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KI-generierte Illustrationen in der Technischen Dokumentation

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KI-generierte Illustrationen in der Technischen Dokumentation

Konzept oder Produkt – die Trennlinie, die über den Einsatz von Bildgeneratoren entscheidet

KI-generierte Illustrationen in der Technischen Dokumentation

Abbildungen sind in der Technischen Dokumentation der teuerste Bestandteil pro Fläche. Eine Explosionszeichnung erstellen zu lassen kostet ein Vielfaches dessen, was der zugehörige Text kostet – und wenn sie beschriftet ist, fällt sie bei jeder Sprache erneut an. Kein Wunder also, dass Bildgeneratoren in Redaktionen Interesse wecken: Was in Minuten entsteht statt in Tagen, verändert die Kalkulation für Abbildungen grundlegend.

Und tatsächlich gibt es Einsatzfelder, in denen das gut funktioniert. Es gibt aber auch solche, in denen es nicht nur unpassend, sondern gefährlich ist – und die Grenze verläuft nicht dort, wo die meisten sie zunächst vermuten. Sie verläuft nicht zwischen „sieht gut aus" und „sieht schlecht aus", sondern zwischen zwei Fragen: Zeigt das Bild eine Idee oder ein Produkt? Und: Handelt jemand danach?

Dieser Artikel zieht diese Trennlinie, sortiert Bildtypen in eine Ampel, erklärt, warum bei Abbildungen dieselben Maßstäbe gelten wie beim Text, und liefert sechs Prüfpunkte für den Alltag. Zwei Sonderfälle – genormte Sicherheitszeichen und die Kostenfrage textfreier Grafiken – bekommen eigene Beiträge, weil sie es verdienen.

★ Fakten kompakt

  • Die Abbildung ist Bestandteil der Betriebsanleitung und damit Teil des Produkts – ein irreführendes Bild kann ein Instruktionsfehler sein
  • Die Trennlinie verläuft zwischen Konzeptdarstellung und Produktdarstellung, nicht zwischen Stilen
  • Prüffrage: Kann jemand nach diesem Bild handeln? Wenn ja, ist KI-Erzeugung keine Option
  • Genormte Sicherheitszeichen nach ISO 7010 werden nie generiert, sondern aus normativen Quellen übernommen
  • Rechte an generierten Bildern richten sich nach den Nutzungsbedingungen des jeweiligen Dienstes
  • Herkunft und Freigabe generierter Bilder gehören intern dokumentiert
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    Warum die Frage überhaupt aufkommt

    Der wirtschaftliche Druck ist real und lohnt eine kurze Betrachtung, bevor es um Grenzen geht. Abbildungen sind in der Doku-Kalkulation ein eigener Block: Sie müssen erstellt oder beschafft werden, sie veralten mit jeder Produktänderung, und wenn sie Beschriftungen enthalten, vervielfältigen sie sich mit der Zahl der Sprachen. In Häusern mit vielen Varianten und mehreren Zielmärkten summiert sich das erheblich.

    Dazu kommt ein qualitatives Argument: Viele Anleitungen im Mittelstand sind bildarm, nicht weil Bilder nicht helfen würden, sondern weil sie zu aufwändig sind. Wo ein Foto oder eine Skizze das Verständnis erheblich verbessern würde, steht stattdessen ein Absatz Text – und der wird erfahrungsgemäß schlechter verstanden als eine gute Abbildung. Ein Werkzeug, das die Schwelle zur Illustration senkt, hat deshalb echtes Potenzial für die Verständlichkeit.

    Genau deshalb lohnt es sich, die Frage differenziert zu beantworten statt pauschal abzulehnen. Die pauschale Ablehnung verschenkt einen Nutzen, den es gibt; die pauschale Zustimmung erzeugt ein Risiko, das man nicht will. Was zwischen beiden liegt, ist eine Zuordnung – und die lässt sich klar formulieren.

