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Teams Phone, Zoom Phone oder Webex Calling im Vergleich

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Praxis-Artikel und Leitfäden rund um Teams-Telefonie – alle frei verfügbar. Anbindungswege, Direct Routing, Lizenzierung, Migration und Betrieb.

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Table of Contents
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Teams Phone, Zoom Phone oder Webex Calling im Vergleich

Cloud-Telefonie im Realitätscheck – jenseits der Hersteller-Folien

Teams Phone, Zoom Phone oder Webex Calling im Vergleich

Du stehst vor der Ablösung einer TK-Anlage, die seit Jahren zuverlässig ihren Dienst tut und deren Wartungsvertrag trotzdem jedes Jahr teurer wird. Der Hersteller hat inzwischen ein Enddatum verschickt, das freundlich formuliert ist und trotzdem unmissverständlich. Also sammelst du Angebote ein, und am Ende liegen drei Namen auf dem Tisch: Microsoft Teams Phone, Zoom Phone und Webex Calling. Alle drei können telefonieren. Alle drei haben Referenzkunden. Alle drei bringen eine Folie mit, auf der sie die beiden anderen schlecht aussehen lassen.

Ich mache diese Projekte seit Jahren, und ich sage dir gleich zu Beginn die unbequeme Wahrheit: Der Funktionsvergleich, den dir alle drei Vertriebsteams anbieten, ist weitgehend Zeitverschwendung. Warteschlangen können alle. Automatische Telefonzentralen können alle. Rufumleitung, Sammelanschluss, Anrufbeantworter, Anwesenheitsanzeige, Mobil-App — alles vorhanden, alles ähnlich gut, alles seit Jahren ausgereift. Wer dir erzählt, eine dieser Plattformen könne grundsätzlich etwas, was die anderen nicht können, verkauft dir gerade etwas.

Die Entscheidung fällt woanders. Sie fällt an der Frage: Welche Plattform lebt bei euch schon? Denn Telefonie ist längst kein eigenes System mehr, das man wie eine Waschmaschine austauscht. Telefonie ist ein Feature der Zusammenarbeitsplattform geworden. Und sie folgt in der Praxis fast immer der Meeting-Plattform — nicht weil das technisch zwingend wäre, sondern weil alles andere im Alltag anstrengend ist.

Dieser Beitrag gehört zur Serie rund um die Teams-Telefonie. Er ist kein Grundlagenkurs, sondern eine Entscheidungshilfe für Leute, die in den nächsten Monaten unterschreiben müssen. Wir gehen vier Kriterien durch: Microsoft-365-Integration, Anbindungswege in Deutschland, Endgeräte-Ökosystem und Administrierbarkeit. Danach weißt du, welche der drei Plattformen zu deinem Haus passt — und vor allem, warum.

FAKTEN · Was in diesem Vergleich bewusst fehlt

Preise. Nicht aus Feigheit, sondern weil jede Zahl, die ich hier hinschreibe, in deinem Angebot anders aussieht. Alle drei Hersteller arbeiten mit Volumenstaffeln, Bündelrabatten, Bestandskundenkonditionen und Partnermargen. Die Lizenzlogik erkläre ich, die Zahlen holst du aus deinem eigenen Angebot. Was ich dir dagegen sagen kann: Bei allen dreien ist die Plattformlizenz selten der teuerste Posten. Das sind die Endgeräte, die Anbindung und die Arbeitszeit während der Umstellung.

 

Die Vorentscheidung: Welche Plattform lebt schon im Unternehmen?

Bevor wir über Kriterien reden, klären wir die Frage, die in neun von zehn Projekten bereits vor dem ersten Workshop beantwortet ist — nur hat es noch keiner ausgesprochen.

Entscheidungsdiagramm: Plattformwahl (Microsoft 365, Zoom, Cisco/Webex) führt zu Teams Phone, Zoom Phone oder Webex Calling.

Skizze 1: Die Telefonie folgt der Plattform, auf der die tägliche Zusammenarbeit ohnehin stattfindet.

Warum die Telefonie der Meeting-Plattform folgt

Stell dir den Alltag einer Sachbearbeiterin vor. Sie hat morgens einen Client offen, in dem Chats, Termine, Dateien und Besprechungen liegen. Wenn das Telefon in genau diesem Fenster klingelt, ist alles gut: Sie sieht, wer anruft, sie sieht die letzten Nachrichten mit dieser Person, sie kann das Gespräch mit zwei Klicks zu einer Besprechung erweitern und den Kollegen hinzuholen, der gerade als erreichbar angezeigt wird. Wenn das Telefon dagegen in einem zweiten Fenster klingelt, das sie extra offen halten muss, dann ist die Telefonie ein Fremdkörper. Sie funktioniert, aber sie nervt. Und was nervt, wird im Anwendersupport zum Dauerthema.

Genau deshalb ist die Frage nach der bestehenden Plattform keine Bequemlichkeit, sondern ein handfestes Wirtschaftlichkeitskriterium. Ein Haus, in dem Microsoft 365 die Arbeitsgrundlage bildet, in dem Identitäten in Entra ID liegen, Geräte über Intune verwaltet werden und Aufbewahrungsrichtlinien in Purview definiert sind, hat mit Teams Phone einen Weg, der praktisch keine neuen Bausteine einführt. Ein Haus, das seine Besprechungskultur seit Jahren auf Zoom aufgebaut hat und dessen Räume mit Zoom Rooms ausgestattet sind, verschenkt genau diese Investition, wenn es die Telefonie woanders hinlegt. Und ein Haus mit gewachsener Cisco-Landschaft, in dem das Netzwerkteam seit Jahren mit Cisco-Werkzeugen arbeitet und in dem an jedem Schreibtisch ein Cisco-Telefon steht, hat mit Webex Calling den kürzesten Weg — organisatorisch wie technisch.

Der Zwei-Plattform-Fall — und was er wirklich kostet

Der Mischbetrieb ist der Fall, den ich am häufigsten sehe und am seltensten empfehle. Typisch ist die Konstellation: Microsoft 365 ist gesetzt, weil Mail und Dateien dort liegen, aber die Besprechungen laufen aus historischen Gründen über Zoom oder Webex. Jetzt soll die Telefonie dazukommen, und die Frage ist, wo sie andockt.

Technisch ist beides möglich. Zoom und Cisco bieten beide Integrationen an, die ihre Telefonie in den Teams-Client holen, und beide funktionieren besser, als Skeptiker vermuten. Was du aber bekommst, ist eine dauerhafte Doppelstruktur: zwei Administrationsoberflächen, zwei Supportverträge, zwei Rufnummernbestände, zwei Update-Zyklen, zwei Stellen für Anrufberichte und zwei Herstellerkontakte, die sich im Störungsfall gegenseitig den Ball zuspielen. Rechne diesen laufenden Aufwand in die Entscheidung ein, und zwar nicht mit einer Pauschale, sondern mit ehrlichen Personentagen pro Jahr.

