Terminologie-Management ohne teure Tools starten
Pragmatische Terminologiearbeit für kleine und mittlere RedaktionenTerminologie-Management ohne teure Tools starten
Terminologiearbeit hat ein Imageproblem. Sie gilt als das Thema für große Redaktionen mit Terminologie-Beauftragten, Spezialsystemen und Gremien, die über die korrekte Benennung von Bauteilen debattieren. Für die dreiköpfige Redaktion im Mittelstand klingt das nach einer Aufgabe für später – irgendwann, wenn mal Zeit ist. Und genau deshalb tragen viele Häuser jahrelang die Kosten der fehlenden Terminologie, ohne sie je auf einer Rechnung zu sehen.
Dabei ist der Einstieg lächerlich billig. Eine brauchbare Termbasis entsteht in einer Woche, das Werkzeug dafür ist eine Tabelle, und der erste spürbare Effekt kommt bei der nächsten Übersetzungsrunde. Was Terminologiearbeit teuer macht, ist nicht das Anfangen – es ist das Nicht-Anfangen: dieselbe Komponente, die in drei Dokumenten drei Namen trägt, das Translation Memory, das keine Wiederholungen erkennt, weil es keine gibt, und der Servicetechniker, der rätselt, ob „Abdeckung" und „Haube" dasselbe Teil meinen.
Dieser Artikel zeigt den pragmatischen Weg: was in eine Termbasis gehört und was nicht, warum Terminologie direkt in der Übersetzungsrechnung landet, wie der Pflegeprozess aussieht, der das Ganze am Leben hält – und ab wann sich ein Spezialsystem überhaupt lohnt.
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★ Fakten kompakt |
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Ein häufiger Einwand lautet: Unsere Autoren wissen doch, wie die Teile heißen. Das stimmt meistens — und trifft den Punkt nicht. Terminologiearbeit richtet sich nicht gegen Unwissen, sondern gegen Unabgestimmtheit: Drei Autoren, die jeder für sich eine korrekte Benennung verwenden, produzieren gemeinsam drei Varianten. Dazu kommt die Zeitachse: Wer heute weiß, wie das Bauteil heißt, ist in fünf Jahren vielleicht nicht mehr im Haus, und der Nachfolger findet in den Altdokumenten drei gleichermaßen plausible Vorbilder. Eine Termbasis ist damit weniger ein Nachschlagewerk als ein Gedächtnis mit Verbindlichkeit.
Was fehlende Terminologie kostet
Bevor wir zum Handwerk kommen, lohnt der Blick auf die Rechnung, die nie gestellt wird. Uneinheitliche Benennungen kosten an vier Stellen. Erstens beim Schreiben: Autoren überlegen jedes Mal neu, wie etwas heißt, oder sie kopieren aus der Nachbardatei und übernehmen deren Variante. Zweitens im Review: Fachprüfer stolpern über Begriffe, die sie anders kennen, und melden das als Fehler zurück – Diskussionszeit für ein Problem, das eine Liste beantwortet hätte.
Drittens in der Übersetzung – dazu gleich mehr, das ist der teuerste Posten. Und viertens beim Leser, und dieser Punkt wird am häufigsten unterschätzt: Wer in einer Anleitung liest, er solle „die Abdeckung öffnen", und drei Seiten später aufgefordert wird, „die Haube zu sichern", muss entscheiden, ob dasselbe Teil gemeint ist. Meistens rät er richtig. Aber Dokumentation, bei der geraten werden muss, ist schlechte Dokumentation – und im Sicherheitskontext ist sie mehr als das, wie der Warnkasten weiter unten zeigt.
Der fünfte Posten kommt gerade dazu: Wer seine Inhalte für Suchfunktionen und KI-Assistenten nutzbar machen will, braucht konsistente Benennungen. Ein Assistent, der auf einer Wissensbasis mit fünf Namen für dasselbe Bauteil arbeitet, findet je nach Frageformulierung mal alles und mal nichts. Terminologiearbeit war schon immer sinnvoll; mit maschineller Auswertung von Inhalten wird sie zur Voraussetzung.