    Was Generatoren bei technischen Motiven können — und was nicht

    Für die Einordnung hilft ein nüchterner Blick auf die Arbeitsweise dieser Werkzeuge. Ein Bildgenerator hat gelernt, wie Bilder aussehen — welche Formen, Oberflächen, Lichtverhältnisse und Kompositionen zusammen auftreten. Er erzeugt daraus etwas, das wie ein plausibles Bild wirkt. Was er nicht hat, ist ein Modell davon, wie Technik funktioniert: Er weiß nicht, dass eine Leitung irgendwo hinführen muss, dass eine Verschraubung zugänglich sein sollte oder dass ein Hebel einen Drehpunkt braucht.

    Bei Motiven, die vor allem eine Stimmung transportieren, fällt das nicht ins Gewicht — eine angedeutete Werkhalle im Hintergrund muss nicht funktionieren. Bei technischen Motiven schon: Dort erzeugt dasselbe Verfahren Bauteile, die es so nicht gibt, Anschlüsse, die ins Nichts führen, und Mechanismen, die sich nicht bewegen ließen. Das ist also kein vorübergehendes Qualitätsproblem, das sich mit besseren Werkzeugen erledigt, sondern eine grundsätzliche Eigenschaft des Ansatzes.

    Zweitens fehlt der Bezug zum konkreten Produkt. Ein Generator kennt deine Maschine nicht — er kennt Maschinen im Allgemeinen. Was er erzeugt, ist eine Maschine, die es geben könnte, nicht die, die beim Kunden steht. Für ein Titelbild ist das gleichgültig; für eine Wartungsabbildung ist es das Gegenteil von brauchbar. Und drittens: Wo Beschriftungen im Bild entstehen, sind sie in aller Regel unbrauchbar — verfremdete Wörter, sinnlose Zeichenfolgen. Was für den grünen Bereich egal ist, macht den Einsatz im gelben zusätzlich aufwändig.

    Die Trennlinie: Konzept oder Produkt

    Eine Konzeptdarstellung zeigt, wie etwas ungefähr funktioniert oder aussieht. Sie erhebt keinen Anspruch auf Genauigkeit, niemand handelt nach ihr, und ein Fehler im Detail ändert nichts an ihrer Aussage. Ein Titelbild, eine Prinzipskizze, eine Schulungsgrafik, die den Materialfluss einer Anlage andeutet – bei all dem ist es unerheblich, ob die dargestellte Maschine exakt so aussieht wie die reale.

    Eine Produktdarstellung dagegen zeigt, wie es tatsächlich ist. Sie muss der Wirklichkeit entsprechen, weil der Leser genau nach ihr handelt: Er sucht den Hebel dort, wo er im Bild sitzt, greift zu dem Teil, das abgebildet ist, und schließt die Leitung an den gezeigten Anschluss an. Ein Fehler im Detail führt hier unmittelbar in die Irre – und im ungünstigen Fall unmittelbar in eine Gefahrensituation.

    Die Prüffrage lautet deshalb: Kann jemand nach diesem Bild handeln? Wenn ja, gehört es in die zweite Kategorie – und zwar unabhängig davon, wie schematisch es gezeichnet ist. Eine stark vereinfachte Strichzeichnung, die zeigt, welche Schraube zuerst gelöst wird, ist eine Produktdarstellung; ein fotorealistisches Stimmungsbild der Werkhalle ist es nicht. Nicht der Stil entscheidet über die Kategorie, sondern die Verwendung.

    Infografik: Konzeptdarstellung vs. Produktdarstellung mit Prüffrage zur Handlungsrelevanz von Bildern

    Abb.: Zwei Kategorien mit klaren Merkmalen – und eine Prüffrage, die sie unterscheidet.

    Die Ampel: Bildtypen sortiert

    Aus dieser Trennlinie ergibt sich eine praktikable Sortierung. Grün – also unbedenklich – sind Stimmungs- und Titelbilder, abstrakte Konzeptdarstellungen, Hintergründe, Schulungs- und Marketingmaterial neben der eigentlichen Anleitung sowie Prinzipskizzen, die erkennbar keinen Anspruch auf Maßstäblichkeit erheben. Auch Entwürfe zur Ideenfindung gehören hierher: Wer sich Varianten eines Piktogramms erzeugen lässt, um eine Richtung zu finden, nutzt das Werkzeug genau richtig – solange das Ergebnis anschließend sauber neu gezeichnet wird.

