 2025 — ohne Übergangsfrist, ohne Aufwärmphase, ohne Kulanz. Der Kreis der betroffenen Einrichtungen ist von rund 4.500 auf rund 29.500 gewachsen, und dieser Faktor 6,5 hat vor allem die Fertigungsindustrie erwischt, die vorher mit KRITIS ungefähr so viel zu tun hatte wie mit Walfang. Die Registrierungsfrist beim BSI lief am 6. März 2026 ab. Zum Stichtag hatten sich etwa 11.500 Einrichtungen registriert, also rund 38 Prozent. Anfang April war es gut die Hälfte. Die andere Hälfte ist entweder mutig oder ahnungslos, und beides ist im Aufsichtsrecht kein Milderungsgrund.

Die gute Nachricht: Ein erheblicher Teil dessen, was Paragraph 30 BSIG an Risikomanagementmaßnahmen verlangt, lässt sich mit Lizenzen abdecken, die in vielen Häusern längst bezahlt und nur halb ausgepackt sind. Die schlechte: Genau diese Bausteine hat Microsoft gerade umgestellt. Wer seine Purview-Konfiguration seit Ende 2025 nicht angefasst hat, betreibt heute ein Compliance-Konstrukt, dessen Fundament unter ihm ausgetauscht wurde, ohne dass jemand angeklopft hätte. Das fällt nicht auf, solange nichts passiert. Es fällt sehr auf, sobald etwas passiert.

WARNUNG

Der Nachweisstichtag war vor drei Wochen

Der erste Nachweisstichtag für KRITIS-Betreiber wurde vom 31. Dezember 2025 auf den 30. Juni 2026 verschoben. Dieses Datum liegt jetzt hinter dir. Wenn du gerade überlegen musst, ob dein Haus geliefert hat, hast du die Antwort bereits. Der Nachweis ist danach alle drei Jahre fällig, und die Uhr für die nächste Runde läuft ab sofort — diesmal ohne Verschiebung, auf die man hoffen könnte.

 

Zeitstrahl Dez. 2025–Dez. 2026: BSIG/KRITIS-Meilensteine und Microsoft-Purview-Releases im Vergleich.

Abbildung 1: Regulatorische Fristen und Purview-Releases im direkten Vergleich. Beide Linien laufen dieselbe Strecke, nur hat eine davon keine Bremse.

Worum geht es im Detail?

Fangen wir beim Produkt an. Das neue DSPM ist nicht die alte Kachelsammlung mit frischem Lack. Microsoft hat den Ansatz gedreht: Statt dich durch Information Protection, Data Loss Prevention, Insider Risk Management und eDiscovery einzeln zu navigieren, gibt es jetzt sogenannte Data Security Objectives — Ziele wie „Oversharing sensibler Daten verhindern“, „Exfiltration an riskante Ziele verhindern“ oder „Datenexposition in Microsoft 365 Copilot verhindern“. Jedes Ziel bündelt die Lösungen, die dafür nötig sind, zeigt Kennzahlen wie den Anteil der von Richtlinien abgedeckten Daten und schlägt priorisierte Maßnahmen vor, die du direkt aus dem Workflow heraus auslöst. Ein-Klick-Richtlinien inklusive. Das ist bequem und gefährlich zugleich, dazu gleich mehr.

Der Abdeckungsbereich ist deutlich gewachsen. DSPM sieht heute Microsoft 365, Azure und Fabric, und über die Anbindung an den Microsoft Sentinel Data Lake auch Drittplattformen wie Google Cloud Platform, Snowflake und Databricks. Dazu kommen Partnerintegrationen mit Varonis, Cyera, BigID und OneTrust. Diese Nicht-Microsoft-Anbindungen sind allerdings weiterhin Preview, genau wie der Data Security Posture Agent — ein Detail, das du im Auditgespräch besser selbst erwähnst, bevor es jemand anderes tut. Preview heißt im Zweifel: kein Service Level, keine Zusage zur Vollständigkeit, kein belastbarer Nachweis.