Was eine Termbasis eigentlich ist
Zunächst die Abgrenzung, denn drei Dinge werden gern verwechselt. Ein Glossar erklärt dem Leser Begriffe – es steht am Ende des Handbuchs und richtet sich nach außen. Ein Wörterbuch sammelt Übersetzungen. Eine Termbasis dagegen richtet sich nach innen und ist eine Regel: Sie legt fest, wie eine Sache in unseren Texten heißt – und wie sie ausdrücklich nicht heißt. Das ist der entscheidende Unterschied. Eine Termbasis, die nur Vorschläge enthält, ist ein Wörterbuch mit Firmenlogo; erst die Verbindlichkeit macht sie zum Werkzeug.
Daraus folgt der Aufbau eines Eintrags, und er ist erfreulich kurz. Erstens die Vorzugsbenennung – genau eine, nicht zwei gleichwertige. Zweitens die verbotenen Varianten: „Haube", „Deckel", „Verkleidung" für dieselbe Sache. Dieses Feld ist das wichtigste der ganzen Termbasis, weil es die eigentliche Arbeit leistet: Was verboten ist, sagt mehr als was erlaubt ist, und es macht die Prüfung möglich – man kann nach verbotenen Varianten suchen, nach fehlenden Vorzugsbenennungen nicht. Drittens eine Kurzdefinition in einem Satz, damit klar ist, welche Sache überhaupt gemeint ist. Viertens die fremdsprachigen Entsprechungen je Zielsprache. Und fünftens ein Status: freigegeben, in Klärung, abgelehnt.
Mehr braucht es nicht – und mehr ist am Anfang sogar schädlich. Die verlässlichste Art, Terminologiearbeit zum Erliegen zu bringen, ist Feldergier: ein Eintragsschema mit zwanzig Feldern für Wortart, Genus, Fachgebiet, Quelle, Bildverweis, Normbezug und Freigabehistorie. So ein Schema ist fachlich vorbildlich und wird nach dreißig Einträgen nicht mehr gepflegt, weil jeder neue Begriff eine halbe Stunde kostet. Fünf gepflegte Felder schlagen zwanzig leere; die Ausbaufelder – Kontextbeispiel, Grammatik, Herkunft – kommen später und nur dort, wo sie gebraucht werden.
Bleibt die Frage, welche Begriffe überhaupt hineingehören – denn nicht jedes Wort ist ein Terminus. Aufgenommen wird, was drei Bedingungen erfüllt: Es kommt regelmäßig vor, es bezeichnet etwas Fachliches oder Produktspezifisches, und es gibt konkurrierende Benennungen oder Verwechslungsgefahr. Damit fallen Allerweltswörter heraus und Bauteile, Bedienelemente, Funktionen, Zustände und wiederkehrende Handlungen hinein. Ein guter Test: Würde ein neuer Kollege oder ein Übersetzer nachfragen? Dann gehört der Begriff in die Termbasis.

Abb.: Fünf Pflichtfelder tragen die Termbasis – und das zweite leistet die eigentliche Arbeit.
Warum das Geld kostet – die Übersetzungsrechnung
Kommen wir zum Argument, das im Haus überzeugt, weil es sich in Euro ausdrücken lässt. Übersetzungsbüros rechnen nach Wortzahl ab, und Translation Memory senkt den Preis für Wiederholungen und ähnliche Segmente. Genau hier greift Terminologie: Ein Translation Memory erkennt Wiederholungen nur dann, wenn es tatsächlich welche gibt. Wenn derselbe Sachverhalt in drei Dokumenten mit unterschiedlichen Benennungen beschrieben wird, sind das drei Unikate – und jedes wird voll berechnet, obwohl inhaltlich dreimal dasselbe dasteht.