    Gelb – also nur mit fachlicher Prüfung – sind Ablaufdarstellungen und Funktionsprinzipien, Umgebungs- und Arbeitsplatzszenen sowie symbolische Darstellungen von Werkzeugen und Schutzausrüstung. Hier wird es heikel, weil falsche Details bereits irreführen können: Eine Arbeitsplatzszene, in der jemand ohne Schutzbrille an einer Maschine steht, transportiert eine Botschaft, die niemand beabsichtigt hat. Ebenfalls gelb sind Bildvorlagen, die anschließend von Hand überarbeitet werden – der praktisch nützlichste Einsatz überhaupt.

    Rot – also nicht generieren – sind Darstellungen des konkreten Produkts, Bedienelemente und ihre Anordnung, Handlungsabbildungen, genormte Sicherheitszeichen, Anschlusspläne und Schaltbilder, Explosionszeichnungen, Ersatzteildarstellungen, Maßangaben im Bild und Screenshots realer Bedienoberflächen. Was diese Fälle eint, ist die Kombination aus zwei Eigenschaften: Jemand handelt danach, und das Bild ist Teil der Instruktion. Die Quelle für solche Abbildungen sind Konstruktionsdaten, Fotografien oder eine Zeichnung nach Vorlage – nicht ein Generator.

    Ein Grenzfall verdient Erwähnung, weil er häufig vorkommt: die Abbildung, die zunächst grün wirkt und durch ihre Platzierung rot wird. Ein generisches Bild einer Person mit Schutzhandschuhen ist als Konzeptgrafik unproblematisch — steht es aber direkt neben einer Handlungsanweisung, wird es als Darstellung genau dieser Handlung gelesen. Die Kategorie hängt also nicht nur am Motiv, sondern auch am Kontext, in dem es erscheint. Wer ein Bild an eine andere Stelle verschiebt, prüft die Einordnung deshalb neu.

    Ampel-Matrix: Grün, Gelb und Rot kennzeichnen erlaubte, prüfpflichtige und verbotene KI-Bildtypen

    Abb.: Drei Bereiche mit je einem Kriterium – die Zuordnung folgt der Verwendung, nicht dem Stil.

    Bildtyp

    Einordnung

    Wo die Grenze liegt

    Titelbild, Stimmungsbild

    Grün

    Keine erkennbaren fremden Marken

    Prinzipskizze zum Funktionsablauf

    Grün

    Nicht maßstäblich wirken lassen

    Arbeitsplatz- oder Umgebungsszene

    Gelb

    Schutzausrüstung und Haltung prüfen

    Vorlage zur Weiterbearbeitung

    Gelb

    Das Endergebnis wird gezeichnet, nicht generiert

    Bedienelement, Handgriff, Anschluss

    Rot

    Quelle sind Konstruktion oder Fotografie

    Sicherheitszeichen nach Norm

    Rot

    Nur aus normativer Quelle übernehmen

     

    Warum dieselben Maßstäbe gelten wie beim Text

    Die Betriebsanleitung ist Teil des Produkts, und die Abbildungen darin sind Teil der Anleitung. Daraus folgt, dass ein irreführendes Bild dieselbe Qualität von Problem darstellt wie ein irreführender Satz: einen Instruktionsfehler. Ob ein Mensch es gezeichnet, ein Dienstleister es geliefert oder ein Generator es erzeugt hat, ändert an dieser Zuordnung nichts – die Verantwortung liegt beim Hersteller, der es in seine Anleitung aufgenommen hat.

    Drei Eigenschaften machen Abbildungen dabei besonders heikel. Erstens wirken Bilder stärker als Text: Wer eine Abbildung sieht, liest die zugehörige Beschreibung oft nicht mehr genau – im Konfliktfall gewinnt das Bild. Ein Widerspruch zwischen Text und Abbildung ist deshalb keine Kleinigkeit, sondern eine Fehlerquelle mit Vorrang für die falsche Seite.