Der zweite große Block ist KI-Beobachtbarkeit. Die Seite „AI Observability“ führt ein Inventar aller KI-Anwendungen und Agenten mit Aktivität in den letzten 30 Tagen, markiert Hochrisiko-Kandidaten und zeigt, welche davon sensible Daten angefasst haben — inklusive der frisch eingeführten Agenten aus Microsoft Agent 365. Seit Mai 2026 gibt es zusätzlich einen Connector für Anthropic Claude Enterprise, der Claude-Interaktionen genauso im Activity Explorer sichtbar macht wie Copilot-Prompts. Wer wann welchen Prompt mit welchem Inhalt abgesetzt hat, steht damit im selben Protokoll. Das ist gleichzeitig ein Compliance-Traum und ein Betriebsratsthema. Plane beides ein, und zwar in dieser Reihenfolge.

Dann die Automatisierung. Security-Copilot-Agenten übernehmen die Triage von DLP- und Insider-Risk-Alarmen, filtern Rauschen und heben die Fälle hervor, die wirklich brennen. Der Data Security Posture Agent durchsucht deinen Datenbestand nach Zugangsdaten, die irgendwer irgendwann in ein Excel geschrieben hat — und ja, er findet welche, in jedem Tenant, in dem ich ihn bisher gesehen habe. Seit Juni 2026 erzeugen die proaktiven KI-Insights alle 24 Stunden automatisch eine Untersuchung, die kürzlich abgeflossene sensible Daten über fünf Risikokategorien hinweg analysiert. Ohne dass jemand auf einen Knopf drückt. Das ist die eigentliche Neuerung: Der Regelkreis läuft, auch wenn niemand hinsieht.

Und im Juli 2026 ist die Kategorie dazugekommen, die architektonisch am meisten verändert: Purview Network Data Security. Über die Integration mit Microsoft Entra Global Secure Access werden Texte und KI-Interaktionen auf Netzwerkebene abgefangen und inspiziert, mit durchsetzbaren DLP-Aktionen. Damit greift Datenschutz nicht mehr nur in verwalteten Apps, sondern auch dort, wo dein Entwickler die API eines nicht genehmigten KI-Dienstes direkt aus dem Skript anspricht. Zero Trust ist damit endgültig kein reines Identitätsthema mehr, sondern eines des Datenflusses. Das ist genau die Ebene, auf der Schatten-KI bisher unbehelligt lebte.

FAKTEN

Was die Regulatorik konkret verlangt

Paragraph 30 BSIG nennt zehn Maßnahmenfelder: Risikoanalyse, Bewältigung von Sicherheitsvorfällen, Betriebskontinuität, Lieferkettensicherheit, Schwachstellenmanagement, Wirksamkeitsbewertung, Schulung und Cyberhygiene, Kryptographie, Zugriffskontrolle und Anlagenverwaltung sowie Multi-Faktor-Authentifizierung. Paragraph 32 setzt die Meldekette: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Meldung mit Ersteinschätzung binnen 72 Stunden, Abschlussmeldung binnen eines Monats. Paragraph 38 verpflichtet die Geschäftsleitung, die Maßnahmen zu billigen, ihre Umsetzung zu überwachen und sich regelmäßig schulen zu lassen — mit persönlicher Haftung.

 

Tabelle: §-30-BSIG-Pflichten mapped auf Purview-Bausteine 2026 und Prüfernachweise.

Abbildung 2: Pflichtenmapping. Links steht, was das Gesetz will. Rechts steht, was am Ende im Ordner des Prüfers landet. In der Mitte steht das, wofür du längst bezahlst.

Was sind Chancen? Was sind Risiken?

Die größte Chance ist unspektakulär und wird deshalb übersehen: Nachweisfähigkeit ohne Zusatzprojekt. Wenn ein Prüfer wissen will, wie du Zugriffskontrolle und Datenklassifizierung steuerst, ist ein DSPM-Posture-Trend über 30 Tage ein deutlich besseres Argument als ein Word-Dokument, in dem steht, dass ihr das alles sehr ernst nehmt. Der Export der Richtlinienkonfiguration als ZIP mit XML-Momentaufnahme, seit April 2026 allgemein verfügbar, ist dabei das unterschätzteste Feature des Jahres: ein Zeitstempel, ein Dateistand, fertig. Genau das, was eine Wirksamkeitsbewertung braucht.