Der zweite Hebel liegt bei der maschinellen Übersetzung. Moderne MT-Engines sind für technische Prosa erstaunlich gut, aber sie haben eine Eigenart: Ohne verbindliche Vorgabe übersetzen sie denselben Fachbegriff im selben Dokument fröhlich in drei Varianten, weil jede für sich sprachlich vertretbar ist. Eine Termbasis, die dem Übersetzungsprozess mitgegeben wird, beendet dieses Roulette – und reduziert damit genau die Nacharbeit, die im Post-Editing am meisten Zeit frisst. Wer maschinelle Übersetzung ernsthaft einsetzen will, kommt an Terminologie nicht vorbei; das ist die Eintrittskarte, wie es der Beitrag zur KI-Übersetzung ausführt.
Und ein dritter Effekt kommt hinzu, der sich schwerer beziffern lässt und trotzdem zählt: die Rückfragen. Übersetzer, die nicht wissen, ob zwei Benennungen dasselbe meinen, fragen nach – und jede Rückfrage kostet auf beiden Seiten Zeit und verzögert den Auftrag. Oder, schlimmer, sie fragen nicht nach und entscheiden selbst. Eine mitgelieferte Termbasis beantwortet diese Fragen vorab, einmal für alle Sprachen und alle künftigen Aufträge. Die Rechnung ist damit simpel: Der Effekt wächst mit jeder Zielsprache und jedem Release, während der Aufwand einmalig ist — und im Verhältnis dazu lächerlich klein.
Praktisch heißt das, die Termbasis in den Übersetzungsprozess einzubauen statt sie danebenzulegen. Beim Dienstleister gehört sie zu jedem Auftrag – in einem vorab abgestimmten Format, damit sie im CAT-Werkzeug als Terminologiedatenbank eingebunden werden kann statt als PDF im Anhang zu versauern. Bei der maschinellen Übersetzung wird sie als Vorgabe mitgegeben, soweit die eingesetzte Lösung das unterstützt. Und im Post-Editing ist Terminologietreue ein eigener Prüfpunkt. Wer diese drei Anschlüsse einmal herstellt, muss danach nichts mehr tun — die Termbasis wirkt bei jedem künftigen Auftrag automatisch.

Abb.: Dieselbe Kette, zweimal durchgespielt – der Unterschied zeigt sich in der Rechnung des Dienstleisters.
Und noch ein Blick auf die Schnittstelle zur Wiederverwendung, weil sie hier direkt anschließt: Wer Textbausteine in mehreren Publikationen einsetzt, braucht konsistente Benennungen zwingend — ein Baustein, der von der „Abdeckung" spricht, passt nicht in ein Topic, das dieselbe Komponente anders nennt. Terminologie ist damit die stille Voraussetzung jeder Wiederverwendungsstrategie, wie es der Beitrag zur Content-Wiederverwendung anmerkt. Wer beides gleichzeitig angeht, verstärkt jeden Effekt: Konsistente Begriffe machen Bausteine kombinierbar, und wiederverwendete Bausteine tragen die Terminologie automatisch weiter.
Der Einstieg: eine Woche bis zur ersten Termbasis
Jetzt zum praktischen Teil, und der ist kürzer als sein Ruf. Schritt eins: die Hitliste. Nicht der Versuch, alle Begriffe zu erfassen, sondern die fünfzig wichtigsten des Produkts – Baugruppen, Bedienelemente, zentrale Funktionen, wiederkehrende Handlungen. Diese Liste steht in einer Stunde, weil jede Redaktion sie im Kopf hat. Schritt zwei: die Variantensuche. Für jeden Begriff eine Volltextsuche über den Bestand: Wie heißt dieselbe Sache sonst noch? Hier entstehen die Aha-Momente – und die Liste der verbotenen Varianten, die den Kern jedes Eintrags bildet.
Schritt drei ist der einzige, der Abstimmung braucht: entscheiden. Eine Sitzung mit Konstruktion, Service und – falls vorhanden – Marketing, in der die Vorzugsbenennungen festgelegt werden. Zwei Stunden reichen für fünfzig Begriffe, wenn die Vorarbeit steht. Wichtig ist die Zusammensetzung: Terminologie, die die Redaktion allein festlegt, wird von den Fachabteilungen ignoriert; Terminologie, an der sie beteiligt waren, wird verteidigt. Schritt vier: ablegen – eine Liste an einem definierten Ort, für alle lesbar, mit einer benannten Zuständigkeit. Und Schritt fünf: anwenden, ab sofort, beim Schreiben, im Review und beim nächsten Übersetzungsauftrag.
