Agent 365: Kostenverwaltung für Copilot-Studio-Agenten

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Stand: 11. Oktober 2026 · Lesezeit: etwa 11 Minuten

Agent 365: Kostenverwaltung für Copilot-Studio-Agenten

Eine Kasse für Cowork, Code und Maker-Agenten

POWER PLATFORM · CONSULTING BRIEFING · 11.10.2026 · BODDENBERG.DE

Agent 365: Kostenverwaltung soll im Oktober auch Copilot-Studio-Agenten abdecken

Die Zeit der anonymen Bot-Zeche ist vorbei. Ab Oktober bekommt jeder Maker-Agent eine Rechnungsadresse, und irgendjemand in deinem Haus bekommt die Mahnung.

Executive Summary

Microsoft baut die Kostenverwaltung in Agent 365 aus. Bisher hat sie nur zwei Verbraucher im Blick: Copilot Cowork und die Work IQ APIs. Mit der Ankündigung vom 25. September 2026 kommen Code und die Copilot Managed Runtime hinzu, und für Oktober ist die Unterstützung für Agenten aus Copilot Studio geplant. Damit landet genau die Agentenklasse in der zentralen Budgetsteuerung, die in den meisten Organisationen am wildesten wuchert: die Bots, die Fachbereiche selbst zusammenklicken.

Warum das wichtig ist? Bislang lebte die Abrechnung von Copilot-Studio-Agenten in einer Parallelwelt. Im Power Platform Admin Center hängst du einzelne Umgebungen per Abrechnungsrichtlinie an ein Azure-Abonnement oder verteilst Prepaid-Kapazität. Cowork und Co. steuerst du dagegen im Microsoft 365 Admin Center über Ausgabenrichtlinien mit Monatsbudgets pro Gruppe und pro Nutzer. Zwei Kassen, zwei Teams, zwei Wahrheiten. Ab Oktober soll daraus eine Kasse werden.

Die Konsequenz für deine Power-Platform-Governance ist simpel und unbequem: Leg jetzt fest, wer für welchen Maker-Agenten bezahlt, wie viel er verbrauchen darf und wer entscheidet, wenn das Budget am 15. des Monats aufgebraucht ist. Wer das nicht vorher klärt, klärt es hinterher im Eskalationsmeeting.

Fakten: Das Wichtigste in 30 Sekunden

• Bisher abgedeckt: Copilot Cowork und Work IQ APIs, verwaltet unter Copilot › Cost Management im Microsoft 365 Admin Center.

• Neu seit Ende September: Code und Copilot Managed Runtime.

• Geplant für Oktober 2026: Agenten aus Copilot Studio.

• Neu dazu: Ausgabenrichtlinien lassen sich per API in großem Stil setzen, Credit-Anfragen von Nutzern laufen in bestehende Genehmigungsworkflows.

• Währung: Copilot Credits, im Pay-as-you-go-Modell rund 0,01 US-Dollar pro Credit.

 

Worum geht es im Detail?

Ein bisschen Hintergrund, damit du verstehst, warum Microsoft hier aufräumt. Seit dem 1. September 2025 heißt die Agenten-Währung nicht mehr „Messages“, sondern Copilot Credits. Ein Credit misst grob, wie viel Arbeit ein Agent leistet: Eine klassische Antwort kostet einen Credit, eine generative Antwort zwei, eine Agentenaktion fünf. Werkzeuge und Sprachfunktionen liegen darüber. Mit Cowork kam im Juni 2026 dann die nutzungsbasierte Abrechnung im großen Stil: Jede Aufgabe kostet, was Modell, Kontextabruf, Werkzeugaufrufe und Laufzeit zusammen verbrauchen. Ein Pauschaltarif sieht anders aus.

Zeitleiste von September 2025 bis Oktober 2026 mit Meilensteinen der Copilot-Credits-Abrechnung für Agenten, inklusive geplan

Abbildung 1: Wie aus einem Zählwerk eine zentrale Budgetsteuerung wurde

Parallel dazu hat Microsoft im Admin Center das Cost Management aufgebaut. Dort legst du Ausgabenrichtlinien an, die drei Dinge regeln: wer (alle Nutzer oder Sicherheitsgruppen), was (welche Agenten und Dienste) und wie viel (unbegrenztes oder begrenztes Monatsbudget, optional mit Obergrenze pro Nutzer). Dazu kommen Warnschwellen für Admins und Nutzer, Modellprofile für Cowork und die Wahl der Abrechnungsmethode. Global- und Abrechnungsadministratoren dürfen pro Richtlinie ein anderes Azure-Abonnement hinterlegen. Das ist nichts anderes als Kostenstellenrechnung für KI, und dein Controlling wird das lieben.