WARNUNG · Der teuerste Satz im Projekt

„Wir entscheiden die Telefonie jetzt und die Plattformfrage später.“ Das geht regelmäßig schief. Wer die Telefonie an eine Plattform bindet, die zwei Jahre später abgelöst wird, migriert zweimal — inklusive Rufnummern, Endgeräten und Anwenderschulung. Wenn die Plattformstrategie noch offen ist, kläre sie zuerst. Notfalls mit einer Übergangslösung auf dem bestehenden Trunk, aber nicht mit einer Telefonie-Entscheidung, die die Plattformentscheidung vorwegnimmt, ohne es auszusprechen.

 

Die Ausgangslage ehrlich aufnehmen

Bevor du in die Kriterien einsteigst, brauchst du eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die folgende Tabelle ist der Einstieg, den ich in Workshops verwende. Sie sieht harmlos aus, sortiert aber in der Regel schon zwei der drei Kandidaten aus.

Frage

Wenn die Antwort so lautet …

… dann tendiert es zu

Wo findet der Arbeitstag statt?

Teams-Client ist ständig offen

Teams Phone

Wo findet der Arbeitstag statt?

Zoom ist die Meeting-Marke im Haus

Zoom Phone

Wo findet der Arbeitstag statt?

Webex und CUCM prägen den Alltag

Webex Calling

Wer verwaltet die Identitäten?

Entra ID mit Conditional Access, Intune, Purview

Teams Phone

Was steht auf den Schreibtischen?

Cisco-Telefone mit MPP-Firmware in großer Zahl

Webex Calling

Wer betreibt das Netzwerk?

Ein eingespieltes Cisco-Team mit IOS-XE-Erfahrung

Webex Calling

Wie sind die Besprechungsräume ausgestattet?

Zoom Rooms in nennenswerter Zahl

Zoom Phone

Gibt es eine Cloud-Strategie mit Vorgaben?

Verarbeitung und Speicherung ausschließlich in Deutschland

alle drei prüfen, Vertragslage klären

Tabelle 1: Ausgangslage aufnehmen — die Antworten entscheiden mehr als jedes Datenblatt.

Kriterium 1: Microsoft-365-Integration

Für die meisten deutschen Unternehmen ist Microsoft 365 gesetzt. Die Frage lautet deshalb selten „Microsoft oder nicht“, sondern „wie tief muss die Telefonie in Microsoft 365 hängen“. Und da gibt es echte Unterschiede, die man kennen sollte, bevor man sie im laufenden Betrieb entdeckt.

Teams Phone: dieselbe Plattform, nicht nur dieselbe Oberfläche

Teams Phone ist kein angedocktes Produkt, sondern eine Erweiterung dessen, was ohnehin läuft. Der Anwender bekommt keine zweite Anwendung, sondern eine Wählhilfe im Client, den er schon kennt. Die Identität ist die aus Entra ID, die Richtlinien werden im Teams Admin Center gepflegt, Anrufaufzeichnungen und Voicemail-Transkripte landen in Exchange Online und unterliegen damit denselben Aufbewahrungs- und Compliance-Regeln wie der Rest der Kommunikation.

Praktisch heißt das: Wenn deine Rechtsabteilung eine Vorgabe zur Aufbewahrung von Kommunikationsdaten hat, gilt sie für Chats, Besprechungen und Anrufe gleichzeitig, weil alles im selben Datenraum liegt. Wenn dein Sicherheitsteam bedingten Zugriff definiert, greift der auch für die Telefonie. Wenn ein Mitarbeiter das Haus verlässt und sein Konto gesperrt wird, ist er im selben Moment telefonisch nicht mehr erreichbar. Das klingt banal, ist aber im Betrieb genau der Unterschied zwischen einem und drei Prozessschritten beim Austritt.

Auf der Lizenzseite ist der Punkt schnell erklärt: Teams Phone Standard ist in Microsoft 365 E5 enthalten. Wer E5 hat, braucht keine separate Telefonielizenz mehr, sondern nur noch den Weg ins Telefonnetz. Wer E3 oder eine Business-Lizenz einsetzt, kauft Teams Phone als Zusatz. Die genaue Bündelung und die aktuellen Bezeichnungen ändern sich regelmäßig — das gehört ins Angebot geprüft, nicht aus einem Blogbeitrag übernommen.

Zoom Phone: gute Nachbarschaft statt Verschmelzung

Zoom hat die Integration in Microsoft-Umgebungen in den letzten Jahren erheblich ausgebaut, und man merkt, dass hier Aufwand hineingeflossen ist. Es gibt eine Zoom-Anwendung für den Teams-Client, über die sich telefonieren, Sammelanschlüsse bedienen und Kurznachrichten beantworten lassen, ohne das Fenster zu wechseln. Der Anwesenheitsstatus wird in beide Richtungen abgeglichen: Wer in einer Zoom-Besprechung sitzt, erscheint in Teams als beschäftigt, und wer sich in Teams auf „nicht stören“ stellt, wird auch von Zoom nicht durchgestellt. Dazu kommt eine Erweiterung für Outlook, mit der sich Besprechungen aus dem Kalender heraus planen lassen.

Das ist ordentlich gemacht — und es bleibt eine Integration. Zwei Systeme reden miteinander, statt eins zu sein. Konkret bedeutet das: Die Anrufdaten liegen bei Zoom und nicht in Exchange. Die Aufbewahrungsregeln pflegst du zweimal. Die Berechtigungen für die Integration müssen im Entra-Verzeichnis freigegeben werden, und wenn dein Sicherheitsteam bei weitreichenden Berechtigungen genau hinsieht, plane dafür eine eigene Abstimmungsrunde ein. Wenn eine Seite ein Update ausrollt, das die Schnittstelle betrifft, merkst du das im Zweifel zuerst am Servicedesk.

Webex Calling: die Integration mit dem Kleingedruckten

Cisco geht denselben Weg wie Zoom und liefert eine Anwendung für den Teams-Client, über die sich die Webex-Telefonie bedienen lässt — inklusive Wähltastatur, Kurzwahlen, Anrufliste und Anwesenheitsabgleich in beide Richtungen. Die Integration deckt dabei nicht nur Webex Calling ab, sondern auch klassische CUCM-Umgebungen und die Dedicated Instance, was für Häuser mit Cisco-Historie interessant ist.

Ein Detail aus der Dokumentation, das man kennen sollte, bevor es im Servicedesk auffällt: Damit der Anwesenheitsabgleich aktiv bleibt, muss die Integration regelmäßig genutzt werden — Cisco nennt hier einen Zeitraum von 90 Tagen. Für die Kollegin, die hauptsächlich am Tischtelefon arbeitet und die Integration im Teams-Client kaum anfasst, kann das bedeuten, dass ihr Status irgendwann nicht mehr synchron läuft. Das ist kein Fehler, das ist Design — aber es ist der Typ Detail, der ein halbes Jahr nach Projektabschluss ein Ticket erzeugt, das niemand einordnen kann.