Zum Werkzeug: Für diesen Einstieg genügt eine Tabelle. Eine Tabellenspalte je Feld, eine Zeile je Begriff, abgelegt an einem Ort, an dem alle sie finden – in der Microsoft-365-Welt liegt eine SharePoint-Liste nahe, weil sie Versionierung, Filterung und Berechtigungen mitbringt und sich später leicht exportieren lässt. Aber auch eine gepflegte Tabellendatei tut es, solange es genau eine gibt. Was nicht funktioniert: eine Termliste im Anhang eines Word-Dokuments, das jeder auf seinem Rechner hat. Terminologie muss auffindbar sein, sonst wird sie nicht benutzt, und was nicht benutzt wird, wird nicht gepflegt.
Eine Abkürzung für die Hitliste, falls sie nicht ohnehin im Kopf steht: Stücklisten, Ersatzteilkataloge und Bedienoberflächen liefern die Begriffe frei Haus – und zwar in der Benennung, die im Unternehmen tatsächlich gilt. Das ist auch der Grund, warum die Abstimmung mit Konstruktion und Service so wichtig ist: Wenn die Doku ein Bauteil anders nennt als die Stückliste, ist nicht die Doku im Recht, sondern es gibt ein Abstimmungsproblem. Terminologie, die zur Produktwelt passt, wird von allen mitgetragen; Terminologie, die nur in der Redaktion gilt, ist ein Sonderweg mit Verfallsdatum.

Abb.: Fünf Schritte, eine Woche – und das Werkzeug ist eine Tabelle.
Für mehrsprachige Redaktionen kommt eine Frage dazu: Wer legt die fremdsprachigen Entsprechungen fest? Die pragmatische Antwort lautet: der Übersetzungsdienstleister im Dialog mit der Landesvertretung, sofern es eine gibt. Die Redaktion liefert Ausgangsbenennung, Definition und Kontext; die fachlich richtige Zielbenennung entsteht dort, wo die Zielsprache und der Markt zu Hause sind. Wichtig ist nur, das Ergebnis zurückfließen zu lassen — die im Übersetzungsprojekt getroffene Entscheidung gehört in die Termbasis, sonst wird sie beim nächsten Auftrag neu getroffen und fällt womöglich anders aus.
Ein Sonderfall sind Begriffe, die bewusst unübersetzt bleiben: Produktnamen, Modellbezeichnungen, manchmal auch etablierte Fachbegriffe. Auch das ist eine Terminologieentscheidung und gehört als solche festgehalten — mit einer klaren Markierung „nicht übersetzen". Ohne diese Angabe entscheidet jeder Übersetzer selbst, und in der Rückschau existieren dann drei Fassungen des Produktnamens in einer Sprache. Diese Fälle sind unspektakulär und verursachen erfahrungsgemäß die peinlichsten Fehler.
Der Pflegeprozess: der Teil, an dem es scheitert
Die erste Termbasis zu erstellen ist einfach. Sie in zwei Jahren noch aktuell zu haben, ist die eigentliche Aufgabe – und hier scheitern die meisten Anläufe. Der Grund ist strukturell: Eine Termbasis ist nie fertig, weil ständig neue Produkte, Komponenten und Funktionen dazukommen. Ohne einen definierten Prozess veraltet sie schleichend, und irgendwann arbeitet niemand mehr damit, weil die Hälfte fehlt. Der Kreislauf hat deshalb fünf Stationen, und alle fünf müssen sich drehen.