Interessant sind die Details, die erst auffallen, wenn es knallt. Ist ein Nutzer in mehreren Richtlinien, gewinnt die mit dem höchsten Nutzerlimit, bei Gleichstand die mit dem höchsten Gesamtlimit, danach die jüngste. Werte werden nicht kombiniert. Ist das Limit erreicht, ist bis zum Ersten des Folgemonats Schluss, der Nutzer rutscht nicht in eine andere Richtlinie. Wechselt jemand die Gruppe, zieht sein Verbrauch mit um. Der Trick „Ich lass mich mal schnell in die Vertriebsgruppe aufnehmen, die hat noch Budget“ funktioniert also nicht. Schade für die Kreativen.

Flussdiagramm: Ablauf bei Verbrauch von Maker-Agent-Credits über Richtlinien, Nutzerlimit, Richtlinienbudget, Prepaid-Credits

Abbildung 2: Entscheidungslogik einer Ausgabenrichtlinie, vom Agentenstart bis zur Sperre

Und jetzt Copilot Studio. Heute rechnet ein Maker-Agent je nach Umgebung ab: per Prepaid-Paket (etwa 25.000 Credits für rund 200 US-Dollar im Monat), per Vorkaufplan mit einjähriger Bindung oder per Pay-as-you-go über eine Abrechnungsrichtlinie im Power Platform Admin Center. Kapazität gilt monatlich und verfällt, Überziehung kann zur technischen Sperre führen. Nutzer mit Microsoft-365-Copilot-Lizenz verbrauchen in Copilot Chat, Teams und SharePoint für klassische und generative Antworten sowie Graph-Grounding nichts. Sobald ein Agent aber Aktionen ausführt, Flows anstößt oder auf einer Website für Kunden plaudert, tickt der Zähler.

Bleibt die Frage, warum ausgerechnet Code und die Copilot Managed Runtime jetzt mit in die Kostenverwaltung wandern. Code ist Microsofts Werkzeug, mit dem Nutzer per Copilot kleine Anwendungen und Automatisierungen bauen. Seit Ende September rollt es für Frontier-Kunden aus, die breite Verfügbarkeit soll in den kommenden Wochen folgen. Die Managed Runtime ist die passende Hosting-Umgebung dazu: Sie führt diesen Code innerhalb deiner Microsoft-365-Umgebung aus, unter Kontrolle der IT, und ist derzeit in der Preview. Beides läuft nutzungsbasiert. Übersetzt heißt das: Microsoft hat jedem Fachbereich gerade eine Werkbank mit Taxameter hingestellt. Dass die Budgets dafür an derselben Stelle landen wie Cowork, ist nur konsequent.

Aspekt

Heute: Power Platform Admin Center

Ab Oktober: Agent 365 Kostenverwaltung

Steuerungseinheit

Umgebung

Nutzer, Sicherheitsgruppe, Tenant

Budget

Kapazitätszuweisung, Azure-Budgets

Monatslimit pro Richtlinie und pro Nutzer in Credits

Bei Überschreitung

Technische Durchsetzung bis zur Dienstverweigerung

Sperre bis Monatsersten, Credit-Anfrage mit Genehmigung

Kostenstelle

Azure-Abonnement je Umgebung

Abrechnungsmethode je Richtlinie

Zuständig

Power-Platform-Admin

KI-Admin, Lizenzadmin, Abrechnungsadmin

Automatisierung

PowerShell, Admin-Connectoren

API für Richtlinien, Anbindung an Genehmigungsworkflows

 

Vergleich: Bisher Power Platform Admin Center mit Umgebungen und Abrechnungsrichtlinie; ab Oktober zentrale Kostenverwaltung

Abbildung 3: Die zwei bisherigen Kostenwelten und ihr Zusammenführen in Agent 365

Wichtig: Angekündigt ist nicht ausgerollt

Microsoft spricht von „geplant für Oktober“. Wie genau Copilot-Studio-Agenten mit den bestehenden Abrechnungsrichtlinien pro Umgebung zusammenspielen, ist noch nicht dokumentiert. Rechne damit, dass beide Welten eine Weile nebeneinander existieren, und plane keine Abschaltung des alten Modells, bevor du die neue Variante im eigenen Tenant gesehen hast.

 

Was sind Chancen? Was sind Risiken?

Die größte Chance ist banal: endlich eine Sicht auf alles. Wer heute wissen will, was KI im Haus kostet, öffnet drei Portale, exportiert vier CSV-Dateien und bastelt sich in Excel eine Wahrheit, die beim nächsten Meeting schon wieder falsch ist. Mit Copilot-Studio-Agenten in der Agent-365-Kostenverwaltung siehst du Verbrauch nach Nutzer, Gruppe, Dienst und Agent an einer Stelle.