Aspekt

Teams Phone

Zoom Phone

Webex Calling

Anmeldung

Entra ID, dieselbe Identität

Zoom-Konto, Anmeldung über Entra ID koppelbar

Webex-Konto, Anmeldung über Entra ID koppelbar

Client

kein zusätzlicher Client

Zoom-App oder Erweiterung im Teams-Client

Webex-App oder Erweiterung im Teams-Client

Anwesenheit

nativ, eine Quelle

Abgleich in beide Richtungen

Abgleich in beide Richtungen, Nutzung alle 90 Tage nötig

Voicemail

in Exchange Online

in der Zoom-Plattform

in der Webex-Plattform

Aufbewahrung und Compliance

über Purview mit allem anderen

eigene Regeln in der Zoom-Verwaltung

eigene Regeln in Control Hub

Bedingter Zugriff

greift unmittelbar

über die Anmeldeintegration, Umfang prüfen

über die Anmeldeintegration, Umfang prüfen

Anrufberichte

Teams Admin Center und Call Quality Dashboard

Zoom-Verwaltungsportal

Control Hub

Austritt eines Mitarbeiters

ein Vorgang

zwei Vorgänge, sofern nicht automatisiert

zwei Vorgänge, sofern nicht automatisiert

Tabelle 2: Microsoft-365-Integration im Vergleich — der Unterschied zwischen „eingebaut“ und „angebunden“.

TIPP · Der Test, der die Integrationsfrage in zehn Minuten klärt

Nimm den Prozess „Mitarbeiter verlässt das Unternehmen“ und zeichne ihn für jede der drei Varianten auf. Wer sperrt was, in welchem System, in welcher Reihenfolge, und was passiert mit der Rufnummer, dem Anrufbeantworter und der Vertretungsregelung? Wenn diese Kette bei einer Variante über zwei Verwaltungsportale läuft, hast du dein Ergebnis. Denselben Test kannst du mit „neuer Mitarbeiter“ und „Abteilungswechsel“ wiederholen — das sind die drei Vorgänge, die dich über Jahre täglich beschäftigen.

 

Wenn du an dieser Stelle merkst, dass die Plattformfrage in deinem Haus komplizierter liegt als in diesem Text, ist das normal — und genau der Punkt, an dem sich eine strukturierte Beratung zur Teams-Telefonie rechnet. Zwei Tage Bestandsaufnahme sparen in der Regel mehr, als sie kosten.

Kriterium 2: Anbindungswege in Deutschland

Jetzt wird es konkret, denn hier trennt sich die Werbefolie von der Realität. Alle drei Plattformen sind Cloud-Dienste, aber deine Rufnummern liegen in Deutschland, deine Portierungen laufen über deutsche Anbieter und dein Notruf muss den deutschen Regeln genügen. Wie das Gespräch von der Cloud ins deutsche Festnetz kommt, ist das Kriterium mit den meisten praktischen Konsequenzen.

Vergleichsübersicht: Drei PSTN-Anbindungswege für Teams Phone, Zoom Phone und Webex Calling im deutschen Telefonnetz.

Skizze 2: Drei Plattformen, dieselben drei Grundmuster — und am Ende immer dasselbe deutsche Telefonnetz.

Teams Phone: vier Wege, drei davon relevant

Microsoft bietet den Calling Plan an, bei dem Microsoft selbst als Anbieter auftritt. Das ist der einfachste Weg, hat aber Grenzen bei Länderabdeckung, Sondernummern und Portierungen aus gewachsenen Beständen. Operator Connect stellt einen vorqualifizierten Anbieter direkt im Teams Admin Center bereit; du buchst dort, bekommst deine Rufnummern in die Oberfläche gespielt und brauchst keine eigene Hardware. Direct Routing ist der Weg über einen zertifizierten Session Border Controller im eigenen Haus oder beim Dienstleister, an dem ein beliebiger SIP-Trunk hängt. Dazu kommt Teams Phone Mobile, bei dem die Mobilnummer zur Teams-Nummer wird — ein Angebot des Mobilfunkanbieters, das nicht überall zur Verfügung steht.

In deutschen Projekten ist Direct Routing der Weg, der die meisten Sonderfälle abräumt: mehrere Trunks parallel, feingranulare Routingregeln, Anbindung von Restanlagen während der Übergangszeit, Sonderrufnummern, analoge Nebenstellen über einen Adapter. Operator Connect ist der Weg mit dem geringsten Betriebsaufwand, wenn dein Wunschanbieter dabei ist und deine Anforderungen im Standard liegen.

FAKTEN · Aus dem eigenen Betrieb

Wir fahren im eigenen Haus Direct Routing über einen anynode-SBC mit easybell-Trunks — täglich, im Produktivbetrieb, mit allem, was dazugehört: Zertifikatserneuerung, Rufnummernblöcke, Notrufkonfiguration, Testrufe nach jeder Änderung. Diese Kombination läuft unauffällig, und genau das ist das Kompliment. Wichtig für die Erwartungshaltung: Ein SBC ist kein Gerät, das man einmal einrichtet und dann vergisst. Er gehört in die Überwachung, in den Patchplan und in die Zertifikatsverwaltung wie jeder andere Dienst auch.

 

Zoom Phone: nativ, Cloud-Peering oder eigener SBC

Zoom bietet dieselben drei Grundmuster unter anderen Namen. Der native Weg heißt schlicht Zoom Phone: Zoom liefert die Rufnummern, Zoom stellt die Rechnung. Beim Cloud-Peering — in der Zoom-Sprache „BYOC Cloud Peering“ — wählst du einen zertifizierten Anbieter aus dem Zoom-Marktplatz, der direkt in die Zoom-Rechenzentren einliefert. Vor Ort ist dafür keine Hardware nötig, die Abrechnung des Sprachanteils läuft über den gewählten Anbieter. Wer einen eigenen Trunk mitbringen will, geht den klassischen BYOC-Weg mit einem SBC im eigenen Haus und legt Trunkgruppen im Zoom-Verwaltungsportal an.

Für Deutschland relevant ist außerdem das gemeinsame Angebot von Zoom und der Deutschen Telekom unter dem Namen Zoom X, bei dem die Plattform in deutschen Rechenzentren betrieben wird und die Telekom als Vertrags- und Supportpartner auftritt. Für Häuser mit strengen Vorgaben zur Datenhaltung ist das ein ernstzunehmendes Argument. Welcher Funktionsstand dort jeweils verfügbar ist und wie sich das kommerziell darstellt, gehört ins Angebot — das ändert sich und sollte nicht aus zweiter Hand übernommen werden.

Webex Calling: Cisco als Anbieter, Peering oder Local Gateway

Cisco bietet eigene Sprachverbindungen unter dem Namen Cisco Calling Plans an, und Deutschland gehört zu den Ländern, in denen das verfügbar ist. Alternativ gibt es Cloud Connected PSTN mit zertifizierten Partnern, die direkt in die Webex-Cloud einliefern. Und für alle, die einen bestehenden deutschen Trunk weiterverwenden wollen, gibt es das Local Gateway: ein CUBE auf einer IOS-XE-Plattform im eigenen Haus, an dem jeder beliebige SIP-Anbieter hängen kann.