    Zweitens wirken KI-erzeugte Bilder echt. Sie sehen aus wie Fotografien oder wie professionelle technische Zeichnungen, und der Leser nimmt sie entsprechend als belegt wahr – als Abbildung von etwas, das jemand gesehen hat. Diese Plausibilität ohne Grundlage ist dieselbe Eigenschaft, die auch KI-erzeugten Text so heikel macht. Und drittens sind die Fehler subtil: ein Hebel an der falschen Seite, eine Schraube zu viel, ein Bauteil, das es an dieser Stelle nicht gibt. Auf den ersten Blick stimmig, im Detail falsch – und niemand prüft eine Abbildung so genau, wie er einen Satz prüfen würde.

    Infografik: Drei Risiken KI-generierter Bilder in Anleitungen – Wirkung, Echtheit, subtile Fehler

    Abb.: Drei Eigenschaften, die Abbildungen heikel machen – und die Schlussfolgerung daraus.

    ⚠ Warnung: Das plausible Bauteil

    Der typische Fehler eines Bildgenerators bei technischen Motiven ist nicht die offensichtliche Absurdität — die fällt auf und wird verworfen. Es ist das plausible Detail, das es so nicht gibt: ein Anschluss in der richtigen Bauform an der falschen Position, eine Verschraubung, die im Original eine Schnellkupplung ist, ein Bedienfeld mit vier Tasten statt drei. Solche Bilder wirken durchweg professionell und sind trotzdem falsch.

    Besonders unangenehm daran: Wer die Maschine kennt, übersieht solche Details leicht, weil das Gehirn das Bekannte ergänzt. Wer sie nicht kennt — also der Leser —, hat keine Chance, den Fehler zu bemerken. Deshalb reicht bei technischen Motiven kein prüfender Blick der Redaktion; es braucht jemanden aus Konstruktion oder Service, der das Bild gegen das reale Bauteil hält.

     

    Ein zweiter Grenzfall betrifft die Bearbeitung vorhandener Bilder. Viele Werkzeuge können nicht nur erzeugen, sondern auch verändern — Hintergründe entfernen, Ausschnitte erweitern, Störendes wegretuschieren. Bei einem Foto der eigenen Maschine ist das zunächst harmlos: Ein aufgeräumter Hintergrund verbessert die Lesbarkeit. Heikel wird es, sobald die Bearbeitung das Motiv selbst betrifft — wenn ein erweiterter Bildausschnitt Bauteile ergänzt, die das Werkzeug erfindet, oder wenn eine Retusche etwas entfernt, das tatsächlich vorhanden ist.

    Die Regel dafür ist einfach zu merken: Bearbeitung ja, Ergänzung nein. Zuschneiden, aufhellen, freistellen, Hintergrund neutralisieren — alles unproblematisch. Alles, was das Werkzeug hinzuerfindet, fällt unter dieselbe Bewertung wie ein vollständig generiertes Bild. Bei erweiterten Ausschnitten lohnt deshalb ein prüfender Blick auf die Ränder: Dort entstehen die Ergänzungen, und dort fallen sie am wenigsten auf.

    Der praktisch nützlichste Einsatz

    Zwischen Grün und Rot liegt ein Feld, das in der Praxis den größten Nutzen bringt und selten diskutiert wird: die Bildvorlage. Statt eine fertige Abbildung erzeugen zu lassen, nutzt man den Generator, um eine Bildidee zu entwickeln – Perspektive, Bildausschnitt, Anordnung der Elemente, Stimmung. Das Ergebnis wird nicht verwendet, sondern dient als Vorlage für eine Zeichnung nach Konstruktionsdaten oder als Vorgabe für den Fotografen.

    Dieser Umweg klingt nach Mehraufwand und spart tatsächlich Zeit, weil er die teuerste Schleife verkürzt: die Abstimmung darüber, wie ein Bild aussehen soll. Statt einen Illustrator dreimal einen Entwurf überarbeiten zu lassen, legt man ihm eine visuelle Vorgabe vor. Statt dem Fotografen zu erklären, welche Perspektive gemeint ist, zeigt man sie. Der Generator ersetzt dabei niemanden, er beschleunigt lediglich die Verständigung darüber, was gemeint ist.

