Power Apps Low-Code Updates September 2026
KI-Agenten, Generative Pages und die Lizenzuhr tickt|
KATEGORIE: POWER PLATFORM |
|---|
Power Apps Low-Code Updates
Die KI baut jetzt deine Apps. Wer sie bezahlt, klärt ab Februar 2027 die Lizenzprüfung.
Executive Summary
Microsoft hat mit dem Feature-Update vom September 2026 die Power Apps einmal kräftig durchgeschüttelt. Die Kurzversion: Du kannst ganze Model-driven Apps jetzt per natürlicher Sprache aus einem Coding-Agenten heraus erzeugen lassen, Canvas-Apps bekommen einen eigenen Authoring-Agenten, Generative Pages sitzen direkt im Formular, und Offline-Apps dürfen endlich live mit Dataverse reden. Klingt nach Weihnachten im September.
Der Haken kommt, wie immer bei Microsoft, auf Seite zwei des Lizenzleitfadens: Ab Februar 2027 prüft Power Apps Lizenzen konsequent. Wer bisher Model-driven Apps, Apps in Managed Environments oder Apps außerhalb des Dynamics-365-Kontexts ohne Premium-Lizenz genutzt hat, weil es halt technisch ging, sieht dann keine App mehr, sondern einen freundlichen Hinweis. Freundlich für Microsoft, nicht für deinen Vertriebsleiter.
Unterm Strich: Die Werkzeuge werden schneller, die Governance muss mitziehen, und das Lizenzbudget gehört jetzt auf die Agenda – nicht erst, wenn im Februar das Telefon im Helpdesk glüht.
|
ℹ Fakten: Das Update in drei Sätzen Header- und Navigations-Refresh für Model-driven Apps ist mit Version 2609.1 allgemein verfügbar. App-Builder-Skill, Canvas-Authoring-Agent und eingebettete Generative Pages sind ebenfalls GA. Display Density und Connector-Unterstützung für Generative Pages laufen noch als Public Preview. |
|---|
Worum geht es im Detail?
Um die Tragweite zu verstehen, lohnt ein kurzer Blick zurück. Low-Code war ursprünglich das Versprechen, dass der Fachbereich seine Excel-Makros endlich in etwas mit Benutzeroberfläche verwandelt, ohne dass die IT jedes Mal einen Change-Request mit drei Unterschriften braucht. Das hat funktioniert – so gut, dass viele Unternehmen heute Hunderte Apps haben, von denen niemand weiß, wem sie gehören. Microsoft dreht jetzt an beiden Enden gleichzeitig: Das Bauen wird dank KI noch schneller, und das Betreiben wird dank Lizenzdurchsetzung und Governance-Werkzeugen erwachsener.
Vibe Coding, jetzt mit Tabellen. Der neue Model App-Builder Skill lässt dich komplette Model-driven Apps in natürlicher Sprache beschreiben – aus GitHub Copilot CLI oder Claude Code heraus. Heraus kommen Tabellen, Spalten, Beziehungen, Formulare, Ansichten, Diagramme, Generative Pages, Sitemap, JavaScript-Validierung, Sicherheitsrollen, Geschäftsprozessflüsse und Geschäftsregeln. Bevor irgendetwas deployt wird, musst du zustimmen. Das ist gut so, denn eine KI, die Sicherheitsrollen eigenständig verteilt, ist ungefähr so beruhigend wie ein Praktikant mit Domain-Admin-Rechten.
Für Canvas-Apps gibt es parallel das Canvas Authoring Agent Plugin: Dein bevorzugter Coding-Agent kann Canvas-Apps anlegen, inspizieren und ändern. Der Hintergrund ist strategisch: Microsoft will, dass Profi-Entwickler und KI-Agenten die Power Platform als Zielplattform behandeln, statt daneben eine eigene React-App mit eigenem Backend hochzuziehen. Passend dazu ist seit Juli 2026 die CLI für Connectoren in Code Apps allgemein verfügbar.
Generative Pages werden erwachsen. Seit April 2026 weltweit verfügbar, lassen sie sich jetzt direkt in Formularabschnitte oder Registerkarten einer Model-driven App einbetten. Die Seite bekommt den Parameter _recordId, das Formular übergibt die aktuelle Datensatz-ID beim Laden automatisch. In der Preview greifen Generative Pages zudem über das Connector-Ökosystem auf Daten außerhalb von Dataverse zu – über vorhandene Verbindungsreferenzen.
