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Stand: 28. Oktober 2026 · Lesezeit: etwa 11 Minuten

AI-Builder-Credits laufen aus: Copilot Credits rechtzeitig beschaffen

Was der Stichtag 1. November 2026 für Power Apps, Power Automate und Dynamics 365 bedeutet

Consulting Briefing · 29.10.2026 · boddenberg.de

POWER PLATFORM

Power Platform: AI-Builder-Credits laufen aus, Copilot Credits frühzeitig beschaffen

Executive Summary

Am Sonntag ist der 1. November. Das ist kein Feiertag für dein Lizenzbudget, sondern der Tag, an dem Microsoft die AI-Builder-Kapazitätserweiterungen beerdigt. Laut Microsoft-Ankündigung MC1526652 erreichen die Add-ons mit je einer Million AI-Builder-Credits ihr End of Life, und neu gekaufte oder verlängerte Lizenzen für Power Apps, Power Automate und Dynamics 365 bringen ab diesem Tag keine eingebauten AI-Builder-Credits mehr mit. Ersatzwährung sind Copilot Credits, die du gesondert kaufen musst. Du hast also noch vier Tage, um die Dinge zu erledigen, die nur vor dem Stichtag gehen, und ein paar Wochen bis Monate für den Rest.

Microsoft verpackt das freundlich: AI Builder selbst wird nicht abgekündigt, die Funktionen laufen weiter. Stimmt. Es ändert sich nur, womit du bezahlst. Das klingt harmlos, bis du die Raten nebeneinanderlegst. Für Rechnungs- und Belegerkennung zahlst du nach den Pay-as-you-go-Listenpreisen rund das Fünffache, für Objekterkennung das Zwanzigfache. Prompts kosten ungefähr gleich viel, die einfache Texterkennung wird sogar billiger. Und das Gemeinste: Wer weder AI-Builder- noch Copilot Credits in der Umgebung hat, dessen Flows laufen nicht langsamer, sondern gar nicht.

Fakten: Das Wichtigste auf einen Blick

• Was fällt weg: AI-Builder-Add-ons (End of Life) und die eingebauten AI-Builder–Credits in Premium-Lizenzen, jeweils ab 01.11.2026 für neue Verträge und Verlängerungen.

• Was bleibt: Bestehende Credits bis zum Ende der jeweiligen Vertragslaufzeit. Der 1. November ist also kein globaler Abschalttermin, sondern der Start eines Countdowns, der für jeden Vertrag anders tickt.

• Alternative: Copilot Credits als Prepaid-Paket, Vorauskaufplan oder Pay-as-you-go über ein Azure-Abonnement. Eine automatische Umwandlung gibt es nicht.

• Kosten des Nichtstuns: Blockierte Apps und Flows mit Fehlern wie EntitlementNotAvailable oder QuotaExceeded.

 

Worum geht es im Detail?

Zum Hintergrund: AI Builder ist der Low-Code-KI-Baukasten der Power Platform. Dahinter stecken vorgefertigte Modelle für Rechnungen, Belege, Ausweise und Texterkennung, eigene Dokumentmodelle, Objekterkennung und seit zwei Jahren vor allem Prompts, also GPT-Aufrufe direkt aus dem Flow. Bezahlt wurde bisher mit AI-Builder-Credits. Die kamen aus zwei Quellen: aus Add-ons mit einer Million Credits pro Monat für 500 US-Dollar und aus Lizenzen, die Credits gleich mitbrachten. Eine Power-Automate-Premium-Lizenz enthält 5.000 Credits im Monat, Power Apps Premium 500, Power Apps per App 250, Dynamics 365 Finance and Operations 20.000. Die eingebauten Credits sammeln sich im Mandantenpool, gedeckelt bei einer Million.

Parallel hat Microsoft mit Copilot Studio eine zweite Währung aufgebaut, die seit September 2025 Copilot Credits heißt. Zwei Währungen für dieselbe Funktion sind auf Dauer etwa so sinnvoll wie zwei Kaffeekassen in derselben Teeküche, also räumt Microsoft auf. Der Fahrplan steht seit Oktober 2025 auf Microsoft Learn: Seit dem 1. November 2025 können Neukunden keine Add-ons mehr kaufen, Bestandskunden durften noch verlängern und nachkaufen. Ab dem 1. November 2026 ist auch damit Schluss.

Zeitstrahl der AI-Builder-Credits: Verkaufsende 01.11.2025, Fristerinnerung 26.10.2026, End of Life 01.11.2026, Meldung endet

Abbildung 1: Der Stichtag ist der Anfang vom Ende, nicht das Ende. Wann deine letzten AI-Builder–Credits verfallen, steht in deinem Vertrag.