    Ähnlich nützlich ist der Einsatz bei Konzeptgrafiken für Schulungsunterlagen und Vertriebsmaterial – Bereiche, die neben der Anleitung liegen und andere Anforderungen haben. Dort ist der Zugewinn unmittelbar, das Risiko gering, und die Redaktion sammelt Erfahrung mit den Werkzeugen, ohne dass ein Fehler in eine Betriebsanleitung gerät. Wer mit diesen Werkzeugen anfangen will, fängt genau hier an — und nicht bei der Wartungsabbildung.

    Eine Beobachtung zur Bildsprache gehört ergänzt, weil sie über den Einzelfall hinausgeht: Generierte Bilder haben einen erkennbaren Stil, und wer viele davon einsetzt, bekommt einen Bestand, der gleichförmiger wirkt als gewollt. In Schulungsunterlagen mag das unerheblich sein; in Publikationen, die das Unternehmen nach außen vertreten, ist die eigene Bildsprache ein Wert. Wer sie erhalten will, gibt bestehende Bilder als Stilvorgabe mit — oder nutzt den Generator nur für Vorlagen und lässt das Endergebnis von Hand entstehen.

    Für die Praxis lohnt eine Ergänzung zum Umgang mit dem gelben Bereich, weil dort die meiste Arbeit anfällt. Bewährt hat sich, den Prüfschritt nicht der Redaktion allein zu überlassen, sondern ihn dorthin zu geben, wo das Fachwissen sitzt — bei Arbeitsplatzszenen an die Sicherheitsfachkraft, bei Funktionsdarstellungen an die Konstruktion. Das kostet je Bild wenige Minuten und ist derselbe Weg, den ein sicherheitsrelevanter Textabschnitt ohnehin geht. Wer diesen Prüfschritt einspart, verlagert das Risiko lediglich.

    Praktisch heißt das auch: Bilder gehören in den normalen Review-Durchlauf, nicht in einen getrennten. In vielen Redaktionen werden Texte geprüft und Abbildungen nebenbei durchgewinkt — ein Muster, das schon vor KI bestand und nun folgenreicher wird. Ein Review, das den Text prüft und das Bild daneben unbesehen lässt, prüft am Ende nur die Hälfte der Aussage.

    Für Häuser mit vorhandenen Konstruktionsdaten lohnt außerdem der Hinweis, dass es für den roten Bereich längst bessere Wege gibt als beides — Generator wie Fotografie. Aus dreidimensionalen Konstruktionsmodellen lassen sich Ansichten, Explosionsdarstellungen und Schnitte automatisiert ableiten, und sie sind per Definition richtig, weil sie aus derselben Quelle stammen wie das Produkt. Wo dieser Weg offensteht, ist die KI-Frage für Produktabbildungen ohnehin gegenstandslos: Die bessere Lösung liegt bereits vor.

    Interessant ist dabei die Verschiebung des Engpasses. Wo Konstruktionsdaten vorliegen, ist nicht die Erstellung der Abbildung das Problem, sondern die Aktualität: Ändert sich das Modell, muss die Abbildung nachgezogen werden — und genau das unterbleibt oft. Ein Bild, das aus der Konstruktion abgeleitet wurde und drei Produktstände alt ist, ist ebenso falsch wie ein generiertes. Die Quelle allein garantiert nichts; es braucht zusätzlich einen Ablauf, der Änderungen weiterreicht.

    Rechte, Marken und Kennzeichnung

    Neben der fachlichen Seite gibt es eine rechtliche, und sie sollte einmal geklärt und dann festgehalten werden. Erstens die Rechte am erzeugten Bild: Was mit generierten Bildern geschehen darf, richtet sich nach den Nutzungsbedingungen des jeweiligen Dienstes, und die unterscheiden sich – insbesondere bei der Frage der gewerblichen Verwendung und bei kostenfreien gegenüber bezahlten Zugängen. Diese Bedingungen ändern sich außerdem, weshalb eine einmalige Prüfung mit Datum und eine gelegentliche Nachschau sinnvoll sind.

    Zweitens fremde Merkmale im Bild. Generatoren erzeugen gelegentlich Motive, die erkennbare Marken, Logos, charakteristische Produktformen oder Gesichter enthalten – auch ohne dass man danach gefragt hat. Solche Bilder gehören nicht in eine Publikation, und die Prüfung darauf ist Teil der Sichtung. Im Zweifel verwirft man ein Bild lieber, als es zu bearbeiten; ein neues Bild zu erzeugen kostet Minuten, eine rechtliche Auseinandersetzung kostet erheblich mehr.