Die zweite Chance liegt im Meldeprozess. Die 24-Stunden-Frühwarnung scheitert in der Praxis fast nie an der Technik, sondern daran, dass innerhalb eines Arbeitstages niemand sagen kann, welche personenbezogenen Daten betroffen waren. Genau dafür gibt es seit März 2026 die Personal Data Examinations in den Data Security Investigations: Sie extrahieren aus dem Untersuchungsumfang personenbezogene Daten inklusive Schweregrad und maschinell erzeugter Begründung. Das ist der Unterschied zwischen einer belastbaren Erstmeldung und einem Telefonat mit dem BSI, in dem du ausschließlich im Konjunktiv sprichst.

Dritte Chance: Souveränität. Die EU Data Boundary umfasst mittlerweile auch KI, Copilot, Telemetrie und Confidential Computing, und für Copilot-Interaktionen gibt es in fünfzehn Ländern die Option auf Verarbeitung im Land. Wer 2023 noch mit dem Datenschutzbeauftragten über Telemetriedaten gestritten hat, findet heute erheblich mehr Argumente auf seiner Seite. Vollständige Souveränität ist das nicht, aber es ist eine dokumentierbare Position statt eines Bauchgefühls — und im Aufsichtsgespräch zählt genau dieser Unterschied.

REALITÄTSCHECK

Ein-Klick-Richtlinien sind ein Ein-Klick-Betriebsausfall

Der verführerischste Knopf im neuen DSPM heißt sinngemäß „Richtlinie jetzt anwenden“. In einem Werk mit rund 900 Beschäftigten hat genau dieser Knopf an einem Dienstagvormittag eine Blockierrichtlinie über den kompletten Konstruktionsbereich gelegt. Die Zeichnungssätze enthielten Lieferantennummern, die der Klassifizierer für Kreditkartennummern hielt. Um 14 Uhr stand die Fertigung ohne aktuelle Stücklisten, um 16 Uhr saß der Werkleiter bei der Geschäftsführung, und um 17 Uhr fragte jemand, ob man das vorher nicht hätte testen können. Man hätte. Simulationsmodus, mindestens vierzehn Tage, ohne Ausnahme.

 

Womit wir bei den Risiken sind. Das erste ist strukturell: Der Umbau von DSPM classic auf die neue Fassung ist keine Migration, die im Hintergrund passiert. Die alten Oberflächen existieren parallel weiter, Microsoft stellt sogar eine Übersetzungstabelle bereit, welche vertraute Aufgabe jetzt wo liegt. Genau das erzeugt die Situation, in der zwei Teams glauben, sie steuerten dieselbe Richtlinie, und beide irren sich. Wenn du getrennte Zuständigkeiten für Security und Compliance hast, ist das kein hypothetisches Risiko, sondern eine Terminfrage.

Das zweite Risiko ist der Datenhunger der KI-Funktionen selbst. Insider Risk Management rechnet in bestimmten Konstellationen nach Verbrauch ab, weshalb Microsoft seit Juni 2026 ausdrücklich erlaubt, einzelne generative KI-Anwendungen von der Überwachung auszunehmen — offiziell zur Reduktion von Alarmrauschen, praktisch auch zur Vermeidung unnötiger Kosten. Wer alles überwacht, überwacht am Ende vor allem sein Budget. Die Data Security Investigations rechnen zusätzlich in Compute Units, was in der ersten Rechnung nach einem größeren Vorfall zuverlässig für Gesprächsbedarf mit dem Einkauf sorgt.

Das dritte Risiko ist das teuerste und hat mit Technik gar nichts zu tun. Die Bußgeldrahmen liegen bei bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes für besonders wichtige Einrichtungen und bei bis zu 7 Millionen Euro oder 1,4 Prozent für wichtige Einrichtungen. Dazu kommt die persönliche Haftung der Leitungsebene, mit der Deutschland an der schärferen Kante der europäischen Umsetzung liegt. Ein hervorragend konfiguriertes Purview schützt dich nicht, wenn die Geschäftsleitung die Maßnahmen nie förmlich gebilligt und nie eine Schulung besucht hat. Der Nachweis einer Schulung ist ein Teilnahmeprotokoll mit Unterschrift, kein Screenshot aus dem Compliance Manager.