Technisch arbeitet die Power Platform ab sofort in einem Zweiwährungsmodus. Eine AI-Builder-Aktion in einer Power App oder einem klassischen Cloud-Flow greift zuerst auf AI-Builder-Credits zu. Sind keine da oder ist das Monatskontingent erschöpft, weicht sie auf Copilot Credits aus. Gibt es auch die nicht, wird die Ausführung blockiert. Agent-Flows und Copilot-Studio-Agenten zahlen dagegen immer mit Copilot Credits, auch wenn ein klassischer Flow nur in einen Agent-Flow umgewandelt wurde. Abgerechnet wird monatlich, nicht genutzte Credits verfallen am Monatsende, und am Ersten beginnt das Spiel von vorn.

Entscheidungsablauf: AI-Builder-Credits werden zuerst verbraucht, danach Copilot Credits, sonst blockiert mit EntitlementNotA

Abbildung 2: Erst die alte Währung, dann die neue, dann der Stillstand. Und das alles mit Verzögerung bei der Verbrauchsberechnung.

Drei Details machen das in der Praxis tückisch. Erstens berechnet Microsoft den Verbrauch nicht in Echtzeit, sondern im Idealfall täglich, laut Dokumentation aber manchmal erst nach fünf oder mehr Tagen. Bis dahin läuft deine Umgebung munter weiter und gerät in eine Überziehung, die Microsoft nicht berechnet. Sobald die Berechnung nachgeholt wird, wechselt sie schlagartig auf Copilot Credits oder blockiert. Zweitens greift eine Umgebung mit zugewiesenen AI-Builder-Credits nie auf den Mandantenpool zurück, auch wenn dort noch Hunderttausende liegen. Drittens gibt es keinen Umrechnungskurs. Jede Funktion hat ihren eigenen Satz, und die Unterschiede sind gewaltig.

Funktion

Einheit

AIB-Credits

Copilot Credits

Faktor in US-$

Prompt, Basismodell

1.000 Token

≈ 1,2

0,1

≈ 1,7

Prompt, Standardmodell

1.000 Token

≈ 24

1,5

≈ 1,25

Prompt, Premiummodell

1.000 Token

≈ 182

10

≈ 1,1

Rechnungen, Belege, Ausweise

1 Seite

32

8

5

Eigenes Dokumentmodell

1 Seite

100

8

1,6

Objekterkennung

1 Bild

8

8

20

Texterkennung (OCR)

1 Seite

3

0,1

0,67

Visitenkarten, Vorhersage

–

frei

frei

–

 

Die Faktoren in der letzten Spalte vergleichen Listenpreise: AI-Builder-Credits auf Basis des Add-ons, also 0,05 Cent pro Credit, Copilot Credits zum Pay-as-you-go-Satz von einem Cent. Mit Prepaid-Paketen mit 25.000 Copilot Credits pro Monat oder einem Vorauskaufplan wird es etwas günstiger, an der Größenordnung ändert das nichts. Die vollständige Tabelle pflegt Microsoft im Learn-Artikel Übersicht über die Lizenzierung von AI Builder, den Fahrplan im Artikel Ende der AI Builder-Credits.

Balkendiagramm: Kosten je 1.000 Einheiten in AI-Builder-Credits gegen Copilot Credits, Faktoren von 1,1 bis 20 bei OCR günsti

Abbildung 3: Bei Prompts zuckt das Budget kaum, bei Dokumenten und Bildern explodiert es.

Was sind Chancen? Was sind Risiken?

Fangen wir mit der unbequemen Wahrheit an: Viele Organisationen wissen gar nicht, dass sie AI Builder nutzen. Ein Großhändler aus dem Rheinland verarbeitet seit drei Jahren rund 4.000 Eingangsrechnungen im Monat per Flow, im Schnitt zwei Seiten. Das sind 256.000 AI-Builder-Credits im Monat. Bezahlt hat das niemand bewusst, weil die 50 Power-Automate-Premium-Lizenzen der Buchhaltung und der Logistik 250.000 Credits mitbrachten und der Rest im Rahmen der Überziehung verschwand. Die kostenlose Rechnungserkennung war nie kostenlos, sie war nur gut versteckt. Mit der nächsten Verlängerung nach dem 1. November fallen die 250.000 Credits weg. Dann kosten dieselben 8.000 Seiten 64.000 Copilot Credits, im Pay-as-you-go-Modell rund 640 US-Dollar im Monat. Kein Weltuntergang, aber eine Budgetposition, die heute in keinem Plan steht.