Sammeln bedeutet, Kandidaten laufend aufzunehmen – aus dem Schreiben, aus Reviews, aus Rückfragen von Übersetzern und Service. Praktisch heißt das: ein niedrigschwelliger Weg, einen Begriff zu melden, ohne ihn gleich entscheiden zu müssen. Eine Spalte „in Klärung" in derselben Liste genügt. Entscheiden bedeutet, diese Kandidaten in einem festen Rhythmus abzuarbeiten – nicht bei jeder Meldung, sondern gesammelt, etwa einmal im Monat für zwanzig Minuten. Diese Regelmäßigkeit ist wichtiger als die Gründlichkeit: Zwanzig Minuten monatlich halten eine Termbasis lebendig, ein halber Tag jährlich nicht.
Bereitstellen bedeutet, dass die Termbasis dort ist, wo gearbeitet wird – für Autoren im Zugriff, für den Übersetzungsdienstleister als Teil jedes Auftrags, gegebenenfalls für die MT-Anbindung als Vorgabe. Anwenden bedeutet Verbindlichkeit: Terminologie gehört ins Review wie Rechtschreibung, und Abweichungen werden angesprochen. Und Pflegen schließt den Kreis: Bestehende Einträge werden geprüft, wenn Produkte auslaufen oder sich Benennungen ändern. Der gesamte Prozess kostet – realistisch gerechnet – wenige Stunden im Quartal. Die Frage ist nicht, ob man diese Stunden hat, sondern ob jemand mit Namen dafür zuständig ist. Ohne Besitzer verwaist eine Termbasis so zuverlässig wie jedes andere Betriebsmittel.
Ein Wort zur maschinellen Unterstützung, weil sie hier tatsächlich hilft: Für die Variantensuche und die Kandidatenermittlung leisten KI-Werkzeuge gute Vorarbeit – sie finden im Bestand Passagen, die dieselbe Sache mit unterschiedlichen Wörtern beschreiben, und schlagen Kandidaten für die Termbasis vor. Das verkürzt genau die Fleißarbeit, die den Einstieg mühsam macht. Die Entscheidung, welche Benennung gilt, bleibt selbstverständlich beim Menschen: Sie ist eine Festlegung mit Wirkung auf Produkt, Service und Vertrieb, keine sprachliche Präferenz.

Abb.: Fünf Stationen im Kreis – und die Termbasis in der Mitte ist nur so gut wie die schwächste davon.
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Situation |
Pragmatische Antwort |
Wo die Grenze liegt |
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Erster Einstieg, kleine Redaktion |
Tabelle mit fünf Feldern, 50 Begriffe |
Ab wenigen tausend Einträgen unhandlich |
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Mehrere Zielsprachen |
Je Sprache eine Spalte mit Vorzugsbenennung |
Ohne Pflege veralten die Sprachspalten zuerst |
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Fachabteilungen wollen mitreden |
Entscheidungssitzung mit Konstruktion und Service |
Ohne Beteiligung wird die Termbasis ignoriert |
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Übersetzungsdienstleister einbinden |
Termbasis als Teil jedes Auftrags mitliefern |
Format vorab abstimmen, nicht improvisieren |
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Maschinelle Übersetzung geplant |
Termbasis als Vorgabe einbinden |
Sicherheitstexte bleiben prüfpflichtig |
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Bestand wächst, Team wächst |
Übergang in ein Terminologiesystem prüfen |
Vorher: Export- und Übernahmeweg klären |
Die typischen Fehler
Drei Fehler tauchen so regelmäßig auf, dass sie eine eigene Erwähnung verdienen. Der erste ist die Vollständigkeitsfalle: der Versuch, erst einmal alle Begriffe zu erfassen, bevor die Termbasis in Gebrauch geht. Das dauert Monate, während derer nichts wirkt – und endet meist unfertig. Der Ausweg ist die umgekehrte Reihenfolge: fünfzig Begriffe, sofort anwenden, laufend erweitern. Eine unvollständige, benutzte Termbasis ist unendlich viel wert; eine vollständige, ungenutzte ist eine Datei.