Der Charme dieser Variante liegt in der Vertrautheit. Wenn dein Netzwerkteam seit Jahren mit IOS-XE arbeitet, ist ein Local Gateway kein neues Betriebsmodell, sondern ein zusätzlicher Anwendungsfall auf bekannter Technik. Wenn dein Netzwerkteam dagegen aus der Windows-Welt kommt, ist es ein neues Skillset — und das ist ein Kostenfaktor, der in keinem Angebot steht. Beachtenswert ist zudem die Dedicated Instance: Cisco betreibt die klassische CUCM-Logik als verwalteten Dienst. Für Häuser mit sehr spezifischer Anlagenkonfiguration ist das oft der Weg mit dem geringsten fachlichen Bruch.

Muster

Teams Phone

Zoom Phone

Webex Calling

Hersteller ist der Anbieter

Calling Plan

Zoom Phone Native

Cisco Calling Plans

Anbieter aus dem Katalog

Operator Connect

BYOC Cloud Peering über Provider Exchange

Cloud Connected PSTN

Eigener Trunk, eigene Hardware

Direct Routing über zertifizierten SBC

BYOC beziehungsweise Premise Peering mit SBC

Local Gateway auf IOS-XE / CUBE

Mobilnummer als Nebenstelle

Teams Phone Mobile

Angebot des Anbieters prüfen

Angebot des Anbieters prüfen

Deutsches Betriebsmodell

Direct Routing beim deutschen Partner

Zoom X in Zusammenarbeit mit der Telekom

Dedicated Instance oder Local Gateway

Mehrere Trunks parallel

ja, über Routingregeln

ja, über Trunkgruppen

ja, über mehrere Gateways

Aufwand vor Ort

keiner bis SBC, je nach Weg

keiner bis SBC, je nach Weg

keiner bis Gateway, je nach Weg

Tabelle 3: Anbindungswege im Vergleich — die Namen unterscheiden sich stärker als die Konzepte.

WICHTIG · Notruf ist kein Herstellerfeature

Bei allen drei Plattformen gilt: Die korrekte Notrufweiterleitung mit Standortdaten ist ein deutsches Regulierungsthema und keine Funktion, die man in einer Oberfläche anhakt. Du brauchst eine gepflegte Zuordnung von Netzsegmenten und Standorten, eine Regelung für Personen im Homeoffice und eine Vereinbarung mit dem Anbieter darüber, was genau übergeben wird. Plane dafür in jedem Fall eigene Testrufe ein — mit vorheriger Absprache mit der zuständigen Leitstelle, damit das kein echter Einsatz wird.

 

Welche Anbindungsart bei Teams Phone konkret zu welcher Ausgangslage passt, habe ich im Vergleichsbeitrag zu Direct Routing und Operator Connect ausführlicher aufgeschrieben. Die dort beschriebene Logik lässt sich weitgehend auf Zoom und Webex übertragen — die Muster sind dieselben, nur die Produktnamen wechseln.

Kriterium 3: Endgeräte-Ökosystem

Hier scheitern Projekte. Nicht an der Plattform, nicht an der Anbindung, sondern an dem Telefon im Treppenhaus, das seit 2011 hängt und an dem der Aufzugsnotruf klemmt. Deshalb ist das Endgerätekapitel in meinen Projekten regelmäßig länger als das Plattformkapitel.

Ampel-Tabelle zur Endgerätekompatibilität (Softclient bis DECT) für Teams Phone, Zoom Phone und Webex Calling.

Skizze 3: Die Endgeräteklassen, an denen sich die Plattformfrage tatsächlich entscheidet.

Teams Phone: zertifizierte Geräte plus ein Brückenkopf für Bestandstechnik

Für Teams gibt es eine breite Auswahl zertifizierter Tischtelefone und Konferenzgeräte, die sich direkt an Entra ID anmelden und im Teams Admin Center verwaltet werden. Interessanter für Ablösungsprojekte ist das SIP Gateway: Damit lassen sich vorhandene SIP-Geräte weiterverwenden, ohne dass sie Teams-zertifiziert sind. Die Kompatibilitätsliste ist erstaunlich lang und umfasst neben Tischtelefonen von Cisco, Poly, Yealink und AudioCodes auch DECT-Systeme von Spectralink, Ascom und Gigaset sowie Türsprechstellen, Lautsprecher und Netzwerkkameras.

Was das SIP Gateway kann: anrufen, angerufen werden, halten, übergeben — auch mit Rückfrage —, Konferenz aus zwei Gesprächen, Anrufbeantworter samt Signalisierung neuer Nachrichten, Anmeldung mit dem eigenen Konto, DTMF-Töne für Sprachdialoge und die Einwahl in Besprechungen über die Telefonnummer. Einiges wird über Kennziffern am Gerät bedient — der Anrufbeantworter zum Beispiel über die Sterntaste mit der 99. Was es nicht kann: die volle Bedienoberfläche eines zertifizierten Teams-Telefons ersetzen. Anwesenheit veröffentlicht das SIP Gateway nicht, weshalb eine anwesenheitsbasierte Verteilung in Warteschlangen damit nicht funktioniert. Und Geräte, die längere Zeit nicht verbunden waren, werden automatisch entfernt — angemeldete nach 30 Tagen, abgemeldete nach 14.

TIPP · Das SIP Gateway ist eine Brücke, kein Zielbild

Ich empfehle es ausdrücklich für Übergangsphasen, für Sonderendgeräte und für Bereiche, in denen ein zertifiziertes Gerät fachlich keinen Mehrwert bringt — Werkstatt, Lager, Treppenhaus, Aufzug. Ich empfehle es nicht als dauerhafte Ausstattung für Arbeitsplätze, an denen Leute den ganzen Tag telefonieren. Der Funktionsunterschied fällt dort auf, und die Diskussion darüber kostet mehr als der Gerätetausch.

 

Zoom Phone: kuratierte Auswahl, sauber ausgerollt

Zoom zertifiziert Geräte von Cisco, Yealink und Poly und setzt dabei auf eine überschaubare, gepflegte Auswahl statt auf maximale Breite. Der Rollout läuft über automatische Bereitstellung: Gerät im Portal anlegen, einschalten, Konfiguration wird gezogen. Alternativ gibt es die geführte Bereitstellung, bei der am Gerät eine Bereitstellungsadresse eingetragen wird — bei Cisco-Geräten über die Profilregel, bei Yealink über das Menü zur automatischen Bereitstellung, bei Poly über den Bereitstellungsserver.

Das ist gut gelöst und im Alltag angenehm. Der Preis dafür ist die geringere Breite bei Sonderendgeräten. Wenn deine Liste Türsprechstellen, Aufzugsnotruf, Sirenen und eine DECT-Anlage aus dem Pflegebereich enthält, wird die Prüfung aufwendiger, und es bleiben häufiger Geräte übrig, die über einen zusätzlichen Umweg angebunden werden müssen. Das ist kein Ausschlusskriterium, aber es gehört auf die Kostenseite.