Chancen

Risiken

Eine Währung für Power Platform und Copilot Studio, ein Budget, eine Steuerung im Power Platform Admin Center

Blockierte Flows mitten im Monat, ausgelöst durch verzögerte Verbrauchsberechnung

OCR und einfache Textanalyse werden günstiger

Dokument- und Bildverarbeitung werden fünf- bis zwanzigmal teurer

Pay-as-you-go ermöglicht einen sofortigen Notfallpuffer ohne Beschaffung

Unkontrollierte Azure-Kosten, wenn ein Flow in eine Endlosschleife läuft

Anlass für eine Inventur aller KI-Flows und ihrer Eigentümer

Schatten-KI: Flows von Kolleginnen und Kollegen, die längst im Ruhestand sind, aber weiter Rechnungen lesen

Eigene Modelle aus Microsoft Foundry: Copilot Studio berechnet dann nur die Aktion, die Token zahlst du in Foundry

Budgetlücke im Haushalt 2027 bei öffentlichen Auftraggebern

 

Für den Mittelstand ist die Rechnung meist überschaubar, solange du sie vorher machst. Für öffentliche Auftraggeber ist das Timing gemein. Die Haushalte für 2027 sind vielerorts beschlossen, und eine variable Azure-Abrechnung passt schlecht in die Kameralistik. Eine Kreisverwaltung, die ihre Bauantragsanlagen per eigenem Dokumentmodell vorsortiert, braucht deshalb jetzt eine belastbare Mengenschätzung und eine Entscheidung: festes Prepaid-Paket über den Rahmenvertrag oder Pay-as-you-go mit Deckelung. Erklär der Kämmerei besser jetzt, warum dieselbe KI ab Mai plötzlich Geld kostet, als im Mai, warum der Bauantrag liegen bleibt.

Warnung: Freitagnachmittag, 15:47 Uhr

Klassiker aus einem Projekt im Frühjahr: Der Flow zur Belegerkennung lief zwei Wochen fehlerfrei, obwohl die Credits längst aufgebraucht waren. Dann holte Microsoft die Verbrauchsberechnung nach, und ab Freitagnachmittag blieb jeder Reisekostenbeleg hängen. Niemand bekam einen Alarm, nur die Fehlerspalte im Flow-Verlauf füllte sich mit QuotaExceeded. Bis Montag lagen 600 Belege im Postfach. Die Moral: Ein Kontingent, das du erst beim Fehler bemerkst, ist kein Kontingent, sondern eine Falle mit Zeitzünder.

 

Datenschutzrechtlich ändert sich wenig. Die Modelle und Verarbeitungsorte bleiben dieselben, nur die Abrechnung wandert. Spannender ist die Mitbestimmung. Der Verbrauchsbericht im Power Platform Admin Center zeigt den Verbrauch nach Datum, Umgebung und Benutzer, die AI-Builder-Aktivitätsseite und die Dataverse-Tabelle AI Event protokollieren einzelne Aufrufe. Damit ist eine Auswertung möglich, die nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG oder den Personalvertretungsgesetzen mitbestimmungspflichtig sein kann. Wer für die Kapazitätsplanung nach Umgebung und Flow aggregiert, statt nach Person, und das kurz mit dem Betriebs- oder Personalrat abstimmt, spart sich die Grundsatzdiskussion.

Was müssen wir jetzt schon vorbereiten?

Die gute Nachricht zuerst: Am Montag, dem 2. November, wird bei den meisten Kunden nichts ausfallen, weil laufende Verträge ihre Credits behalten. Die schlechte: Genau das verführt zum Aufschieben. Der Plan unten ist nach Fristen sortiert. Die ersten beiden Zeilen haben ein echtes Verfallsdatum.

Wann

Was

Wer

Bis Fr., 30.10.2026

Verträge sichten: Welche AI-Builder-Add-ons und Premium-Lizenzen laufen wann aus? Automatische Verlängerung der Add-ons im Microsoft 365 Admin Center unter Abrechnung, Ihre Produkte abschalten oder vom Partner im Partner Center abschalten lassen

Lizenzverantwortliche, Partner

Bis Fr., 30.10.2026

Prüfen, ob ein letzter Nachkauf oder eine Verlängerung vor dem Stichtag für belegintensive Prozesse noch sinnvoll ist, und das mit dem Partner klären

Einkauf, IT-Leitung

Bis 06.11.2026

Verbrauchsbericht ziehen: im Power Platform Admin Center unter Lizenzierung, Kapazitäts-Add-ons, Berichte herunterladen, Neu, AI Builder

Power-Platform-Admins

Bis 13.11.2026

Betroffene Flows identifizieren: im Power Automate Portal pro Umgebung unter Automation Center, Überwachen, AI Builder-Aktivität; geschäftskritische Prozesse und Eigentümer festhalten