Der zweite Fehler ist die Unverbindlichkeit: Die Termbasis existiert, aber sie ist eine Empfehlung. Dann setzt sich im Zweifel durch, was dem Autor gerade besser gefällt, und die Datei dokumentiert lediglich, wie es sein könnte. Verbindlichkeit heißt nicht Zwang mit Sanktionen, sondern zwei schlichte Dinge: Terminologie ist Prüfpunkt im Review, und Abweichungen werden entweder korrigiert oder als Änderungswunsch in die Termbasis gemeldet. Der dritte Weg – ignorieren – ist keiner.
Der dritte Fehler ist die verweigerte Entscheidung: Zwei Benennungen bleiben nebeneinander stehen, weil sich Konstruktion und Service nicht einigen konnten, und beide werden als zulässig markiert. Damit ist die Termbasis an dieser Stelle wertlos – der ganze Zweck besteht darin, genau eine Benennung festzulegen. Wenn die Fachabteilungen sich nicht einigen, ist das eine Eskalation wert, keine Kompromissformel. In der Praxis lösen sich solche Streitfälle übrigens schnell, sobald jemand die Kostenseite auf den Tisch legt.
Ein vierter Fehler sei ergänzt, weil er besonders ärgerlich ist: die Termbasis, die niemand kennt. Sie existiert, sie ist gepflegt, sie liegt an einem definierten Ort — und die Autoren wissen nichts davon, weil ihre Einführung aus einer Mail bestand. Terminologie braucht eine kurze Einführung im Team, einen sichtbaren Zugriffsweg und die Erwähnung im Review; zusammen sind das vielleicht dreißig Minuten. Ohne sie ist die beste Termbasis eine gut gepflegte Datei, die niemandem nützt — und das ist die traurigste Variante des Scheiterns, weil die eigentliche Arbeit schon getan war.
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⚠ Warnung: Terminologie im Sicherheitskontext Bei sicherheitsrelevanten Inhalten ist uneinheitliche Terminologie mehr als ein Schönheitsfehler. Wenn ein Bauteil im Warnhinweis anders heißt als in der Handlungsanweisung, kann der Leser die Warnung dem falschen Teil zuordnen – oder sie für eine andere Situation halten. Bei Sicherheitszeichen, Not-Aus-Einrichtungen und gefahrbringenden Komponenten ist Benennungskonsistenz deshalb keine Stilfrage, sondern Teil der Instruktionsqualität. Praktische Konsequenz: Sicherheitsrelevante Begriffe kommen zuerst in die Termbasis, nicht zuletzt – und sie bekommen eine strengere Behandlung. Ihre Benennungen orientieren sich an den einschlägigen Vorgaben und werden nicht aus stilistischen Gründen geändert. Und bei der Übersetzung gilt für sie dieselbe Regel wie überall in dieser Serie: maschinelle Vorübersetzung nur mit fachlichem Post-Editing und dokumentierter Prüfung. |
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✓ Praxis-Tipp: Die Verbotsliste als Prüfwerkzeug Der praktischste Nebeneffekt einer gepflegten Termbasis ist die Suchliste: Aus den verbotenen Varianten lässt sich eine simple Prüfroutine bauen – vor jeder Auslieferung eine Suche über die Quelle nach genau diesen Begriffen. Jeder Treffer ist ein Fundort für eine Korrektur, und die Prüfung dauert Minuten statt Stunden. Wer mag, automatisiert das später: Ein kleines Skript oder die Suchfunktion des Redaktionswerkzeugs erzeugt die Fundliste je Dokument. Aber schon die manuelle Variante wirkt sofort – und sie zeigt nebenbei, welche verbotenen Varianten sich besonders hartnäckig halten. Genau die gehören dann in die nächste Team-Besprechung. |