RECHTLICHER RAHMEN

Zwei Gesetze, nicht eines

Neben dem NIS-2-Umsetzungsgesetz ist seit dem 17. März 2026 das KRITIS-Dachgesetz in Kraft. Es regelt die physische Resilienz kritischer Anlagen: Zutritt, Perimeter, Ausfallvorsorge, Redundanz. Purview hat dazu exakt nichts beizutragen. Wer beide Regelwerke in ein Projekt wirft und die Leitung an die IT gibt, hat sich gerade eine Baustelle eingekauft, für die niemand im Raum zuständig ist — und merkt es erst beim ersten Statusbericht.

 

Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?

Erstens: Bestandsaufnahme, welche DSPM-Fassung bei dir eigentlich läuft. Melde dich am Purview-Portal an, geh auf die Lösungsübersicht und sieh nach, ob dort DSPM oder DSPM classic steht — und ob beides parallel konfiguriert ist. Nimm dir dabei einen Tag Geduld: Nach der Ersteinrichtung dauert es rund 24 Stunden, bis belastbare Daten aus deinem Tenant sichtbar werden. Wer nach zehn Minuten enttäuscht das Fenster schließt, verpasst genau die Zahlen, um die es geht. Nebenbei: Bei mehr als 60 Tagen Inaktivität pausiert Microsoft die Verarbeitung, was auf einer Nachweislinie eine unschöne Lücke ergibt.

Zweitens: Berechtigungen sauber ziehen. Für den Einstieg brauchst du eine Rolle wie Compliance Administrator, für die Security-Copilot-Funktionen zusätzlich die Rolle Data Security Viewer. Seit Mai 2026 unterstützt das neue DSPM auch Administrative Units. Für Konzerne mit mehreren Gesellschaften in einem Tenant ist das der Unterschied zwischen delegierbarer Verantwortung und einem geteilten Admin-Konto, das jeder Prüfer sofort anstreicht.

Drittens: Auditprotokolle prüfen, bevor du sie brauchst. Audit Premium hält Aktivitäten aus Exchange, SharePoint, OneDrive und Entra ID standardmäßig ein Jahr vor, alles Übrige 180 Tage. Zehn Jahre gibt es nur mit dem entsprechenden Zusatz. Wenn dein Vorfall aus dem letzten Quartal stammt und die relevante Aktivität nicht in der ersten Gruppe liegt, können die Beweise bereits weg sein, während die Abschlussmeldung noch aussteht. Setze benutzerdefinierte Vorhaltezeiten für die Aktivitäten, die in deinem Sektor tatsächlich zählen — und dokumentiere die Begründung gleich mit.

Viertens: Compliance Manager scharfstellen. Es gibt eine dedizierte Vorlage zur NIS-2-Richtlinie (EU) 2022/2555. Sie ist eine Premium-Vorlage; Kunden mit durchgängiger Microsoft-365-E5-Ausstattung bekommen drei Premium-Vorlagen ohne Aufpreis, sonst liegt der Listenpreis bei etwa 500 Euro im Monat. Erwarte kein Wunder: Die Vorlage ist stark auf Microsoft-365-Konfiguration und auf Microsoft-eigene Kontrollen ausgerichtet und deckt die nicht-technischen Anforderungen nur oberflächlich ab. Sie ersetzt keine Gap-Analyse gegen das BSIG, aber sie liefert eine auditfähige Struktur, in der du deine eigenen Nachweise ablegen kannst. Das ist mehr wert, als es klingt.

Fünftens: Den Meldeprozess einmal trocken durchspielen. Nicht die Technik — den Prozess. Wer stellt um 03:40 Uhr fest, dass ein Vorfall erheblich und damit meldepflichtig ist? Wer darf das entscheiden? Wer hat die Zugangsdaten zum Meldeportal, und liegen die auch dann vor, wenn der Tenant gerade das Problem ist? Und wer erklärt der Geschäftsleitung, dass die 24 Stunden nicht ab Freigabe durch die Rechtsabteilung laufen, sondern ab Kenntnis. Diese Übung kostet einen halben Tag und hat in jedem Projekt, in dem ich sie erlebt habe, mindestens eine Lücke aufgedeckt, die vorher niemand auf dem Zettel hatte.