Dataverse und Offline. Der Online-Modus für Canvas-Apps (Preview seit August, GA für September geplant) lässt dich steuern, wann eine Offline-App frische Daten live aus Dataverse zieht und wann sie mit der lokalen Kopie arbeitet. Offline-Profile lassen sich außerdem über einen FetchXML-Editor konfigurieren. Wer je einen Außendienstler im Funkloch zwischen zwei Kuhweiden erlebt hat, weiß, warum das zählt.
Oberfläche und Controls. Neue Fluent-2-Screen-Vorlagen ersetzen die klassischen Templates, Modern Controls lassen sich pro Bildschirm gesammelt aktualisieren, und es gibt Progress Bar, Avatar und Spinner. Model-driven Apps bekommen einen aufgeräumten Header, eine schlankere Sitemap und einen mitlaufenden kompakten Header. Die Display Density (komfortabel, gemütlich, kompakt) ist in der Preview und setzt den neuen Header voraus.
|
Feature |
Bereich |
Status Sept. 2026 |
Was es für dich heißt |
|---|---|---|---|
|
Model App-Builder Skill |
Model-driven, KI |
GA |
Ganze Apps per Prompt – Freigabe durch Menschen bleibt Pflicht |
|
Canvas Authoring Agent Plugin |
Canvas, KI |
GA |
Coding-Agenten bauen und ändern Canvas-Apps |
|
Generative Pages im Formular |
Model-driven |
GA |
KI-Seiten direkt neben den Feldern eines Datensatzes |
|
Generative Pages mit Connectoren |
Model-driven |
Preview |
Daten jenseits von Dataverse – DLP beachten |
|
Online-Modus für Offline-Apps |
Canvas, Dataverse |
Preview → GA |
Live-Zugriff statt Sync-Lotterie |
|
Header- und Navigations-Refresh |
Model-driven |
GA (2609.1) |
Mehr Arbeitsfläche, Opt-in |
|
Display Density |
Model-driven |
Preview |
Kompakte Ansicht für Datenjunkies |
|
Fluent-2-Screen-Vorlagen, Modern Controls |
Canvas |
GA |
Moderne Optik ohne Handarbeit |
|
★ Wichtig: Die Roadmap zieht um Seit September 2026 veröffentlicht Microsoft keine klassischen Release Plans mehr. Neue Funktionen für Dynamics 365, Power Platform und Dataverse landen in der AI at Work Roadmap. Wer seine Planung bisher an den Release Waves ausgerichtet hat, muss seinen Radar umstellen. |
|---|

Abbildung 1: Zeitleiste der Power-Apps-Neuerungen 2026 bis zum Lizenz-Enforcement im Februar 2027
Was sind Chancen? Was sind Risiken?
Fangen wir mit den guten Nachrichten an, bevor wir zum Teil kommen, bei dem der Controller zu weinen beginnt.
Die größte Chance ist Geschwindigkeit mit Struktur. Ein Beispiel aus einem Mittelständler im Sauerland: Die Qualitätssicherung wollte eine Reklamations-App. Früher: vier Wochen Anforderungsworkshops, drei Wochen Bau, zwei Wochen Streit über die Farbe der Buttons. Mit einem App-Builder-Ansatz stand der erste Entwurf mit Tabellen, Formularen und Rollen an einem Nachmittag. Der Streit über die Buttonfarbe dauerte trotzdem zwei Wochen – manche Dinge löst keine KI.
Die zweite Chance: Profi-Entwickler und Low-Code-Maker arbeiten endlich auf derselben Plattform. Mit Dataverse-Git-Integration (Umgebungs- oder Lösungsbindung an GitHub oder Azure DevOps) und Pipelines bekommt Low-Code das, was echte Software schon immer hatte: Versionsverwaltung, Reviews, nachvollziehbare Deployments.
Und die Risiken? Die sind handfest. Wenn eine KI in zehn Minuten eine App baut, baut der Fachbereich in einem Monat zweihundert. Schatten-IT war früher mühsam, jetzt ist sie ein Prompt. Dazu kommt die Lizenzfrage: Viele Unternehmen profitieren aktuell davon, dass Microsoft bei Model-driven Apps und Managed Environments bisher großzügig weggeschaut hat. Ab Februar 2027 schaut Microsoft hin. Nutzer ohne passende Lizenz können die App dann schlicht nicht mehr öffnen.