    Drittens die Kennzeichnung. Ob und wie KI-erzeugte Inhalte gekennzeichnet werden müssen, ist eine Frage, die sich rechtlich gerade weiterentwickelt und die man mit der Rechtsabteilung klären sollte statt mit einem Fachartikel. Unabhängig davon ist die interne Dokumentation sinnvoll: Welcher Dienst, welche Anweisung, wann erzeugt, wer hat freigegeben? Diese Angaben kosten eine Zeile und sind später schwer zu rekonstruieren – etwa wenn ein Bild überarbeitet werden soll oder wenn im Haus oder von außen eine Frage zur Herkunft aufkommt.

    Sechs Prüfpunkte für KI-Bilder in der Dokumentation: Kategorie, Stimmigkeit, Sicherheit, Rechte, Merkmale, Herkunft

    Abb.: Sechs Prüfpunkte – der erste entscheidet, ob die übrigen überhaupt zum Tragen kommen.

    ✓ Praxis-Tipp: Die Bildherkunfts-Zeile

    Führe für jede Abbildung im Bestand eine Zeile mit: Dateiname, Herkunft (Foto, Zeichnung, Zulieferer, generiert), bei generierten Bildern zusätzlich Dienst und Datum, sowie die Person, die sie freigegeben hat. Diese Angaben passen in eine Tabelle oder in die Metadaten der Bilddatei und kosten beim Anlegen Sekunden.

    Der Nutzen zeigt sich später: Wenn ein Bild überarbeitet werden muss, weiß man, womit es entstand. Wenn sich Nutzungsbedingungen ändern, weiß man, welche Bilder betroffen sind. Und wenn jemand fragt, woher eine Abbildung stammt, gibt es eine Antwort — statt einer Rekonstruktion aus dem Gedächtnis, die bei einem drei Jahre alten Bestand nicht mehr gelingt.

     

    ℹ Ein typischer Fall aus der Praxis

    Ein typischer Fall sieht so aus: Eine Redaktion erzeugt für ein Schulungshandbuch eine Reihe von Arbeitsplatzszenen — Personen an Maschinen, in unterschiedlichen Situationen. Die Bilder wirken professionell und passen zum Thema. Beim Review durch die Sicherheitsfachkraft fallen drei Dinge auf: Auf einem Bild fehlt die Schutzbrille, auf einem zweiten greift eine Person in einen Bereich, der bei laufender Anlage gesperrt wäre, und auf dem dritten fehlt eine Abdeckung, die konstruktiv vorhanden ist.

    Keines dieser Details war beabsichtigt, und keines wäre der Redaktion aufgefallen — sie hatte auf Bildqualität und Stimmigkeit geachtet, nicht auf Arbeitssicherheit. Die Konsequenz war eine Ergänzung des Prüfwegs: Bilder mit Personen an Maschinen gehen grundsätzlich durch dieselbe Prüfung wie sicherheitsrelevanter Text. Die drei Bilder wurden verworfen, die übrigen blieben — und der Prüfschritt kostet seitdem wenige Minuten je Bild.

     

    Was das für den Redaktionsalltag bedeutet

    Aus alledem folgt eine Hausregel, die auf eine halbe Seite passt. Erstens die Zuordnung: Konzeptbilder dürfen generiert werden, Produktbilder nicht – mit der Prüffrage, ob jemand nach dem Bild handeln kann. Zweitens die Prüfpflicht für alles Gelbe: fachliche Stimmigkeit und Sicherheitsbezug werden von jemandem geprüft, der das Produkt kennt. Drittens die Rechtefrage, einmal geklärt und mit Datum festgehalten. Und viertens die Herkunftsdokumentation.

    Diese Regel ist keine Bürokratie, sondern eine Entlastung – aus demselben Grund wie bei KI-erzeugtem Text: Sie erlaubt den offenen Einsatz dort, wo er unproblematisch ist, und beendet die Grauzone, in der jeder für sich entscheidet. Denn genutzt werden diese Werkzeuge ohnehin, gerade weil sie so leicht zugänglich sind. Die Frage ist nur, ob mit Regeln und offen oder heimlich und unkontrolliert.