Webex Calling: der Heimvorteil bei Bestandshardware

Wer Cisco-Telefone im Haus hat, hat bei Webex Calling den kürzesten Weg. MPP-Geräte, die 8875er und die 9800er-Serie lassen sich über Control Hub aufnehmen — per MAC-Adresse oder über einen Aktivierungscode. Die Konfiguration ist hierarchisch aufgebaut: Was auf Organisationsebene gesetzt ist, kann pro Standort und pro Gerät überschrieben werden. Für Häuser mit vielen Standorten und unterschiedlichen Anforderungen ist das ein handfester Vorteil, weil man nicht mit Ausnahmelisten arbeiten muss.

Ein Hinweis aus der Praxis: Geräte, die mit Unternehmensfirmware aus einer CUCM-Welt kommen, müssen zuerst auf die passende Firmware umgestellt werden. Das ist ein etablierter Vorgang, aber es ist ein Vorgang — mit Zeitbedarf, mit Ausfallfenster und mit einer gewissen Ausfallquote bei sehr alten Geräten. Und die neuere 9800er-Serie verhält sich beim Einrichten anders als die klassischen MPP-Geräte: Bei MPP lässt sich vieles vorkonfigurieren, bevor das Gerät überhaupt online ist, bei der 9800er-Serie nicht im selben Umfang. Wer das nicht weiß, plant den Rollout falsch.

Geräteklasse

Teams Phone

Zoom Phone

Webex Calling

Zertifizierte Tischtelefone

breite Auswahl mehrerer Hersteller

Cisco, Yealink, Poly

MPP, 8875, 9800er-Serie

Bestand weiterverwenden

SIP Gateway mit langer Kompatibilitätsliste

nur zertifizierte Modelle

Cisco-Bestand nach Firmwarewechsel

DECT

Spectralink, Ascom, Gigaset über SIP Gateway

Auswahl prüfen

DECT-Verwaltung in Control Hub

Analoge Nebenstellen

über Adapter am SIP Gateway

über Adapter, Umfang prüfen

über Adapter oder Gateway

Türsprechstelle und Notruf

2N, Algo, Axis in der Liste

häufig nur über Umweg

über Gateway lösbar

Konferenzräume

Teams Rooms

Zoom Rooms

Webex Rooms

Bereitstellung

Teams Admin Center, Geräteverwaltung der Hersteller

automatische oder geführte Bereitstellung

Control Hub, hierarchisch nach Ebene

Typische Stolperstelle

Funktionsumfang am SIP Gateway erklären

Sonderendgeräte fallen durch das Raster

Firmwarewechsel bei Altgeräten

Tabelle 4: Endgeräte im Vergleich — die Zeilen weiter unten entscheiden häufiger als die oberen.

WARNUNG · Die Liste, die vor der Plattformentscheidung stehen muss

Geh mit einem Klemmbrett durch das Haus und schreib jedes Gerät auf, das klingeln, sprechen oder alarmieren kann. Türsprechstelle, Aufzugsnotruf, Pförtnerloge, Sirene, Werkstatt-Freisprecher, das Faxgerät in der Buchhaltung, die Analog-Nebenstelle im Serverraum, die Rotlichtlampe im Besprechungsraum. Diese Liste hat in jedem Projekt, das ich kenne, mehr Zeilen als erwartet — und sie ist es, die am Ende über Aufwand und Zeitplan entscheidet, nicht die Frage nach der Plattform.

 

Wenn dein Bestand vor allem aus Cisco-Technik besteht, ist der Beitrag zum Wechsel von Cisco CUCM zu Microsoft Teams Phone der passende Anschluss — dort steht ausführlich, was beim Umzug aus der Cisco-Welt tatsächlich Arbeit macht.

Kriterium 4: Administrierbarkeit und Betrieb

Das vierte Kriterium ist das, über das im Auswahlverfahren am wenigsten gesprochen wird und das nach der Inbetriebnahme am meisten kostet. Eine Telefonanlage wird einmal eingeführt und dann jahrelang betrieben. Die Frage lautet also nicht, welche Oberfläche in der Vorführung am hübschesten aussieht, sondern welche dein Team am Montagmorgen um acht bedienen kann, wenn die Zentrale meldet, dass niemand durchkommt.

Wo verwaltet man was

Teams Phone wird im Teams Admin Center verwaltet, ergänzt um PowerShell für alles, was in größerer Zahl passieren muss. Wer schon Microsoft 365 administriert, findet sich sofort zurecht: gleiche Logik mit Richtlinien, gleiche Rollenzuweisung, gleiche Werkzeuge für die Massenbearbeitung. Der Nachteil ist derselbe wie überall bei Microsoft: Änderungen kommen laufend, Bezeichnungen wandern, und man braucht jemanden, der die Ankündigungen tatsächlich liest.

Zoom Phone wird über das Zoom-Verwaltungsportal betrieben, das aufgeräumt und für Telefonieaufgaben angenehm direkt ist. Wer aus der klassischen TK-Welt kommt, findet dort viele vertraute Konzepte an nachvollziehbarer Stelle. Der Preis: Es ist eine zusätzliche Oberfläche mit eigener Rollenlogik, eigenen Berichten und einem eigenen Änderungsrhythmus.

Webex Calling läuft über Control Hub, das inzwischen deutlich mehr abdeckt als nur Telefonie. Die hierarchische Konfigurationslogik über Organisation, Standort und Gerät ist sauber gedacht und bei vielen Standorten ein echter Vorteil. Gleichzeitig ist Control Hub die Oberfläche mit der steilsten Lernkurve der drei — besonders dann, wenn Netzwerkkomponenten wie das Local Gateway dazukommen und plötzlich IOS-XE-Kenntnisse gefragt sind.

Was passiert, wenn die Leitung reißt

Flussdiagramm: Ausfallverhalten bei Cloud-Ausfall – Survivability-Optionen für Teams Phone, Zoom Phone und Webex Calling.

Skizze 4: Überlebensfähigkeit im Standort — bei allen dreien möglich, bei keinem geschenkt.

Cloud-Telefonie ohne Cloud ist erst einmal Stille. Alle drei Hersteller haben dafür Antworten, und alle drei Antworten haben eines gemeinsam: Sie brauchen Technik vor Ort und einen Trunk, der nicht durch dieselbe Leitung läuft wie der Rest.

Teams Phone: Über eine Survivable Branch Appliance am Direct-Routing-SBC bleiben Anrufe innerhalb des Standorts und über den lokalen Trunk möglich. Sinnvoll planbar ist das nur, wenn du ohnehin Direct Routing fährst.