|
Chancen |
Risiken |
|---|---|
|
Apps in Stunden statt Wochen dank App-Builder-Skill und Canvas-Agent |
App-Wildwuchs: Jeder Prompt erzeugt neue Tabellen, Rollen und Abhängigkeiten |
|
Generative Pages direkt im Datensatz-Kontext |
Connector-Zugriff aus Generative Pages kann DLP-Lücken reißen |
|
Offline-Apps mit Live-Zugriff auf Dataverse |
Unklare Konfliktlogik zwischen Offline-Kopie und Live-Daten |
|
Git-Integration und Pipelines für sauberes ALM |
Maker ohne ALM-Erfahrung umgehen den Prozess per Export-Import |
|
Service Principals als Flow-Besitzer: Prozesse überleben Kündigungen |
Service Principals brauchen Process-Lizenz oder Zuordnung – sonst stoppt der Flow |
|
Moderne, einheitliche Oberfläche |
Lizenz-Enforcement ab Februar 2027 sperrt unlizenzierte Nutzer aus |
Warum macht Microsoft das ausgerechnet jetzt? Die Vorgeschichte ist lang. Schon 2019 hat Microsoft die Nutzungsrechte der in Microsoft 365 enthaltenen Power Apps beschnitten und Connectoren wie SQL Server zu Premium erklärt. Bestehende Apps durften als „grandfathered“ bis Oktober 2024 weiterlaufen. Danach galt die Regel, nur geprüft wurde sie lückenhaft. Das Muster kennst du von Finanzämtern: Erst ein Gesetz, dann jahrelang Kulanz, dann eine Betriebsprüfung, die sich anfühlt wie ein Überfall. Hinzu kommt der KI-Faktor: Agenten, Generative Pages und App-Builder kosten Microsoft Rechenleistung, und die soll nicht von Nutzern verbraucht werden, die nie eine Premium-Lizenz gesehen haben.
|
ℹ Fakten: Service Principals und Lizenzen Ein Service Principal kann Besitzer eines Flows sein, bekommt aber keine direkte Benutzerlizenz. Er braucht eine Process-Lizenz, die Mitgliedschaft in einer Flow-Gruppe oder einen zugeordneten lizenzierten Benutzer. Ausnahmen gelten für Standard-Connectoren und Dynamics-365-Anwendungen. |
|---|
|
⚠ Warnung: Die Lizenz-Guillotine fällt im Februar 2027 Betroffen sind Apps in Managed Environments (auch Standard-Apps!), alle Model-driven Apps und Apps außerhalb des lizenzierten Dynamics-365-Kontexts. Microsoft sagt selbst: Die Anforderung ist nicht neu, sie wird nur endlich durchgesetzt. Übersetzt: Du hast bisher ohne Fahrschein S-Bahn gefahren, und ab Februar steht an jeder Tür ein Kontrolleur. |
|---|
Eine Anekdote, die wir leider so erlebt haben: Ein Logistiker hatte eine Model-driven App für die Tourenplanung, genutzt von rund 140 Disponenten. Lizenziert waren genau 12 – nämlich die, die die App gebaut hatten. Niemand hat es gemerkt, weil es funktionierte. Die Rechnung für die fehlenden Premium-Lizenzen hätte gereicht, um die halbe Weihnachtsfeier abzusagen. Man hat sich dann für die Lizenzen entschieden. Die Weihnachtsfeier fand trotzdem nur mit Filterkaffee statt.
Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?
Die Features kannst du in Ruhe ausprobieren. Die Lizenzfrage nicht. Deshalb hier die Reihenfolge, in der wir das mit unseren Kunden angehen – Governance vor Glitzer.
Lizenz-Inventur jetzt: Lade im Power Platform Admin Center die Power-Apps-Lizenzreports herunter und gleiche ab, wer Model-driven Apps und Apps in Managed Environments nutzt. Ergebnis: eine Liste mit Namen, App und Lizenzlücke.
Lizenzmodell je App wählen: Power Apps Premium pro Nutzer, Per-App-Pläne oder Pay-as-you-go-Meter pro App. Per-App-Kapazität muss der Umgebung zugewiesen werden, sonst verpufft sie.
Environment Routing aktivieren: Neue Maker landen automatisch in ihrer persönlichen Developer-Umgebung statt in der Default-Umgebung, die bei vielen Kunden aussieht wie ein Messie-Keller.
KI-Richtlinie für App-Builder und Agenten: Wer darf den App-Builder-Skill nutzen, in welcher Umgebung, und wer gibt frei?
Dataverse-Git-Integration einrichten: Lösungen an GitHub oder Azure DevOps binden, Pipelines für Test und Produktion aufsetzen.
Kritische Flows umstellen: Geschäftskritische Flows auf Service Principals überführen – mit Process-Lizenz oder passender Zuordnung.
DLP für Generative Pages prüfen: Bevor die Connector-Preview produktiv geht, Connector-Klassifizierung und Verbindungsreferenzen sauber haben.