    Zwei Themen aus dem roten Bereich verdienen eine eigene Betrachtung. Genormte Sicherheitszeichen sind ein Sonderfall, bei dem „fast richtig" schlimmer ist als gar nichts – sie haben eine definierte Form, weil sie ohne Text verstanden werden müssen, und eine Variation zerstört genau diese Eigenschaft. Und die Frage, wie sich Bildkosten bei mehreren Sprachen senken lassen, führt zu einer Antwort, die mit KI wenig zu tun hat: textfreie Grafiken mit Legende. Beide Themen behandeln deshalb eigene Beiträge dieser Serie ausführlich.

    Eine wirtschaftliche Anmerkung zum Schluss dieses Kapitels: Die erhoffte Kostenersparnis stellt sich im roten Bereich gar nicht erst ein — dort ist der Generator aus den genannten Gründen schlicht nicht einsetzbar. Im gelben Bereich fällt sie moderat aus, weil der Prüfaufwand einen Teil des Zeitgewinns aufzehrt. Nur im grünen Bereich ist sie ungeschmälert. Wer mit der Erwartung startet, die Bildkosten insgesamt zu halbieren, wird enttäuscht; wer die drei Bereiche unterscheidet, bekommt einen realistischen Nutzen — und weiß genau, an welcher Stelle er entsteht.

    Bleibt die Frage, ob sich diese Einordnung mit besseren Werkzeugen verschiebt. Teilweise ja: Die Bildqualität steigt, die groben Fehler werden seltener, und Werkzeuge, die auf Konstruktionsdaten aufsetzen statt frei zu erzeugen, könnten den roten Bereich künftig anders aussehen lassen. Was sich nicht ändert, ist die Ursache der Zuordnung — sie hängt nicht an der Qualität des Bildes, sondern daran, ob es der Wirklichkeit des konkreten Produkts entspricht. Ein Werkzeug, das die reale Maschine nicht kennt, kann sie auch nicht richtig abbilden, wie gut es auch zeichnet.

    Und ein zweiter Punkt bleibt unabhängig von jeder Werkzeugentwicklung bestehen: Die Prüfung. Je besser die Bilder werden, desto schwerer werden Fehler zu entdecken — weil die offensichtlichen Auffälligkeiten verschwinden und nur die subtilen bleiben. Das ist dasselbe Muster wie bei KI-erzeugtem Text, und die Konsequenz ist dieselbe: Die Prüfung wird nicht überflüssig, sondern gezielter — sie verlagert sich auf die Stellen, an denen tatsächlich etwas auf dem Spiel steht.

    Ein praktischer Hinweis zur Einführung: Wie bei KI-Text lohnt es, im grünen Bereich zu beginnen und dort einige Wochen zu bleiben. Titelbilder für interne Unterlagen, Konzeptgrafiken für Schulungen, Bildvorlagen für Abstimmungen — das erzeugt Vertrautheit mit den Werkzeugen und ihren typischen Schwächen, ohne dass etwas in eine Betriebsanleitung geraten kann. Erst danach folgt der gelbe Bereich, gemeinsam mit dem Prüfweg. Der rote Bereich bleibt, wo er ist.

    Wer diese Reihenfolge einhält, macht nebenbei eine nützliche Erfahrung: Man lernt die Fehlerarten kennen, bevor sie folgenreich werden. Nach zwanzig erzeugten Bildern hat jeder ein Gefühl dafür, wo diese Werkzeuge danebenliegen — bei Beschriftungen, bei mechanischen Details, bei der Zahl von Bauteilen. Dieses Gefühl ist die beste Vorbereitung auf den gelben Bereich, und es lässt sich nicht durch Lektüre ersetzen.

    Fazit

    KI-Bildgeneratoren haben in der Technischen Dokumentation einen Platz – aber einen klar umrissenen. Die Trennlinie verläuft zwischen Konzeptdarstellung und Produktdarstellung, und die Prüffrage lautet: Kann jemand nach diesem Bild handeln? Wo die Antwort ja lautet, ist die Quelle die Konstruktion oder die Kamera, nicht der Generator – weil die Abbildung Teil der Anleitung und damit Teil des Produkts ist.