Zoom Phone: Das Modul für lokale Überlebensfähigkeit läuft als Baustein auf Zoom Node im eigenen Rechenzentrum. Geräte registrieren sich im Ausfall lokal, und wenn die Cloud zurückkommt, wechseln sie ohne Zutun wieder zurück. Für ein- und ausgehende Gespräche ins Telefonnetz brauchst du zusätzlich Trunkgruppen und einen SBC.

Webex Calling: Die Überlebensfunktion sitzt auf dem Local Gateway. Für Häuser, die aus der Cisco-Welt kommen, ist das das bekannteste Muster von allen — konzeptionell vertraut aus den Zeiten, in denen Zweigstellen mit SRST abgesichert wurden.

FAKTEN · Was Überlebensfähigkeit realistisch bedeutet

Keiner der drei Hersteller verspricht im Ausfall den vollen Funktionsumfang. Was erhalten bleibt, sind in der Regel Grundfunktionen: Gespräche innerhalb des Standorts und Gespräche über den lokalen Trunk. Was typischerweise fehlt, sind Warteschlangen mit voller Logik, zentrale Anrufbeantworter und plattformweite Verzeichnisse. Für Notruf, Pforte und Leitstelle reicht das — für den Normalbetrieb nicht. Genau so sollte man es auch kommunizieren.

 

Betriebsaufwand ehrlich rechnen

Meine Faustregel aus Projekten: Der laufende Aufwand einer Cloud-Telefonie besteht zu ungefähr gleichen Teilen aus Nutzerverwaltung, Endgerätebetreuung und Anbindung. Die Nutzerverwaltung wird billiger, je enger die Plattform mit dem Verzeichnisdienst verwoben ist. Die Endgerätebetreuung wird billiger, je homogener der Bestand ist. Die Anbindung wird billiger, je weniger eigene Hardware im Spiel ist — und teurer, je mehr Sonderfälle du abbilden musst.

Daraus folgt eine Erkenntnis, die keinem Hersteller gefällt: Die günstigste Plattform ist meistens die, die dein Team schon kennt. Nicht, weil sie objektiv besser wäre, sondern weil eingearbeitete Kolleginnen und Kollegen der größte Einzelkostenfaktor im Betrieb sind. Ein Wechsel auf eine Plattform, für die niemand im Haus Erfahrung hat, kostet dich im ersten Jahr mehr an Einarbeitung, als du an Lizenzen sparst.

Aspekt

Teams Phone

Zoom Phone

Webex Calling

Hauptoberfläche

Teams Admin Center

Zoom-Verwaltungsportal

Control Hub

Massenbearbeitung

PowerShell und Graph

Portal und Schnittstellen

Control Hub und Schnittstellen

Einarbeitung für M365-Teams

gering

mittel

mittel

Einarbeitung für Cisco-Teams

mittel

mittel

gering

Mehrstandortlogik

Richtlinien je Nutzer und Standort

Standorte im Portal

hierarchisch: Organisation, Standort, Gerät

Überleben ohne Cloud

Survivable Branch Appliance am SBC

Modul auf Zoom Node plus SBC

Funktion auf dem Local Gateway

Qualitätsauswertung

Call Quality Dashboard

Berichte im Portal

Analysen in Control Hub

Zusätzliches Spezialwissen

SBC-Betrieb bei Direct Routing

SBC-Betrieb bei eigenem Trunk

IOS-XE beim Local Gateway

Tabelle 5: Betrieb und Administration im Vergleich.

Die Entscheidung: Wer nimmt was?

Jetzt legen wir die vier Kriterien übereinander. Die folgende Matrix ist die Fassung, die ich in Lenkungskreise mitnehme. Sie ist bewusst grob — feiner wird sie erst, wenn deine Bestandsaufnahme daneben liegt.

Entscheidungsmatrix mit 8 Kriterien und Ampelbewertung für Teams Phone, Zoom Phone und Webex Calling.

Skizze 5: Entscheidungsmatrix für den Lenkungskreis — die Zeile zum Betriebswissen entscheidet häufiger als alle anderen.

Klare Fälle

Es gibt drei Konstellationen, in denen die Entscheidung eindeutig ist und in denen man sich lange Bewertungsrunden sparen kann. Erstens: Microsoft 365 ist die Zusammenarbeitsplattform, Teams läuft ohnehin auf jedem Gerät, die Identitäten liegen in Entra ID und es gibt keine gewachsene Cisco- oder Zoom-Landschaft. Dann ist Teams Phone die Antwort, und alles andere wäre begründungspflichtig. Zweitens: Zoom ist die Besprechungsplattform, die Räume sind entsprechend ausgestattet, die Belegschaft ist eingespielt und Microsoft 365 wird vor allem für Mail und Dateien genutzt. Dann spricht viel für Zoom Phone. Drittens: Es steht eine Cisco-Landschaft im Haus, das Netzwerkteam arbeitet ohnehin mit Cisco-Werkzeugen, und auf den Schreibtischen stehen Cisco-Telefone in dreistelliger Zahl. Dann ist Webex Calling der Weg mit dem geringsten Reibungsverlust.

Die unklaren Fälle — und wie man sie auflöst

Interessant wird es dazwischen. Der häufigste Fall in meinen Projekten: Microsoft 365 ist gesetzt, aber es gibt eine gewachsene Cisco-Landschaft aus der Zeit vor der Cloud. Hier steht wirklich eine Entscheidung an, und sie hängt an zwei Fragen. Erstens: Wie alt ist die Cisco-Hardware wirklich? Wenn der Bestand in den nächsten drei Jahren ohnehin fällig wird, verschwindet das stärkste Argument für Webex Calling. Zweitens: Wie sieht die Personalsituation im Netzwerkteam aus? Wenn das Cisco-Wissen an ein oder zwei Personen hängt, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen, dann ist der vermeintliche Vorteil ein Risiko.

Der zweitthäufigste Fall: Zoom ist während der Pandemie ins Haus gekommen und hat sich festgesetzt, während Microsoft 365 gleichzeitig ausgebaut wurde. Beide Plattformen sind produktiv, beide haben Fürsprecher, und die Telefonieentscheidung wird unversehens zur Plattformentscheidung. Mein Rat: Sprich es aus. Die Telefonie ist der Anlass, nicht die Ursache. Wenn die Organisation die Plattformfrage nicht beantworten will, beantwortet sie sie trotzdem — nur unbewusst und über den Umweg der Telefonanlage.

Ausgangslage

Empfehlung

Worauf besonders achten

M365 durchgängig, keine Altlasten

Teams Phone

Anbindungsart früh festlegen, Notrufkonzept planen

M365 gesetzt, Cisco-Hardware jung und zahlreich

beide Wege rechnen

Restnutzungsdauer der Geräte und Personallage im Netzwerkteam

M365 gesetzt, Cisco-Hardware am Lebensende

Teams Phone

Gerätetausch und Umstellung in einem Zug planen

Zoom ist die Meeting-Plattform, Räume ausgestattet

Zoom Phone

Sonderendgeräte früh prüfen, Datenhaltung klären

Cisco-Landschaft mit CUCM und eingespieltem Team

Webex Calling

Dedicated Instance als Zwischenschritt bewerten

Kleines Haus ohne eigenes IT-Team

Teams Phone mit Operator Connect

möglichst wenig eigene Hardware im Weg

Hohe Anforderungen an Datenhaltung in Deutschland

alle drei prüfen

Vertragslage und Betriebsmodell schriftlich klären

Viele Sonderendgeräte und analoge Technik

Teams Phone mit Direct Routing

SIP Gateway und Adapter als eigenes Teilprojekt führen

Tabelle 6: Ausgangslage und Empfehlung im Kurzformat.