Zum Thema Service Principals noch eine Geschichte aus dem echten Leben: Bei einem Maschinenbauer lief die komplette Freigabe von Einkaufsbestellungen über einen Flow, der einem gewissen Herrn K. aus der IT gehörte. Herr K. ging in Rente, sein Konto wurde ordnungsgemäß deaktiviert, und drei Tage später stand der Einkauf still. Niemand wusste, warum Bestellungen plötzlich im Nirwana verschwanden. Herr K. war übrigens gut erreichbar – auf Mallorca, mit sehr wenig Interesse an Power Automate. Mit einem Service Principal als Besitzer wäre das nicht passiert. Genau deshalb gehört diese Umstellung auf die Liste, bevor die nächste Rentenwelle deine Prozesse mitnimmt.
Und noch ein Wort zur Default-Umgebung: Sie ist der Ort, an dem jeder Maker seit Jahren seine Experimente ablegt. Environment Routing setzt genau hier an. Die Funktion ist allerdings eine Premium-Fähigkeit und setzt Managed Environments voraus – womit wir wieder beim Lizenzthema wären. Alles hängt mit allem zusammen, und am Ende hängt alles am Budget.

Abbildung 2: Zielarchitektur für Governance und Lizenzierung bei KI-gestützter Low-Code-Entwicklung
|
Zeitraum |
Maßnahme |
Verantwortlich |
|---|---|---|
|
Oktober 2026 |
Lizenzreports ziehen, Nutzung pro App analysieren |
Power-Platform-Admin |
|
Oktober 2026 |
Environment Routing und Managed Environments planen |
IT-Architektur |
|
November 2026 |
KI-Richtlinie für App-Builder, Agenten und Generative Pages |
IT-Leitung, Datenschutz |
|
November 2026 |
Git-Integration und Pipelines pilotieren |
Fusion-Team |
|
Dezember 2026 |
Lizenzbestellung, Budgetfreigabe, Kostenstellen |
Einkauf, Controlling |
|
Januar 2027 |
Service Principals für kritische Flows, Abschlusstest |
Automatisierungsteam |
|
Februar 2027 |
Enforcement – Helpdesk vorbereiten, Kaffee kaufen |
Alle |
|
✔ Tipp: Schnellster Hebel Fang mit dem Lizenzbericht an, nicht mit dem schicken Vibe-Coding-Demo. Die Demo beeindruckt den Vorstand zehn Minuten, die fehlende Lizenz beschäftigt ihn ein ganzes Quartal. |
|---|
|
⚠ Warnung: KI ist kein Architekt Der App-Builder-Skill erzeugt Sicherheitsrollen und Geschäftsregeln. Wer die ungeprüft freigibt, hat nicht Low-Code eingeführt, sondern Low-Control. Lies, was die KI baut – vor allem die Rollen. |
|---|
Häufig gestellte Fragen
Brauchen Nutzer ab Februar 2027 für jede Power App eine Premium-Lizenz?
Nein, aber für Model-driven Apps, für alle Apps in Managed Environments und für Apps außerhalb des lizenzierten Dynamics-365-Kontexts schon. Standard-Canvas-Apps mit Microsoft-365-Connectoren in einer normalen Umgebung bleiben mit den in Microsoft 365 enthaltenen Rechten nutzbar.
Wie finde ich heraus, welche Nutzer in meinem Tenant eine Power-Apps-Lizenz nachkaufen müssen?
Im Power Platform Admin Center lassen sich Power-Apps-Lizenzberichte herunterladen, die die Nutzung pro Szenario zeigen. Damit gleichst du ab, welche Nutzer Premium-Apps ohne passende Lizenz verwenden.
Kann ich mit GitHub Copilot oder Claude Code wirklich eine komplette Model-driven App bauen?
Ja, der seit September 2026 allgemein verfügbare Model App-Builder Skill erzeugt aus natürlicher Sprache Tabellen, Formulare, Ansichten, Sicherheitsrollen und Geschäftsregeln. Vor dem Deployment musst du die Änderungen ausdrücklich freigeben.
Was sind Generative Pages in Power Apps?
Generative Pages sind per KI erzeugte Seiten in Model-driven Apps, die aus einer Beschreibung entstehen. Sie lassen sich inzwischen direkt in Formulare einbetten und erhalten dort automatisch die ID des geöffneten Datensatzes.
Funktionieren Canvas-Apps offline und trotzdem mit aktuellen Dataverse-Daten?
Ja, mit dem neuen Online-Modus steuerst du, wann eine Offline-App live auf Dataverse zugreift und wann sie mit der lokalen Kopie arbeitet. Offline-Profile lassen sich zusätzlich per FetchXML-Editor genau festlegen.
Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/power-apps-im.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de