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ℹ Ein typischer Fall aus der Praxis Ein typischer Fall sieht so aus: Ein Hersteller von Verpackungstechnik lässt vor einer größeren Übersetzungsrunde den Bestand prüfen. Die Variantensuche über vierzig zentrale Begriffe fördert zutage, dass für die wichtigste Baugruppe im Bestand fünf verschiedene Benennungen im Umlauf sind – teils historisch gewachsen, teils aus Zulieferer-Unterlagen übernommen, teils schlicht Geschmackssache der jeweiligen Autoren. Der Aufwand für die Bereinigung: ein Vormittag Variantensuche, eine zweistündige Entscheidungssitzung mit Konstruktion und Service, zwei Tage Korrektur im Bestand mithilfe der Verbotsliste. Der Effekt zeigte sich in der folgenden Übersetzungsrunde in einer spürbar niedrigeren Wortzahl für Neuübersetzungen – und in deutlich weniger Rückfragen des Dienstleisters. Seitdem läuft der Kreislauf mit zwanzig Minuten im Monat. |
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Wie groß darf eine Termbasis werden, bevor sie unhandlich wird? In der Praxis tragen Tabellen mehrere hundert bis wenige tausend Einträge problemlos, wenn die Struktur sauber ist und es Such- und Filtermöglichkeiten gibt. Erfahrungsgemäß pendelt sich eine mittelständische Redaktion nach zwei bis drei Jahren bei einigen hundert Einträgen ein — genug, um die relevanten Fälle abzudecken, überschaubar genug, um gepflegt zu werden. Wer nach einem Jahr bei dreitausend Einträgen steht, hat vermutlich zu viel aufgenommen und sollte die Aufnahmekriterien schärfen statt das Werkzeug wechseln.
Wann sich ein System lohnt
Bleibt die Frage nach dem Ausbau. Spezialisierte Terminologiesysteme können deutlich mehr als eine Tabelle: Begriffsorientierte Datenmodelle mit mehreren Benennungen je Konzept, Freigabe-Workflows, Anbindung an Redaktions- und Übersetzungswerkzeuge, Prüffunktionen direkt im Editor, mehrsprachige Pflege mit Rollen. Das ist alles nützlich – und lohnt ab einer Größenordnung, die kleine Redaktionen selten erreichen: einige tausend Einträge, mehrere Redaktionen oder Standorte, viele Zielsprachen mit eigenen Verantwortlichen.
Für den Übergang gilt dieselbe Logik wie bei jeder Systemfrage in dieser Serie: Erst wenn die Grenzen der einfachen Lösung konkret schmerzen, wird gewechselt – und die Schwellen schreibt man vorher auf. Wichtig für die Vorbereitung ist nur eines: Der Export- und Übernahmeweg sollte geklärt sein, bevor die Tabelle tausend Zeilen hat. Eine sauber strukturierte Liste mit klaren Spalten lässt sich in jedes System übernehmen; eine gewachsene Tabelle mit Freitextspalten und Mehrfachangaben in einer Zelle nicht. Struktur zahlt sich also auch hier aus, lange bevor irgendein System im Spiel ist — dieselbe Erfahrung wie bei Vorlagen, Modellen und Ablagen in dieser Serie.
Zum Abschluss der Systemfrage noch ein Hinweis, der Geld spart: Bevor ein eigenes Terminologiesystem angeschafft wird, lohnt der Blick auf das, was ohnehin da ist. Redaktions- und Übersetzungswerkzeuge bringen häufig Terminologiefunktionen mit — von der einfachen Termliste mit Prüffunktion im Editor bis zur Anbindung an die Terminologiedatenbank des Dienstleisters. Oft deckt diese vorhandene Funktionalität den Bedarf mittlerer Redaktionen vollständig ab, und der Umstieg von der Tabelle dorthin ist ein Import statt eines Projekts. Die eigenständige Systemanschaffung ist die letzte Stufe, nicht die zweite.
Fazit
Terminologie-Management ist kein Großprojekt, sondern eine Gewohnheit mit Startpaket: fünfzig Begriffe, fünf Felder, eine Tabelle an einem definierten Ort – und ein Kreislauf aus sammeln, entscheiden, bereitstellen, anwenden und pflegen, der wenige Stunden im Quartal kostet. Der wirtschaftliche Effekt landet direkt in der Übersetzungsrechnung, weil Translation Memory und maschinelle Übersetzung nur mit konsistenten Begriffen funktionieren, und der qualitative Effekt landet beim Leser, der nicht mehr rätseln muss, ob zwei Namen dasselbe Teil meinen.