TIPP · Der Vergleich, den kein Hersteller anbietet

Lass dir von allen drei Anbietern denselben Anwendungsfall vorführen — nicht die Standardpräsentation, sondern deinen schwierigsten realen Fall. Zum Beispiel: Anruf kommt an der Zentrale an, wird an eine Warteschlange verteilt, dort nimmt jemand ab, holt eine Kollegin mit Rückfrage dazu, übergibt das Gespräch und der Anrufer landet danach beim Anrufbeantworter derselben Kollegin, die inzwischen im Homeoffice sitzt. Wer diesen Ablauf ohne Ausflüchte vorführt, hat sein Produkt im Griff. Wer bei der Rückfrage ins Stocken gerät, auch — nur anders.

 

Wenn dein Haus deutlich kleiner ist und du eher zwischen Cloud-Telefonie und einer eigenen Anlage schwankst, ist der Beitrag Microsoft Teams Phone oder 3CX der bessere Einstieg. Dort geht es um die Frage, wann sich eine selbst betriebene Anlage wirtschaftlich noch lohnt.

FAQ

Kann ich Teams für Besprechungen und Zoom Phone für Telefonie einsetzen?

Ja, das funktioniert. Zoom bietet eine Anwendung für den Teams-Client, über die sich telefonieren, Sammelanschlüsse bedienen und Kurznachrichten beantworten lassen, und der Anwesenheitsstatus wird in beide Richtungen abgeglichen. Rechne aber mit dem dauerhaften Aufwand einer Doppelstruktur: zwei Verwaltungsoberflächen, zwei Supportwege, zwei Regelwerke für Aufbewahrung. Wenn es eine gute Begründung dafür gibt, ist es eine tragfähige Lösung. Wenn es nur Gewohnheit ist, ist es teuer.

Gilt dasselbe für Webex Calling im Teams-Client?

Im Prinzip ja. Cisco stellt eine entsprechende Anwendung bereit, die auch klassische CUCM-Umgebungen und die Dedicated Instance abdeckt. Ein Detail solltest du kennen: Der Anwesenheitsabgleich verlangt, dass die Integration in regelmäßigen Abständen genutzt wird — Cisco nennt 90 Tage. Wer überwiegend am Tischtelefon arbeitet, kann dadurch aus dem Abgleich fallen. Das ist beherrschbar, gehört aber in die Betriebsdokumentation.

Brauche ich für alle drei Plattformen einen eigenen SBC?

Nein, aber für den flexibelsten Weg schon. Bei Teams Phone kommst du mit Calling Plan oder Operator Connect ohne eigene Hardware aus, brauchst für Direct Routing aber einen zertifizierten SBC. Bei Zoom Phone gilt dasselbe Muster: nativ oder über Cloud-Peering ohne Hardware, bei eigenem Trunk mit SBC. Bei Webex Calling kommst du mit Cisco Calling Plans oder Cloud Connected PSTN ohne lokale Technik aus, brauchst für den eigenen Trunk aber ein Local Gateway auf IOS-XE. Wir selbst fahren Direct Routing über einen anynode-SBC mit easybell-Trunks und halten den Aufwand für vertretbar — vorausgesetzt, jemand ist dafür zuständig.

Kann ich meine vorhandenen Telefone weiterverwenden?

Das hängt weniger von der Plattform als vom Alter der Geräte ab. Teams Phone hat mit dem SIP Gateway die breiteste Kompatibilitätsliste, die neben Tischtelefonen auch DECT-Systeme, Türsprechstellen und Lautsprecher umfasst. Webex Calling ist stark, wenn der Bestand aus Cisco-Geräten besteht, die auf die passende Firmware umgestellt werden können. Zoom Phone arbeitet mit einer kuratierten Liste zertifizierter Modelle. In jedem Fall gilt: Prüf die aktuelle Liste selbst und verlass dich nicht auf eine Zusammenfassung — auch nicht auf diese hier.

Was ist mit Notrufen und Standortdaten?

Das ist bei allen drei Plattformen ein deutsches Regulierungsthema und kein Herstellerfeature. Du brauchst eine gepflegte Zuordnung von Netzsegmenten zu Standorten, eine Regelung für Personen im Homeoffice und eine klare Absprache mit dem Anbieter darüber, welche Daten übergeben werden. Manche Endgeräte können ihren Standort über das Netzwerk melden, andere nur statisch hinterlegt bekommen — das steht in der jeweiligen Kompatibilitätsliste und ist für die Planung relevant. Testrufe gehören dazu, bitte mit vorheriger Absprache.

Was passiert bei einem Internetausfall?

Ohne Vorbereitung: Stille. Mit Vorbereitung: Grundbetrieb. Teams Phone löst das über eine Survivable Branch Appliance am Direct-Routing-SBC, Zoom über ein Modul für lokale Überlebensfähigkeit auf Zoom Node, Webex über eine Funktion auf dem Local Gateway. Alle drei brauchen Hardware vor Ort und einen Trunk, der nicht über dieselbe Leitung läuft. Und alle drei liefern im Ausfall nur einen Teil des Funktionsumfangs — das gehört so kommuniziert, sonst gibt es beim ersten Ernstfall unangenehme Überraschungen.

Ist Zoom Phone in Deutschland datenschutzrechtlich unproblematischer als Teams Phone?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, und wer sie pauschal beantwortet, verkauft etwas. Was man sagen kann: Es gibt für Zoom ein Angebot in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom, bei dem der Betrieb in deutschen Rechenzentren erfolgt. Microsoft hat für Kunden in der EU eigene Zusagen zur Datenverarbeitung. Cisco hat ebenfalls entsprechende Angebote. Alle drei müssen im konkreten Fall gegen deine Verarbeitungsverzeichnisse und Vorgaben geprüft werden — mit aktuellen Vertragsunterlagen, nicht mit Marketingmaterial.

Wie lange dauert so eine Umstellung realistisch?

Für ein Haus mittlerer Größe mit einem Standort und überschaubaren Sonderfällen liegt der Schwerpunkt der Arbeit nicht in der Plattform, sondern in Rufnummernportierung, Endgeräterollout und Anwenderbegleitung. Die Portierung gibt den Takt vor und lässt sich nicht beschleunigen. Plane den Parallelbetrieb großzügig, halte die alte Anlage bis nach dem ersten Monatsabschluss betriebsbereit und lege den Umschalttermin nicht auf einen Freitag. Der Rest ist Handwerk.