Ein Kunde aus dem Maschinenbau hat das schmerzhaft gelernt. Ein Werkstudent baute im Frühjahr einen Agenten, der Ersatzteilanfragen beantwortet, inklusive Aktion zur Lagerabfrage. Der Agent war gut. So gut, dass ein Händler ihn per Skript im Minutentakt befragte. Die Umgebung hing per Pay-as-you-go an einem Azure-Abonnement, das Budget-Alarm hatte niemand eingerichtet. Aufgefallen ist es dem Controlling sieben Wochen später. Der Werkstudent war da schon zurück an der Uni, der Agent lief weiter, unsterblich wie ein Zombie mit Kreditkarte.

Es geht auch anders. Eine Versicherung, die wir begleiten, hat ihren Schadenmelde-Agenten von Anfang an mit eigener Kostenstelle und einem Monatsbudget betrieben. Nach drei Monaten lagen Kosten und eingesparte Sachbearbeiterstunden nebeneinander auf einer Folie, und der Vorstand hat das Budget verdoppelt, statt es zu streichen. Transparenz ist eben nicht nur eine Bremse, sondern auch das beste Argument für mehr Geld. Genau diese Rechnung wird mit der zentralen Kostenverwaltung für jeden Maker-Agenten möglich.

Chancen

Risiken

Eine Konsole für Cowork, Code, Runtime und Copilot Studio

Übergangsphase mit doppelter Logik: Umgebungsrichtlinie und Ausgabenrichtlinie

Budgets pro Abteilung über Gruppen und eigene Azure-Abonnements

„Auto-apply new services“ ist standardmäßig an: Neue Dienste landen still in bestehenden Budgets

Credit-Anfragen laufen in vorhandene Genehmigungsworkflows

Harte Sperre am Limit trifft auch geschäftskritische Agenten

Richtlinien per API: Governance als Code statt Klickstrecke

Richtlinien reservieren nichts: Ein Vielnutzer kann das Gruppenbudget allein leeren

Vergleichbarkeit: Agent-Nutzen gegen Agent-Kosten

Unklare Zuständigkeit zwischen Power-Platform-Team und Microsoft-365-Team

 

Warnung: Der Schalter, den keiner bemerkt

Neue Ausgabenrichtlinien haben „Auto-apply new services“ standardmäßig aktiv. Sobald Microsoft Copilot-Studio-Agenten freischaltet, können diese automatisch in deine bestehenden Cowork-Budgets rutschen. Dann frisst der HR-Urlaubsbot das Budget, das eigentlich für die Vertriebsanalysen gedacht war. Prüfe jede Richtlinie jetzt und schalte die Option dort ab, wo du keine Überraschungen willst.

 

Das zweite Risiko ist organisatorisch. Die harte Sperre ist ein Segen für das Budget und ein Fluch für den Betrieb. Wenn der Kundenservice-Agent am 20. des Monats verstummt, weil die Gruppe ihr Limit erreicht hat, nützt dir die Kostentreue wenig. Kritische Agenten brauchen deshalb eigene Richtlinien mit eigenem Budget und einen Eskalationspfad, der schneller ist als das Monatsende. Klingt nach Bürokratie? Ist es auch. Aber die Alternative ist ein Bot, der Kunden mit Schweigen bedient. Das kann die Telefonhotline auch ohne KI.

Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?

Die Arbeit beginnt nicht im Admin Center, sondern mit einer Inventur. Du musst wissen, welche Copilot-Studio-Agenten in welchen Umgebungen laufen, wer sie gebaut hat, wer sie noch pflegt und welche Abrechnungsrichtlinie heute dahintersteht. In vielen Tenants ist die Antwort auf die dritte Frage: niemand. Diese Agenten sind die ersten Kandidaten für die Stilllegung, bevor sie Kosten mit Budgetadresse produzieren.

Ein besonderes Augenmerk verdient die Standardumgebung. Dort landet alles, was Fachbereiche ohne Projektantrag ausprobieren, und dort hängt meist auch keine saubere Abrechnungsrichtlinie. Nutze die Gelegenheit, produktive Agenten in eigene Umgebungen zu verschieben und die Standardumgebung zur persönlichen Spielwiese mit engem Budget zu erklären. Wer dort einen geschäftskritischen Agenten betreibt, hat ihn ohnehin auf Sand gebaut.