Admins, Fachbereiche

Bis 26.11.2026

Bedarf in Copilot Credits mit der Ratentabelle hochrechnen, Budget freigeben, Pakete kaufen oder Pay-as-you-go-Abrechnungsplan mit Azure-Budgetwarnung einrichten

IT-Leitung, Controlling

Vor jedem Vertragsende

Copilot Credits den betroffenen Umgebungen zuweisen und einen Testlauf fahren

Admins

Monatlich

Verbrauch am Monatsanfang und zur Monatsmitte prüfen; Spitzenmonat als Planungsgröße nutzen

Admins

 

Tipp: Pay-as-you-go als Airbag, nicht als Motor

Ein Pay-as-you-go-Abrechnungsplan für die geschäftskritischen Umgebungen ist in einer Stunde eingerichtet und braucht nur ein Azure-Abonnement. Damit fängst du jede Blockade ab, während der Einkauf noch über Pakete verhandelt. Setz im Azure-Abonnement unbedingt eine Budgetwarnung, und plane danach für den Grundlastbedarf feste Pakete. Ein Airbag ist großartig, aber niemand fährt freiwillig jeden Tag damit gegen die Wand.

 

Wichtig: Nicht eins zu eins umrechnen

Microsoft schreibt es ausdrücklich in MC1526652: Geh nicht davon aus, dass dieselbe Zahl an Copilot Credits deinen bisherigen Verbrauch deckt. Für Prompts mit dem Standardmodell brauchst du grob ein Sechzehntel der bisherigen Credit-Menge, für Belegerkennung ein Viertel, für Objekterkennung genauso viele. Wer pauschal durch zehn teilt, liegt bei jeder Funktion falsch, nur jedes Mal in eine andere Richtung.

 

Bleibt die Kommunikation. Die Makerinnen und Maker in den Fachbereichen müssen wissen, dass KI-Aktionen ab jetzt ein Preisschild haben und dass neue Flows mit AI Builder vor dem Produktivgang angemeldet werden. Der Helpdesk braucht eine Sprachregelung: Fehler wie EntitlementNotAvailable, NoCapacity oder QuotaExceeded sind kein Bug, sondern ein leeres Konto, und gehören direkt an das Power-Platform-Team. Und die Geschäftsführung braucht eine Zahl, keine Folie mit Pfeilen. Wenn du das Thema Copilot Credits ohnehin auf dem Tisch hast, lohnt sich der Blick auf die Kostensteuerung für Agenten gleich mit.

Weiterlesen › Agent 365 Kostenverwaltung soll im Oktober auch Copilot-Studio-Agenten abdecken

 

Häufig gestellte Fragen

Funktionieren AI-Builder-Flows nach dem 1. November 2026 noch?

Ja, AI Builder wird nicht abgeschaltet, nur die Lizenzwährung wechselt. Flows laufen weiter, solange in der Umgebung noch AI-Builder-Credits aus laufenden Verträgen oder ersatzweise Copilot Credits verfügbar sind, andernfalls werden die AI-Builder-Aktionen blockiert.

Werden AI-Builder-Credits automatisch in Copilot Credits umgewandelt?

Nein, eine automatische Umwandlung gibt es nicht. Bestehende AI-Builder-Credits werden bis zum Vertragsende zuerst verbraucht, danach greift die Power Platform auf Copilot Credits zurück, die separat gekauft und der Umgebung zugewiesen werden müssen.

Wie viele Copilot Credits brauche ich als Ersatz für meine AI-Builder-Credits?

Das hängt von der Funktion ab, weil es keinen einheitlichen Umrechnungskurs gibt. Rechnungs- und Belegerkennung kostet 8 Copilot Credits pro Seite, Prompts mit dem Standardmodell 1,5 Copilot Credits pro 1.000 Token, die vollständigen Sätze stehen in der AI-Builder-Ratentabelle auf Microsoft Learn.

Was bedeutet der Fehler QuotaExceeded oder EntitlementNotAvailable in einem Power-Automate-Flow mit AI Builder?

Die Umgebung hat ihr Monatskontingent an AI-Builder-Credits verbraucht und keine Copilot Credits als Ersatz. Abhilfe schaffen eine Neuzuweisung von Kapazität, der Kauf von Copilot Credits oder ein Pay-as-you-go-Abrechnungsplan für die Umgebung.

Behalte ich die in Power Automate Premium enthaltenen AI-Builder-Credits?

Ja, aber nur bis zum Ende der aktuellen Vertragslaufzeit, wenn die Lizenz vor dem 1. November 2026 gekauft oder verlängert wurde. Nach der nächsten Verlängerung enthält die Lizenz keine AI-Builder-Credits mehr.

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