TIPP AUS DEM PROJEKTALLTAG

Die Reihenfolge, die in der Praxis funktioniert

Erst klassifizieren, dann beobachten, dann erst blockieren. Wer mit Blockierrichtlinien anfängt, verbrennt in den ersten drei Wochen so viel Vertrauen bei den Fachbereichen, dass der Rest der Einführung zur Zermürbungsschlacht wird. Ein Kunde aus der Energiewirtschaft hat sechs Wochen ausschließlich beobachtet, die Fehlalarme gemeinsam mit den Fachbereichen durchgesehen und erst danach durchgesetzt. Die eigentliche Einführung lief anschließend in elf Tagen. Die Vorarbeit war teurer als das Werkzeug — und deutlich billiger als der Widerstand.

 

DSPM-Regelkreis mit 6 Phasen (Entdecken bis Nachweisen), Datenquellen und BSI-Meldeergebnissen.

Abbildung 3: Der Regelkreis von der Datenquelle über Klassifizierung und Beobachtung bis zur Meldung. Nur wenn der Kreis geschlossen ist, hältst du die 24 Stunden.

Und zuletzt, weil es sonst niemand ausspricht: Prüfe, ob deine Registrierung beim BSI tatsächlich erfolgt und bestätigt ist. Die fehlende Registrierung ist eine eigenständige Ordnungswidrigkeit, völlig unabhängig davon, wie gut dein Sicherheitsniveau ist. Es wäre bemerkenswert bitter, ein technisch sauber aufgestelltes Haus über ein nicht abgeschicktes Formular in die Bußgeldstatistik zu bringen. Nachregistrierung ist weiterhin möglich und in jedem Fall günstiger als das Gegenteil.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich von DSPM classic auf das neue DSPM umstellen?

Ja, wenn du auf dem aktuellen Stand bleiben willst: Microsoft entwickelt neue Funktionen ausschließlich in der neuen Fassung, die seit Mai 2026 allgemein verfügbar ist. Die klassischen Oberflächen bleiben vorerst erreichbar, erhalten aber keine Erweiterungen mehr, und ein unkoordinierter Parallelbetrieb beider Fassungen führt in der Praxis regelmäßig zu widersprüchlichen Richtlinienständen.

Reicht Microsoft Purview aus, um NIS-2-konform zu sein?

Nein. Purview deckt einen substanziellen Teil der technischen Maßnahmen nach Paragraph 30 BSIG ab, insbesondere Klassifizierung, Zugriffskontrolle, Protokollierung, Verschlüsselung und die Bearbeitung von Vorfällen. Nicht abgedeckt sind physische Sicherheit, Betriebskontinuität mit tatsächlichen Wiederanlauftests, Lieferantenprüfungen und die organisatorischen Pflichten der Geschäftsleitung.

Welche Lizenzen brauche ich für die neuen DSPM-Funktionen?

Die Basis bilden die Purview-Komponenten aus Microsoft 365 E5 beziehungsweise den entsprechenden Compliance- und Information-Protection-Zusätzen. Für die Security-Copilot-Agenten, die Data Security Investigations und Teile der KI-Überwachung kommen verbrauchsabhängige Modelle hinzu, und die NIS-2-Vorlage im Compliance Manager ist eine kostenpflichtige Premium-Vorlage, sofern du nicht bereits über freie Premium-Vorlagen aus einer durchgängigen E5-Ausstattung verfügst.

Wie schnell muss ich einen Sicherheitsvorfall an das BSI melden?

Die Frühwarnung ist innerhalb von 24 Stunden nach Kenntnis eines erheblichen Sicherheitsvorfalls fällig, die eigentliche Meldung mit einer Ersteinschätzung zu Schwere und Auswirkungen innerhalb von 72 Stunden. Eine Abschlussmeldung folgt innerhalb eines Monats nach der Meldung.

Sieht Purview auch KI-Werkzeuge, die nicht von Microsoft stammen?

Ja, in wachsendem Umfang. Neben Microsoft 365 Copilot, Copilot Studio und Agent 365 lassen sich unter anderem ChatGPT Enterprise und seit Mai 2026 auch Anthropic Claude Enterprise über einen eigenen Connector anbinden, sodass die Interaktionen im Activity Explorer sichtbar werden. Über die Netzwerkanbindung an Entra Global Secure Access lassen sich zusätzlich Zugriffe auf nicht freigegebene KI-Dienste auf Netzwerkebene erkennen und einschränken.

Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/claude-opus-5-ist-da.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de

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