Schritt

Was konkret

Warum

1. Agenteninventar

Alle Copilot-Studio-Agenten je Umgebung mit Ersteller, Eigentümer, Kanal und Verbrauch der letzten drei Monate erfassen

Ohne Liste keine Budgetzuordnung

2. Eigentümer benennen

Je Agent einen fachlichen Eigentümer und eine Kostenstelle festlegen, verwaiste Agenten abschalten

Wer zahlt, entscheidet über Nutzen

3. Gruppen bauen

Sicherheitsgruppen je Abteilung und für kritische Agenten anlegen

Richtlinien greifen nur über Gruppen

4. Budgets ableiten

Agent-Nutzungsschätzer und Ist-Verbrauch nutzen, Monatslimit plus Nutzerlimit festlegen

Damit ein Vielnutzer nicht alles leert

5. Auto-apply prüfen

In allen bestehenden Ausgabenrichtlinien bewusst entscheiden

Verhindert stille Budgetverschiebungen

6. Genehmigungsweg

Credit-Anfragen in bestehenden Workflow einbinden, Antwortzeit festlegen

Sperre am Limit braucht schnellen Ausweg

7. Rollen klären

KI-Admin, Lizenzadmin, Abrechnungsadmin und Power-Platform-Admin abstimmen

Zwei Teams, eine Kasse

 

Tipp: Rechne einmal mit echten Zahlen

Ein Agent mit 2.000 Unterhaltungen im Monat, je zwei generativen Antworten und einer Aktion, verbraucht rund 18.000 Credits, im Pay-as-you-go also etwa 180 US-Dollar. Klingt harmlos. Multipliziere das mit den 40 Agenten aus der Maker-Spielwiese und du hast ein Gesprächsthema für den nächsten Budgetzyklus. Der offizielle Copilot Studio Agent Usage Estimator hilft beim Hochrechnen.

 

Wichtig: Governance als Code

Weil Microsoft Ausgabenrichtlinien künftig per API setzen lässt, solltest du sie wie jede andere Konfiguration behandeln: versioniert, dokumentiert und reproduzierbar. Wer seine Budgets nur im Portal zusammenklickt, weiß in sechs Monaten nicht mehr, warum der Einkauf ein dreifaches Limit hat.

 

Und vergiss die Menschen nicht. Deine Maker müssen wissen, dass ihr Agent ab Oktober nicht mehr unsichtbar im Hintergrund Kosten erzeugt, sondern in einem Bericht mit Namen und Betrag auftaucht. Das wirkt erfahrungsgemäß disziplinierender als jede Richtlinie. Kündige es freundlich an, bevor es jemand im Bericht selbst entdeckt. Niemand liest seinen Namen gern zum ersten Mal neben einer vierstelligen Summe.

Häufig gestellte Fragen

Wo finde ich die Kostenverwaltung für Copilot-Agenten im Microsoft 365 Admin Center?

Die Kostenverwaltung liegt im Microsoft 365 Admin Center unter Copilot › Cost Management. Dort legst du auf dem Reiter „Configuration“ Ausgabenrichtlinien an und siehst auf dem Verbrauchsreiter die Copilot Credits nach Nutzer, Gruppe, Dienst und Agent.

Ab wann werden Copilot-Studio-Agenten in der Agent-365-Kostenverwaltung unterstützt?

Microsoft hat die Unterstützung für Agenten aus Copilot Studio für Oktober 2026 angekündigt. Bis die Funktion im eigenen Tenant sichtbar ist, gilt weiterhin die Abrechnung über Abrechnungsrichtlinien und Kapazität im Power Platform Admin Center.

Was passiert, wenn ein Nutzer sein Copilot-Credit-Limit erreicht?

Der Nutzer verliert bis zum Ersten des Folgemonats den Zugriff auf die Agenten und Dienste der betroffenen Ausgabenrichtlinie. Er kann zusätzliche Credits anfordern, wechselt aber nicht automatisch in eine andere Richtlinie.

Wer darf Ausgabenrichtlinien für Copilot Credits anlegen?

Ausgabenrichtlinien, Limits und Warnungen dürfen KI-Administratoren und Lizenzadministratoren verwalten. Die Abrechnungsmethode, also etwa ein bestimmtes Azure-Abonnement, dürfen nur Global- und Abrechnungsadministratoren festlegen oder ändern.

Kosten Copilot-Studio-Agenten extra, wenn Nutzer eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz haben?

Für lizenzierte Nutzer sind klassische und generative Antworten sowie Microsoft-Graph-Grounding in Copilot Chat, Teams und SharePoint ohne zusätzliche Credits enthalten. Agentenaktionen, Flows und Agenten auf externen Kanälen verbrauchen dagegen Copilot Credits.

Dieses Consulting-Dokument steht als PDF zum Download bereit: https://www.boddenberg.de/ArtikelPdf/ab-oktober-bekommt.pdf — © Ulrich B. Boddenberg · boddenberg.de

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