Was kostet der Vergleich, wenn ich ihn extern begleiten lasse?

Weniger als eine falsche Entscheidung. Eine strukturierte Bestandsaufnahme mit Endgeräteinventur, Anbindungsprüfung und Betriebsmodellbewertung ist in wenigen Tagen machbar und liefert dir eine belastbare Grundlage für die Ausschreibungsunterlagen. Der teuerste Weg ist der, bei dem die Plattform gesetzt wird, bevor jemand die Liste der Sonderendgeräte gesehen hat.

Fazit

Teams Phone, Zoom Phone und Webex Calling sind funktional erwachsene Plattformen. Sie können telefonieren, sie können Warteschlangen, sie können Sammelanschlüsse, und sie hängen in Deutschland alle drei über dieselben drei Grundmuster am selben Telefonnetz: Anbieter vom Hersteller, Anbieter aus dem Katalog oder eigener Trunk mit eigener Hardware. Wer glaubt, die Entscheidung über einen Funktionsvergleich treffen zu können, wird Wochen damit verbringen, Häkchen zu zählen, die im Alltag keinen Unterschied machen.

Die Entscheidung fällt an vier Stellen. Erstens: Wie tief muss die Telefonie in Microsoft 365 hängen? Wenn Identität, Aufbewahrung, bedingter Zugriff und Austrittsprozess aus einem Guss sein sollen, ist Teams Phone im Vorteil, weil es dieselbe Plattform ist statt einer angebundenen. Zweitens: Wie kommt das Gespräch ins deutsche Netz, und wer bearbeitet den Störungsfall? Drittens: Was steht im Haus an Geräten, und was davon darf leben? Und viertens, das unterschätzte Kriterium: Welche Oberfläche kann dein Team am Montagmorgen bedienen?

Wenn du diese vier Fragen ehrlich beantwortest, fällt die Entscheidung meistens von allein — und zwar in Richtung der Plattform, die in deinem Haus ohnehin schon lebt. Das ist keine Bequemlichkeit, sondern gute Wirtschaftlichkeit. Ein Wechsel auf eine Plattform, für die niemand Erfahrung hat, muss sich über die gesamte Nutzungsdauer rechnen, nicht nur auf dem Angebotsblatt. Und diese Rechnung geht seltener auf, als der Vertrieb es darstellt.

Meine persönliche Einschätzung nach einigen dieser Projekte: In der deutschen Unternehmenslandschaft ist Microsoft 365 so verbreitet, dass Teams Phone in der Mehrzahl der Fälle die kürzeste Strecke ist. Das ist kein Werturteil über die Konkurrenz — Zoom Phone ist eine saubere, angenehm zu bedienende Plattform, und Webex Calling ist in Cisco-Häusern schwer zu schlagen. Es ist schlicht die Beobachtung, dass die meisten Häuser ihre Plattformentscheidung längst getroffen haben. Sie wissen es nur noch nicht.

Einen Überblick über die gesamte Serie mit allen Beiträgen zu Migration, Anbindung, Lizenzierung und Betrieb findest du auf der Seite Teams-Telefonie. Dort sind auch die Beiträge zu den einzelnen Herstellerablösungen verlinkt.

Und wenn du diese Entscheidung nicht allein treffen willst, sondern mit jemandem, der die Sonderfälle kennt, bevor sie auftauchen: Beratung zur Teams-Telefonie. Wir fangen mit deiner Endgeräteliste an — die ist erfahrungsgemäß aufschlussreicher als jedes Lastenheft.

Quellen

Microsoft Learn — SIP Gateway planen (Kompatibilitätsliste und Funktionsumfang): https://learn.microsoft.com/de-de/microsoftteams/devices/sip-gateway-plan

Microsoft Learn — SIP Gateway konfigurieren: https://learn.microsoft.com/de-de/microsoftteams/devices/sip-gateway-configure

Microsoft Learn — Direct Routing planen: https://learn.microsoft.com/de-de/microsoftteams/direct-routing-plan

Microsoft Learn — Teams Phone-Lizenzierung: https://learn.microsoft.com/de-de/microsoftteams/teams-phone-licensing

Microsoft Learn — Add-On-Lizenzen für Microsoft Teams: https://learn.microsoft.com/de-de/microsoftteams/teams-add-on-licensing/microsoft-teams-add-on-licensing

Zoom Technical Library — Zoom Phone für Microsoft Teams: https://library.zoom.com/zoom-workplace/zoom-phone/third-party-integrations/zoom-phone-for-microsoft-teams

Zoom Technical Library — BYOC Cloud Peering: https://library.zoom.com/zoom-workplace/zoom-phone/zoom-phone-bluepaper/overview/bring-your-own-carrier-cloud-peering-byoc-c

Zoom Technical Library — Zoom Phone Local Survivability: https://library.zoom.com/zoom-workplace/zoom-phone/zoom-phone-local-survivability-field-guide

Zoom Technical Library — Desk Phone Provisioning: https://library.zoom.com/zoom-workplace/zoom-phone/desk-phone-provisioning-and-customization-field-guide

Zoom Support — Zoom Phone Certified Hardware: https://support.zoom.com/hc/en/article?id=zm_kb&sysparm_article=KB0060242

Telekom Geschäftskunden — Zoom X Phone: https://geschaeftskunden.telekom.de/business/loesungen/digitalisierung/zusammenarbeit-produktivitaet/zoom-x/phone

Webex Help — Cisco Call für Microsoft Teams: https://help.webex.com/en-us/article/ngmx08cb/Cisco-Call-for-Microsoft-Teams

Webex Help — Cisco Calling Plans (Länderverfügbarkeit): https://help.webex.com/en-us/article/nousk9ab/Get-Started-with-the-Cisco-Calling-Plans

Webex Help — Cloud Connected PSTN für Dedicated Instance: https://help.webex.com/de-de/article/nw3ygtq/Cloud-Connected-PSTN

Webex Help — Webex Calling-Geräte konfigurieren und verwalten: https://help.webex.com/en-us/article/n9r1aac/Configure-and-manage-Webex-Calling-devices

Webex Help — Cisco Desk Phone 9800 im Control Hub: https://help.webex.com/en-us/article/n72q8yeb/Configure-Cisco-Desk-Phone-9800-Series-on-Control-Hub

Cisco — Preferred Architecture for Webex Calling: https://www.cisco.com/c/dam/en/us/td/docs/solutions/CVD/Collaboration/hybrid/AltDesigns/PA-WbxCall.pdf

anynode — Session Border Controller (im eigenen Betrieb im Einsatz): https://www.anynode.de/

easybell — SIP-Trunks für Direct Routing (im eigenen Betrieb im Einsatz): https://www.easybell.de/

boddenberg.de — Teams-Telefonie (Übersicht): https://www.boddenberg.de/teams-telefonie/

boddenberg.de — Beratung zur Teams-Telefonie: https://www.boddenberg.de/teams-telefonie-beratung/

Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/teams-phone-zoom.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de