Der beste erste Schritt kostet eine Stunde: die fünfzig wichtigsten Begriffe aufschreiben und für die ersten fünf im Bestand nachsehen, wie sie sonst noch heißen. Das Ergebnis überzeugt meist ohne weitere Argumente. Wenn du beim Aufbau, bei der Entscheidungsrunde mit den Fachabteilungen oder bei der Anbindung an Übersetzung und Ablage Unterstützung willst: Genau dabei unterstütze ich dich gern; die Details findest du auf der Beratungsseite zur Technischen Dokumentation.
Häufige Fragen zum Terminologie-Einstieg
Womit fangen wir an – welches Werkzeug brauchen wir?
Für den Einstieg genügt eine Tabelle: eine Spalte je Feld, eine Zeile je Begriff, abgelegt an einem Ort, an dem alle sie finden. In der Microsoft-365-Welt bietet sich eine SharePoint-Liste an, weil sie Versionierung, Filterung und Berechtigungen mitbringt und sich später exportieren lässt. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern dass es genau eine Fassung gibt und jemand mit Namen dafür zuständig ist. Spezialsysteme lohnen erst bei einigen tausend Einträgen, mehreren Redaktionen oder vielen Sprachen mit eigenen Verantwortlichen.
Welche Felder braucht ein Termeintrag?
Fünf genügen: die Vorzugsbenennung (genau eine, verbindlich), die verbotenen Varianten, eine Kurzdefinition in einem Satz, die fremdsprachigen Entsprechungen je Zielsprache und ein Status (freigegeben, in Klärung, abgelehnt). Das wichtigste Feld sind die verbotenen Varianten, weil sie die Prüfung ermöglichen – man kann danach suchen. Ausbaufelder wie Kontextbeispiel, Grammatik oder Herkunft kommen später und nur dort, wo sie gebraucht werden. Ein Schema mit zwanzig Feldern wird nach dreißig Einträgen nicht mehr gepflegt.
Was bringt Terminologie bei der Übersetzung konkret?
Zwei messbare Effekte. Erstens: Translation Memory senkt die Preise für Wiederholungen und ähnliche Segmente – aber nur, wenn es Wiederholungen gibt. Uneinheitliche Benennungen machen aus inhaltlich gleichen Sätzen teure Unikate. Zweitens: Maschinelle Übersetzung übersetzt denselben Fachbegriff ohne Vorgabe in mehreren Varianten; eine mitgelieferte Termbasis beendet das und reduziert die Nacharbeit im Post-Editing. Dazu kommt weniger Rückfrageaufwand beim Dienstleister. Der Effekt wächst mit jeder Zielsprache.
Wie halten wir die Termbasis aktuell?
Mit einem kleinen, festen Rhythmus statt großer Aktionen: Kandidaten laufend sammeln (eine Spalte „in Klärung" genügt), gesammelt entscheiden – etwa zwanzig Minuten im Monat –, die Termbasis dort bereitstellen, wo gearbeitet wird, im Review verbindlich anwenden und bestehende Einträge prüfen, wenn Produkte auslaufen. Regelmäßigkeit schlägt Gründlichkeit: Zwanzig Minuten monatlich halten eine Termbasis lebendig, ein halber Tag jährlich nicht. Und es braucht eine benannte Zuständigkeit, sonst macht es niemand.
Wer entscheidet über die Benennungen?
Nicht die Redaktion allein – das ist der häufigste Fehler. Bewährt hat sich eine kurze Entscheidungssitzung mit Konstruktion, Service und gegebenenfalls Marketing: Zwei Stunden reichen für fünfzig Begriffe, wenn die Redaktion Vorschläge und Variantenlisten vorbereitet hat. Terminologie, an der die Fachabteilungen beteiligt waren, wird verteidigt; Terminologie, die ihnen vorgesetzt wurde, wird ignoriert. Wichtig ist, tatsächlich zu entscheiden: Zwei gleichwertige Benennungen nebeneinander stehenzulassen macht den Eintrag wertlos.
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