    Der lohnendste Einsatz liegt dabei nicht dort, wo die Diskussion ihn vermutet: nicht bei fertigen Abbildungen, sondern bei Bildvorlagen, Konzeptgrafiken und Schulungsmaterial. Dort spart man Abstimmungsschleifen statt Illustratoren einzusparen, und das Risiko bleibt gering. Der beste erste Schritt ist die Hausregel auf einer halben Seite. Wenn du bei ihrer Formulierung oder bei der Einordnung deiner Bildtypen Unterstützung willst: Genau dabei unterstütze ich dich gern; die Details findest du auf der Beratungsseite zur Technischen Dokumentation.

    Häufige Fragen zu KI-Illustrationen

    Dürfen wir KI-Bilder in Betriebsanleitungen verwenden?

    Das hängt vom Bildtyp ab. Konzeptdarstellungen – Titelbilder, Prinzipskizzen, abstrakte Grafiken – sind unproblematisch, solange keine fremden Marken enthalten sind und die Nutzungsbedingungen des Dienstes das hergeben. Produktdarstellungen dagegen nicht: Bedienelemente, Handgriffe, Anschlüsse, Ersatzteile, Schaltbilder. Die Prüffrage lautet: Kann jemand nach diesem Bild handeln? Wenn ja, muss es der Wirklichkeit entsprechen, und dafür sind Konstruktionsdaten oder Fotografien die Quelle.

    Woran erkenne ich, ob ein Bild in den roten Bereich fällt?

    Nicht am Stil, sondern an der Verwendung. Eine stark vereinfachte Strichzeichnung, die zeigt, welche Schraube zuerst gelöst wird, ist eine Produktdarstellung – ein fotorealistisches Stimmungsbild der Werkhalle nicht. Entscheidend ist, ob der Leser das Bild als Handlungsgrundlage nutzt: Sucht er den Hebel dort, wo er im Bild sitzt? Greift er zu dem abgebildeten Teil? Wenn ja, muss die Abbildung stimmen, und ein generiertes Bild kann das nicht garantieren.

    Was ist der sinnvollste Einsatz in der Redaktion?

    Die Bildvorlage. Statt eine fertige Abbildung erzeugen zu lassen, nutzt man den Generator, um eine Bildidee zu entwickeln – Perspektive, Ausschnitt, Anordnung, Stimmung – und legt das Ergebnis dem Illustrator oder Fotografen als visuelle Vorgabe vor. Das verkürzt die teuerste Schleife, nämlich die Abstimmung darüber, wie ein Bild aussehen soll. Ebenfalls lohnend sind Konzeptgrafiken für Schulungs- und Vertriebsmaterial: unmittelbarer Nutzen, geringes Risiko, gute Gelegenheit zum Erfahrungsaufbau.

    Müssen wir KI-Bilder kennzeichnen?

    Diese Frage entwickelt sich rechtlich gerade weiter und gehört mit der Rechtsabteilung geklärt, nicht anhand eines Fachartikels entschieden. Unabhängig davon ist die interne Dokumentation der Herkunft sinnvoll und günstig: Welcher Dienst, welche Anweisung, wann erzeugt, wer hat freigegeben? Diese Angaben kosten beim Anlegen Sekunden und sind später kaum zu rekonstruieren – etwa wenn ein Bild überarbeitet werden soll oder wenn Nutzungsbedingungen sich ändern und man wissen muss, welche Bilder betroffen sind.

    Wie prüfen wir ein generiertes Bild richtig?

    In sechs Punkten, wobei der erste über den Rest entscheidet. Erstens die Kategorie: Konzept oder Produkt? Bei „Produkt" endet die Prüfung sofort. Zweitens die fachliche Stimmigkeit – zeigt das Bild etwas, das technisch nicht funktionieren kann? Drittens der Sicherheitsbezug: fehlende Schutzausrüstung, falsche Haltung, fehlende Abdeckung. Viertens die Rechtefrage, fünftens fremde Marken oder Gesichter im Bild, sechstens die Dokumentation der Herkunft. Punkt zwei und drei brauchen jemanden aus Konstruktion oder Service.

     

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